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Donnerstag, 22. August 2013

Pfeifenmacher: Claas Roßmann

Akribie durch Leidenschaft


Etwa vier Jahre ist es her, da saß mir ein junger Mann gegenüber, mit dem ich über Pfeifen und Tabak fachsimpelte. Besonders in Erinnerung blieb mir der Inhalt seiner Pfeifentasche (viermal Savinelli 320... in unterschiedlichen Ausführungen) und seine Art, über Pfeifenformen und -oberflächen zu sprechen. Das war schon deutlich mehr, als nur Interesse. Im Laufe des Gespräches äußerte er den Wunsch, selbst einmal eine Pfeife zu bauen... doch, das sagen viele.

Diesen Worten aber folgten Taten... schon ein paar Monate später erreichten mich seine ersten, selbst gebauten Rauchgeräte... und bereits die waren erstaunlich. Erstaunlich auch, weil er sich von Widrigkeiten nicht hatte aufhalten lassen. Fehlende Kontakte zu Ratgebern, schwierige Materialbeschaffung und eine mehr als archaisch eingerichtete Kellerwerkstatt konnten ihn nicht davon abhalten, gelungene Erstlinge zu schaffen. Ich erwarb nach und nach drei der frühen Roßmanns - weil sie mich überzeugten.


Sicher ließen diese Pfeifen Raum nach oben, doch ihre Raucheigenschaften waren ebenso begeisternd, wie ihre Verarbeitung liebevoll. Selbst kleinste Details zeigten Claas' unbedingten, beinahe zwanghaften Hang zur Perfektion. Selbst damals schon waren die Bohrungen, die Passungen, die Oberflächenbearbeitung besser, als bei manchen "etablierten" Machern... und das trotz "Steinzeit-Werkstatt".


Doch, Claas Roßmann wäre nicht Claas Roßmann, wenn ihm das genügt hätte. Es war über die Jahre faszinierend, ihn bei seiner Entwicklung zu begleiten. Kleine Schritte nach vorn, gepaart mit deftigen Rückschlägen, Erfolgserlebnisse, begleitet von ständigem Zweifeln am eigenen Können. Ja, es war und ist nicht immer leicht mit ihm. Den Hang zu haben, sich vom eigenen Perfektionsanspruch versklaven zu lassen, kann auch gefährlich sein.


Letztlich hat ihn dieser Anspruch aber dahin gebracht, wo er sich heute befindet. Er fertigt Handcut-Mundstücke, entwirft und gießt seine eigenen Applikationen aus speziellen Harzen und hat beim Bau seiner Pfeifen eine Qualitätsstufe erreicht, die manch' andere gestandene Pfeifenmacher recht alt aussehen lässt. Erst neulich erwarb ich die "Rose" von ihm, eine Giant, die mit prachtvoll nur sehr unzureichend beschrieben ist.


Nein, Claas Roßmann fertigt keine "Weightwatcher-Pfeifen", die schlanke Filigranität überlässt er gern anderen Machern. "Hubraum" und massiver Materialeinsatz sind eher sein Ding... Pfeifen "aus dem Vollen"... für Fans der kräftigeren Bauart ein echtes Erlebnis. … auch dezente "Nadelstreifen-Klassik" ist nicht seine Welt. Es darf schon opulent und verziert sein.



Der manchmal geraunzte Vorwurf, er sei ein "Copycat" der Pfeifen von Poul Winslow ist aber nicht fair. Wenn sich junge Pfeifenmacher den "klassisch-dänischen" Stil auf ihre Fahne schreiben, so haben sie reichlich und unauffällig Gelegenheit, Anleihen bei den verschiedenen Meistern zu nehmen. Weil der Markt voll ist von Machern, die diesen Stil präferieren, bleiben diese Anleihen meist unkritisiert. Die oft opulenten und verzierten Formen eines Poul Winslow haben am Markt aber ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal.


Entschließt sich nun ein junger Macher, sich diesen Stil zum Vorbild zu nehmen, ist er automatisch ein "Copycat"? Seltsame Sicht der Dinge! Nun, wie auch immer... perfekte Fertigung, stimmige Opulenz, faire Preise und erstklassige Rauchbarkeit nehmen mich für Claas Roßmann und seine Pfeifen ein und machen mich zum Fan. Keine Kritik? Doch, sicher... man wünscht sich mehr glatte Pfeifen... es muss ja auch noch etwas geben, an dem er intensiv tüfteln kann... und die "Werbetrommel" spielt er ziemlich schlecht - das ist in seiner Persönlichkeit nicht so gegeben. Doch, vielleicht macht ihn gerade DAS so sympathisch.




Ihr Ralligruftie

Autor: Ralf Dings


Anmerkung Jogi: Ich besitze inzwischen auch eine Roßmann. Selbst gegossene Applikation, Palmen- und Zebranoholz, Mundstück Handcut

Copyright: Ralf Ruhenstroth

Kommentare:

  1. Ich bin ebenso stolzer Besitzer einer seiner Pfeifen und absolut begeistert !

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  2. Hi Ralf,

    vorab - ich kenne weder den Macher, noch seine Pfeifen (also auch keiner der ihn Kopierer nennt).
    Meine Aussagen berufen sich nun allein auf den Text oben.

