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Sonntag, 29. Dezember 2013

Jörg Pannier - Dies ist kein Pfeifenbuch

Wem ist das nicht schon ähnlich gegangen? Man hat die Muße gefunden sich in aller Ruhe die Pfeife zu stopfen und anzuzünden, sitzt gemütlich im Sessel, entspannt und zieht langsam, bedächtig und genussvoll an der Pfeife. Die Rauchwolken steigen auf und mit ihnen die Gedanken, in die man sich verliert. Sind Pfeifenraucher Philosophen oder ist Pfeife rauchen Philosophie? Gelten doch Pfeifenraucher im Allgemeinen oft als Philosophen, als besonnene Menschen, gute Ratgeber und kluge Lebenskünstler. Pfeiferauchen und Philosophieren – diesem vielfach beschworenen Zusammenhang wird in dem zweiten Buch von Jörg Pannier, welches den Titel trägt: „Dies ist kein Pfeifenbuch“ nachgegangen.


Sein Erstlingswerk „Pipe-Line. Das Buch zu Pfeife“ ist schon eine Weile her. Seit dem war es ruhig um den pfeiferauchenden Philosophiedozenten. Deshalb geht es in seinem Buch auch nicht um die technischen Fragen oder praktische Tipps zum Pfeiferauchen. Die in dem Buch beschriebene Philosophie des Pfeiferauchens setzt dort an, wo der philosophisch interessierte Pfeifenraucher beginnt, sich über den Sinn des Lebens und der Welt Fragen zu stellen. Ihm muss man nicht erst den Umgang mit Pfeife und Tabak erklären, er wäre aber auch mit einer bloßen Einführung in die Philosophie nicht zufrieden; schließlich dreht sich alles um die Pfeife. Es ist gedacht für jemanden, der sich gerne mit philosophischen Fragen rund um sein Lieblingsthema „Pfeife rauchen“ beschäftigt und der zu Recht erwarten darf, dass sich alles um Philosophie, Pfeife und Tabak dreht. Kurzum es ist ein Buch für Genießer.

Man muss im Übrigen kein Pfeifenraucher sein um dieses Buch zu lesen. Es wendet sich an alle Menschen, die sich dem Genuss, welcher Natur auch immer, verbunden fühlen. Wie der Titel schon sagt, ist dieses Buch also ein Pfeifenbuch, das kein Pfeifenbuch sein will, und ein Philosophiebuch, das mehr als nur ein Buch über Philosophie ist. Das Ganze geht nicht ohne ein Augenzwinkern und wird auf sehr humorvolle Art von dem Autor beschrieben.

In 15 Kapiteln bietet das Buch zahlreiche Betrachtungen rund um den Genuss von Pfeife, Tabak und die uns als Pfeiferauchern eigenen Marotten. Jörg Pannier doziert höchst amüsant über die Kunst des Pfeiferauchens, verknüpft den Genuss der Pfeife mit der Kunst der Lebensführung „savoire vivre“ und schlägt humorvoll den Bogen zu Kant und Lichtenberg: „Freiheit ist die Bedingung der Möglichkeit des Genießens“. Er beschreibt den „Homo fumer“ als Mensch, der sein eigenes Zeitverständnis besitzt, die Zeit zur Muße, mit der er dem hektischen Alltag ein Stück Lebensqualität abtrotzt. Pfeife rauchen ist also eine lustvolle „Aus-Zeit“, eine Pause vom Erfolgsdruck; der Pfeifentabak enthält sozusagen ein Frustschutzmittel. Jörg Pannier sinniert über „Pfeifen(t)Räume“ und „Die beste aller Pfeifenwelten“, weil „Zeit, Raum und Glück untrennbar über den Augenblick der Gegenwart eins und sich selbst verbunden sind. Wer glücklich ist, ist mit seiner Gegenwart eins und sich selbst genug. Eine duftende Pfeife am Feierabend ist so ein Glücksmoment.“

