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Sonntag, 15. Dezember 2013

Auf den Punkt: Über Orienttabake und deren Abgesang in den Mischungen...


Orient-Tabake gehörten zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den beliebtesten und am meisten verbreiteten Tabakarten in Deutschland. Zigaretten der damaligen Zeit bestanden bis zu 50 Prozent aus Orienttabak. Pfeifentabake enthielten einen hohen Anteil an Orienttabaken. Man denke nur an die Sobranie-Zigaretten oder den „Balkan Sobranie“ mit einem hohen Anteil an Yenidje Tabak in der Original Mixture. Sündhaft gut und sündhaft teuer!

In den 60er und 70er Jahren wurden die orientalischen Tabake in den Pfeifentabaken immer mehr von den amerikanischen Mischungen verdrängt, in denen nun Virginia und Burley dominieren. Der Orienttabak spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Dies hat seine Gründe. Während bei anderen Tabaksorten die Produktion oft maschinell erfolgen kann, besteht die Herstellung von Orienttabak immer noch aus reiner Handarbeit.

Orienttabak besteht nicht aus einer Tabaksorte, auch wenn der Latakia der bekannteste Vertreter ist. Rund um das östliche Mittelmeer werden verschiedenste Sorten Tabak wie Xanthi, Yenidje, Samsoun, Djebel, Basmas, Izmir, Latakia, etc. in zumeist bergigen Regionen angebaut. Der Tabak wächst am besten auf extrem nährstoffarmen Böden. Die Tabakpflanze ist eher kleinwüchsig, ca. 30 bis 40 Zentimetern groß, doch gerade aus der geringen Wuchshöhe und der geringen Blattgröße, die Blätter werden nicht größer als zehn Zentimeter, ergibt sich der hochwertige Geschmack dieses Pfeifentabaks. Das Besondere des Orienttabaks: Je karger der Boden ist, auf dem die Tabakpflanzen wachsen und je weniger Nährstoffe in diesem Boden enthalten sind, umso kleiner und dicker sind die einzelnen Blätter der Pflanze. Je kleiner wiederum die einzelnen Blätter sind, desto größer ist die Konzentration an Zucker und ätherischen Ölen, die darin enthalten sind und je höher ist diese Konzentration pro Blatt. So ergibt sich ein umso süßerer, aromaintensiver Geschmack des geernteten Pfeifentabaks. Nachdem die Tabakblätter geerntet werden, werden sie in der Sonne über einen längeren Zeitraum getrocknet oder wie beim Latakia über Zedernholzfeuer „geröstet“ bevor sie zu Rauchtabaken weiterverarbeitet werden. In der Zeit der Trocknung nimmt der Orient Pfeifentabak seine hellgelbe bis grüngelbe Farbe an, die mitunter auch ins bräunliche variieren kann bzw. schwarz wie beim Latakia.

Durch diese arbeitsintensive Herstellung können jährlich nur geringe Mengen an Orienttabak produziert werden. Viele Sorten, die in der Vergangenheit Orienttabake auszeichneten sind mittlerweile nicht mehr verfügbar, wie z.B. der syrische Blue Mountain Latakia. Daher sind die Preise der Orient-Pfeifentabake entsprechend höher als die anderer Tabaksorten.

Orient-Pfeifentabake besitzen einen sehr geringen Nikotingehalt und eignen sich daher hervorragend als Mischtabake, sind aber auch pur ein Rauchgenuß!

Mit dem Rückgang der Anteile an Orienttabaken ist leider auch der Orienttabak aus der Mode gekommen bzw. Orientmischungen tragen oft den Stempel des Altbackenen, Altmodischen und sind in einer Zeit der „designten“ Aromaten eher in den Hintergrund gerückt worden. Leider gibt es zur Zeit kaum noch Pfeifentabake in Deutschland mit einem entsprechenden Orientanteil. Die meisten Mischungen, die als Orientmischungen vertrieben werden, sind letztendlich Virginia-Mixtures, denen ein mehr oder weniger kleiner Teil Orient beigemischt wurde.

Aber wie schmeckt denn eine „echte, alte Orientmischung“ nun überhaupt? Welchen Charakter entwickelt der Orient als Hauptbestandteil einer Mischung in der Pfeife. Auf der Suche nach einer solchen Orientmischung bin ich auf die „The Original Oriental“ Mischung von Robert McConnell gestoßen, die von Kohlhase & Kopp hergestellt wird. Die aber, liebe Pfeifenfreunde... bespreche ich in einem weiteren Artikel!

Grüße aus dem Werdenfelser Land....


Autor: Torsten Wieczorek

Kommentare:

  1. Servus Torsten,
    wenn Du der Meinung bist, es gibt auf dem deutschen Markt keine Pfeifentabake mehr, in denen Orienttabake (und Latakia) überwiegen, dann Probier mal den "Balkan" von Pfeifen Huber, München oder die "foundation by musico"-Serie von HU-Tobacco (hier z.B. Tigray, Khoisaan, Zulu, Fayyum). Die haben alle ordentlich Latakia und Orientals drin und schmecken wirklich klasse.