    Es macht für mich einen ganz gewaltigen Unterschied, ob ein Pfeifenmacher im "dänischen Stil" baut (und dabei sein EIGENE Formsprache, Shapevielfalt etc mit einbringt) oder ob einer Shape und Finish eines bekannten Machers kopiert!

    Das kann man nicht in einen Topf werfen!

    Davon mal ab, seh ich in dem "kopieren" keinen Beinbruch. Seine Pfeifen sehen in ihrem (nun halt nicht sein eigener) Stil absolut stimmig aus und wenn sie sich wie beschrieben rauchen lassen ist das absolut in Ordnung.

    Zeit seinen eigenen Weg zu finden, hat er sicher noch genug! :)

    Nix für ungut.

    Tim

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    1. Moin Tim,
      ich teile Deine Meinung völlig. Wenn es denn einem Macher gelungen ist,in der "dänischen Richtung" seine eigene Sprache zu finden, mag ich das sehr. Ich traue mir zu, eine Nielsen, eine Jeppesen u.a. auch ohne Stempel zu erkennen und liebe solche Pfeifen. Ich hätte es vielleicht weniger allgemein ausdrücken sollen.Was mich ärgerlich macht, ist, dass Claas von einigen Gralshütern abschätzig als Copycat bezeichnet wird.Ein anderer,junger Macher wird von diesen Leuten aber hoch gelobt, obwohl er nichts anderes macht, als sich fröhlich durch die Stanwell-Shapelist zu kopieren. So etwas finde ich nicht in Ordnung.Du hast natürlich recht.Ein eigener Weg fordert Erfahrung...die sammelt er ja fleissig. Was ich an diesem Blog so mag, ist, dass man sich ohne Polemik und Stress austauschen kann...auch von mir nichts für ungut.
      Lieben Gruß, RALF

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  3. Hallo Ralf,

    im alten China war es das größte Ziel für einen Künstler, die Werke des Meisters zu immitieren.
    Wäre es nicht auch interessant, wenn heute jemand so wie Mozart komponieren würde, oder einen Stil wie Thomas Mann draufhätte? Ich kann das "Problem" daher nicht nachvollziehen. Zudem ist Claas ja erst seit kurzem dabei, und das, soweit ich sehen kann, mit beachtlichen Ergebnissen. Er wird im Laufe der Zeit schon noch einen eigenen Stil entwickeln. Zu erwarten, dass jemand nach 4 Jahren schon unverwechselbare Pfeifen macht - das ist wahtscheinlich ein bisschen realitätsfremd.

    lg Max

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    1. Hallo Max,
      schön, dass man hier auf Leute trifft, die wirklich wissen, wovon sie reden...das ist nicht überall so.
      Stimmt...in anderen Bereichen ist es durchaus salonfähig und auch interessant, Interpretationen bekannter Werke vorzunehmen...oder einen Stil aufzugreifen, um ihn mit eigenen Ergänzungen zu versehen. Wie Du schon sagst...mit zunehmender Erfahrung wird Claas sich mehr abgrenzen.
      Lieben Gruß, RALF

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  4. Hi Ralf, deinem Artikel ist aber auch absolut nichts hinzuzufügen!!!!!
    Claas hat seine "Macken" man muss ihn auch ab und zu mal "schubsen", aber wer die erste Rossmann sein eigen nennt, der kauft auch die Zweite ...und die Dritte.....und so weiter und sofort!!!!
    Keep on Rocking Claas.
    LG
    Cord

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  5. Wenn Claas einen "Stiel" gefunden hat der Ihm gefällt und es Ihm Freude macht schöne und vor allem rauchbare Pfeifen zu machen dann sag ich : Her damit !

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  6. Schön, lieber Walter, dass es viele Pfeifenfans gibt, die das ähnlich pragmatisch und simpel sehen...mit Sicherheit der beste Weg, es zu betrachten !
    Lieben Gruß, RALF

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  7. Moin Ralf,

    Seit einiger Zeit tauchen mehr und mehr Bilder von Claas Pfeifen auf, finde seinen Stil wirklich ansprechend. Aber, wo sind mögliche Bezugsquellen ? Nur über Claas direkt ? Gibt es bereits Vertriebspartner? Über eine Ergänzung wäre ich wirklich dankbar.

    VG, Oliver

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    1. Hallo Oliver,
      Claas bastelt noch und plant seinen erweiterten Auftritt. Für den Moment ist eine Kontaktaufnahme mit ihm persönlich der einzige Weg- macht aber auch Spass, weil er ein lieber Kerl ist ! :-)
      Liebe Grüße, RALF

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    2. Hallo Ralf, vielen Dank für die Info. Dann werde ich ihm wohl demnächst mal schreiben. :-)

      LG, Oliver

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