So findet man sich als Pfeifenraucher wieder zwischen Epikur und Marc Aurel. Bewusst hat der Autor dabei die Länge eines jeden Kapitels so gewählt, das man es bequem mit einer Pfeifenfüllung in aller Ruhe absolvieren kann. Dem Autor gelingt es, komplizierte, philosophische Themen gut verständlich und humorvoll zu vermitteln. Dabei nimmt er bei allen Ausflügen, die er ins Philosophische macht, immer anschaulich Bezug zum Pfeiferauchen. In weiteren Kapiteln beschreibt er unsere Sammelleidenschaft als „philosophisches Problem“ und erhebt die Pfeife zum Kunstwerk. In dem Kapitel über „das Ethos des Pfeife Rauchens“ grenzt er das genussvolle Rauchen vom Suchtrauchen ab und spricht frei nach Kant von der praktischen Klugheit des Pfeifenrauchers, die sich durch Toleranz, Achtung, dem Instinkt für das Angemessene und der Fähigkeit zum Mitgefühl auszeichnet. Toleranz sei stets ein Zeichen von Selbstvertrauen. Sie gründe in Weltoffenheit, die den Vergleich des eigenen Standpunktes mit anderen nicht zu scheuen bräuchte. Wie wahr! Alleine wegen solcher Sätze ist dieses Buch schon lesens- und empfehlenswert.

Man merkt Jörg Pannier an, dass er Philosophie studiert und gelehrt hat, wobei die Inhalte, die er dem Leser nahebringt, verständlich bleiben und Anekdoten und Geschichten rund um die Philosophie und das Pfeiferauchen die Lektüre angenehm auflockern. Er zeichnet in seinem Buch das Bild eines Genussrauchers bzw. Genussmenschen, der letztendlich auch ein Philosoph ist und bietet hierzu einen kurzen Überblick zu den wichtigsten Themen in der Philosophie. Dem Autor gelingt es in beeindruckender Weise eine Verbindung zwischen der Gedankenwelt der Philosophie und dem Pfeiferauchen herzustellen. Das Buch lädt zum Nachdenken über Sinn und Sein ein und verbindet diese in faszinierender Weise mit dem Thema Pfeife, Tabak und Genuss.

Mir hat die Lektüre dieses Buches große Freude bereitet und vielleicht ist es ja ein interessanter Lesestoff für Pfeifenraucher, die schon alles über die „Kunst des Pfeife Rauchens“ in den einschlägigen Pfeifenbüchern gelesen haben. Jörg Pannier eröffnet mit seinem Buch eine so ganz andere Welt, in die wir, unsere Pfeife genießend, unsere Gedanken verlieren können. „Dies ist kein Pfeifenbuch“ ist im Agenda Verlag erschienen (ISBN 978-3-89688-330-8) und kostet 24,80,-- Euro.

Grüße aus dem Werdenfelser Land!



Autor: Torsten Wieczorek

Kommentare:

  1. Als bekennender Anhänger von Epikur habe ich dieses Werk natürlich spornstreichs bestellen müssen. Ich kann die Lektüre kaum erwarten.

    Liebe Grüße,

    Max

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    1. Hallo Max,

      mir hat dieses Buch beim Lesen sehr viel Spaß gemacht. Er eröffnet in sehr humorvoller Weise und mit einem Augenzwinkern den Zugang zu philosophischen Themen, ohne den Bezug zum Pfeife rauchen außer Acht zu lassen. Für jemanden der sich ein bischen für Philosophie interessiert bestimmt eine interessante Lektüre, gerade weil es (k)ein Pfeifenbuch ist.

      Viele Grüße

      Torsten

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  2. Das o.g. Buch ist aus 2007 ...
    DASS NEUE vom Okt. 2013 lautet "Pipe-Line: Das NEUE Buch zur Pfeife" und ist eine 'Mischung' bzw. 'Zusammenführung' des Alten und des o.g. Buches ... ;-)

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  3. Hallo,

    Es ist richtig, dass das Buch nicht neu ist, sondern schon seot 2007 auf dem Markt erhältlich ist. Das aktuelle Buch von Jörg Pannier ist die neue Version seines "PIPE-LINE". Mir hat an dem "Dies ist kein Pfeifenbuch" eben besonders gefallen, wie er den Bezug zu philosophischen Themen herstellt und über die üblichen Beschreibungen zum Thema Pfeife rauchen hinausblickt. Zudem gibt das Buch viele weitere Leseempfehlungen am Ende jedes Kapitels zu philosophischen Themen; also eben doch (k)ein Pfeifenbuch ;)

    viele Grüße

    Torsten

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