    Viele Grüße aus München

    Roland

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    1. Hallo Roland,

      Die Balkanmischungen enthalten, wie z.B. der Huber gut 10% bis 20% Latakia. Es sind herrliche Tabake, die ich auch gerne rauche, aber mir ging es hauptsächlich um Orientmischungen, die einen breiten Anteil verschiedener Orienttabake haben und einen eher geringen Anteil an Latakia, der durch seine Rauchigkeit die Aromen der anderen Orienttabaksorten verdrängt. So gibt es neben dem Robert McConnell einen Tabak von HU, den Joschi's Oriental Sunrise der ebenfalls sehr gut ist. Die meisten anderen Mischungen, die ich bisher kennengelernt habe, kommen aus den USA wie z.B. die Grand Oriental Serie von McClelland.

      Viele Grüße Torsten

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  2. Coole Sache, den Robert McConnell rauche ich leidenschaftlich gern. Und pur häufig den Orient (Misch-) Tabak von Motzek. Ist im Aroma eher filigran und geht daher leicht auch mal in einer Mischung unter. Ein gutes Beispiel für eine imo klasse Mixtur ist der Flanagan Flake von HU, der einiges an Konzentration erfordert... aber man kann alle Komponenten einzeln (Orient, Kentucky und Perique) herausschmecken - oder die Mischung genießen. ;)

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    1. Hallo,

      der Robert McConnell ist wirklich ein wunderbarer Tabak, Ich fand ihn sehr leicht und mild, was mich anfangs sehr überrascht hatte. Beim Öffnen der Dose war es eher der bekannte Duft der Balkanmischungen. Die Orienttabake von Motzek ist ebenfalls klasse. Eigentlich fast zu schade sie pur zu rauchen, aber in jedem Fall ein Genuß. Den Flanagan Flake muss ich erst noch probieren. Danke für den Tip.

      Viele Grüße Torsten

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  3. Antworten
    1. Danke Kai.

      Viele Grüße Torsten

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  4. Vollkommen richtig zählst Du auch Latakia zu den Orient Tabaken. Dieser Tabak wird noch vielen seiner Freunde Kummer bereiten, lag doch sein hauptsächliches Anbau- und Verarbeitungsgebiet bislang in Syrien! Einer syrischen Hafenstadt verdankt er ja auch seinen Namen.
    Freilich spielen Empfindungen internationaler Pfeifenfreunde in diesem blutigen Bürgerkrieg absolut KEINE Rolle! Die Menschen dort fürchten um ihr nacktes Leben und wohl kaum um die logistischen Probleme von Tabakeinkäufern.
    Und dennoch: "DTM" sah sich schon gezwungen diesen Tabak aus dem Programm zu nehmen (vgl. Dan Pipe Katalog 2014, S. 59.)
    Künftig werden wir also mit Latakia aus Zypern vorlieb nehmen müssen, welcher erheblich kräftiger ist und somit einige unserer geliebten Mixtures im Geschmack durchaus verändern wird.
    Mögen die Menschen in Syrien sich bald wieder dem Tabakanbau widmen können. Ich wünsche es ihnen - und dies beileibe nicht aus Eigennutz!!!!

    Max
    (ebenfalls aus dem Werdenfelser Land)

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  5. Hallo Max,

    du hast sicher Recht. Es gibt wichtigeres im Leben als Tabakmischungen, deren Zusammensetzung oder den Handel mit Tabak. Was momentan in Syrien passiert ist schlichtweg eine menschliche Tragödie! Auch aus diesem Grund ist es tragisch, dass es den dortigen Tabakbauern eben nicht mehr möglich ist auf angestammten Wege ihren Lebensunterhalt zu verdienen und ihre Existenz zu erhalten. Unabhängig davon hat sich wohl auch der Tabakgeschmack geändert und somit auch die Zusammensetzung der Mischungen, sonst hätte der Anteil an Latakia in den Balkanmischungen nicht so stark zugenommen, auch schon in den Jahren vor dem Bürgerkrieg. Dass Latakia, auch zypriotischer Latakia, nicht unbedingt kräftig seien muss beweisen die hervorragenden Mischungen "Sweet Latakia" von HU-Tobacco und "Torben Dansk - 40 Jubilee - Smooth Latakia" von DTM. Ich finde Orienttabak hat generell mehr zu bieten als nur Latakia und hätte durchaus die Hauptrolle in der ein oder anderen Mischung verdient, auch zum Wohle der lokalen Tabakbauern.

    Grüße ins Werdenfelser Land

    Torsten

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  6. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen. Ralf hat doch hier mal den Akropolis Feinschnitt von Planta vorgestellt (gibt es u.a. bei cigarworld.de). Der soll ca. 30% Orientanteil haben und ist lt. Hersteller auch für die Pfeife geeignet. Ich finde ihn interessant und er brennt super ab. Einfach mal probieren.

    Viele Grüße,
    Sascha

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  7. Danke für den sehr informativen und gut geschriebenen Artikel!

    Ich rauche gerne den "Orange Oriental Type" von Bentley, der die feinherbe reife Süße des Orient sehr schön zur Geltung bringt.

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