Willkommen bei Jogi-wan...

Willkommen bei Jogi-wan...

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Acadian und Mature und die Kopffrage... Ein Mac Baren-Tabakmärchen!?

Es waren einmal…

Zwei Tabakgeschwister aus gutem Hause, dem Hause Mac Baren. Sie hießen „Mature Virginia“ und „Acadian Perique“. Entgegen der langläufigen Erziehung gingen sie mit jedem Fremden mit und so kamen Sie auch zu mir nach Hause. 


Sie hatten sich zuvor für ihre Reise ihre kleinen 100 Gramm Dosen gepackt und so kam „Acadian Perique“ mit einer vollen Dose Virginias, Burleys, Cavendish', dark fired Kentuckys, Orienttabaken und Perique zu mir. Ihr Bruder „Mature Virginia“ brachte auch Orienttabake und Burleys mit, setzte aber vor allem auf diverse (insgesamt 15 verschiedene) Virginias. „Das mache ich immer so!“ sagte er und fügte hinzu, dass er so am besten schmeckt. „Viel besser als meine Schwester!“ rief er in Richtung Acadian, die entnervt den Kopf schüttelte. Als sich die beiden darum stritten, wer von den beiden am leckersten sei, nutzte ich die Gunst der Stunde und nahm mal eine Schnupperprobe. Für Freunde echter Tabake, ohne Schnick und Schnack, die den Duft von Orienttabaken nicht scheuen, sicherlich ein Fest. Wie würden die Beiden wohl schmecken? Für mich hatte der Duft den Charme einer getragenen Sportsocke. 
 
Aber da Probieren ja bekanntlich über Studieren geht, habe ich mir zunächst den vorlauten Mature geschnappt und ihm in einem Pfeifenkopf mal ordentlich Feuer unterm Hintern gemacht. Während von Zug zu Zug meine Glücksgefühle stiegen und ich dem Spiel der teils süßen, teils säuerlichen Tabake immer mehr verfiel, wurde mir klar, dass ich den kleinen Mature nie wieder gehen lassen konnte. Welch' Gaumenfreude! Welch' würzig süße Tabakkomposition. Was ein Geschmack!

In den darauf folgenden Tagen vernachlässigte ich die kleine Acadian total. Ich ließ sie links liegen, würdigte sie keines Blickes und beschäftigte mich nur mit dem „Mature Virginia“. Eines Abends weinte sie deshalb bitterlich und ich sah ein, dass es so nicht weiter gehen konnte. Zu ungerecht hatte ich sie vernachlässigt. Sie hatte auch ihre Chance verdient und so stopfte ich mir auch mit ihr mal ein Pfeifchen. Doch ihr Bruder hatte recht. Er war deutlich schmackhafter. Die kleine Acadian kam mir im Vergleich zu schmalbrüstig und schmächtig vor. Ihr Geschmack war so zierlich und dünn - auch wenn sie ihre leicht herbe Note und ihre sanfte Geschmeidigkeit nicht verbergen konnte. „Dachte ich es mir doch“… und verbannte sie wieder ins Tabakregal. 
 
Ich spielte wieder tagelang mit Mature – diesem kleinen Racker, bei dem mir immer wieder das Wasser im Munde zusammen lief, wenn ich nur an ihn dachte. Der hatte Bums, der hatte Geschmack - der hatte alles, was man sich von einem guten Virginia erträumen kann. Nach einiger Zeit kam jedoch der Moment, an dem auch er mir nicht schmecken wollte. Er war wie ausgewechselt. Nun war auch er zart, schmächtig und kaum wieder zu erkennen. 
 
In den nächsten Tagen gab es immer wieder ein auf und ab. Wie konnte es sein, das er mal ein echter Knaller und mal einfach nur unterer Durchschnitt war? Ich nahm mir Mature eines Abends zu Seite, als er wieder mal ein enttäuschendes Ergebnis abgelieferte hatte und stellte ihm die Frage nach dem Warum. „Alles reine Kopfsache!“ sagte er. Da begriff ich, dass nicht er schuld war, sondern ich. Ich holte ihn also schleunigst aus seiner Chimney und gab ihm in einer Pot erneut eine Chance. Welch ein Unterschied! Da war er wieder! Er war wieder ganz der Alte! Sehr gut zu rauchen, geschmacklich wieder pures Tabakvergnügen im Zeichen des Virginia. Schön süffig, würzig mit kleinen Ecken und Kanten im Geschmack, spritzig und doch sanft. 
 
War es wirklich so einfach einen deutlichen Geschmacksunterschied zu erleben? Wenn diese Behandlung bei Mature schon Wunder bewirkte – was vermochte dann seine Schwester zu leisten, wenn man sie nur richtig behandelte? Auch die kleine Acadian kam nun wieder zum Zug und wenn ich darauf achte, auch ihr mehr Raum in der Breite als in der Höhe zu geben, erfreut auch sie nun meinen Gaumen mehr und mehr. Ihr verleiht der Perique einen gewissen Gehalt und einen leicht dumpfen, samtigen Ton, der seines Gleichen sucht. Ich genieße die feine Würze, die sanfte Rauchigkeit von Mal zu Mal mehr. 
 
Bei diesen beiden Leckerchen ist die Entfaltungsmöglichkeit und der lockere Umgang ein Muss! Nur keinen Druck – nur nicht einengen!

Und die Moral von der Geschicht: Hohe Köpfe lohnen nicht (immer)...



Erzähler: Sven Linke

Kommentare:

  1. Das nenne ich mal echte Tabaklyrik. Klasse, so macht das Review lesen Spaß.
    Aber jetzt bin ich erst recht neugierig und wollte mir dieses Jahr doch keinen Tabak mehr kaufen. Ich weiß jetzt ja schon nicht mehr wohin mit all den Leckereien.
    Gott sei dank ist das nächste Jahr ja nicht mehr fern. :-D

    LG Olaf

    AntwortenLöschen
  2. Ja, geradezu lyrisch! Toll geschrieben.
    Beim Pfeifengenuß spielen so viele Faktoren mit rein... Wahl der Pfeife, Kondition des Tabaks, was habe ich gegessen/getrunken. Oft trifft man ins Schwarze, manchmal geht der Schuß daneben. ;)
    Ein hervorragender Tabak wird jedoch immer die höchsten Aussichten auf Genuß bieten. Danke für die Tips!
    Grüße
    Michael

    AntwortenLöschen
  3. Hi Sve danke dir für das sehr sehr unterhaltsame Review, so muss mann erstmal schreiben können!!!
    LG
    Cord

    AntwortenLöschen