Willkommen bei Jogi-wan...

Willkommen bei Jogi-wan...

Dienstag, 2. Juli 2013

New Kid In Town - oder: Herausforderung des Platzhirschen

Seit einiger Zeit gibt es eine "Old Boy-Alternative" auf dem Markt! Sie schütteln mit dem Kopf und sind überzeugt, dass es zum "OB" keine Alternative gibt? Diese Überzeugung hatte ich auch. Lassen sie uns doch mal überprüfen, ob sie, sachlich betrachtet, Bestand hat.


Mein "Old Boy" ist (wie auf den Bildern unschwer zu erkennen) mittlerweile ein "altes Schlachtroß" mit tausenden Zündungen. Es hat mich von seiner Zuverlässigkeit überzeugt, ist mir ans Herz gewachsen... hat aber auch manche Schwachstelle offenbart, die in dieser Preislage nicht sein sollte. Die Rhodinierung ist alles andere als dauerhaft. Schon nach kurzer Zeit des (pfleglichen) Gebrauchs schimmerte das blanke Messing durch. DAS sollte bei einem Preis von rund 150 € nicht vorkommen.


Nach einiger Zeit schleicht sich zudem ein Problem ein, dass vielen Nutzern bekannt ist. Das "OB" wird undicht. Grund: Der "Hammer", der das Ventil abdichtet, schließt immer lascher, immer weicher. Sein Druck reicht nicht mehr, das Ventil zuverlässig nach unten zu drücken und somit zu verschließen. Dieses Problem zu beheben ist einfach, WENN man weiß, wie es geht. Das L-förmige Stück Federstahl, hinten am Hammer, leiert aus.


Es zu tauschen ist keine Hexerei. Eine Schraube lösen und alte Feder gegen neues Exemplar tauschen. Die Ersatzteilversorgung fürs "OB" ist gelegentlich etwas holperig, klappt aber über Fachhändler recht gut. Allerdings muss man auch hier anmerken, dass solch' ein Teil (beim Anspruch, den das Feuerzeug an sich selber stellt!) länger halten dürfte!

Generell ist das "OB" sehr wartungsfreundlich. Wer es sich zutraut und passendes (feines) Werkzeug hat, zerlegt es in wenigen Minuten komplett. Seine Funktion ist kein Buch mit sieben Siegeln... so, dass Wartung und Reparaturen auch in Eigenregie erledigt werden können. Ebenfalls zu empfehlen ist eine regelmäßige Reinigung der vom Schmauch verdreckten und verklebten Mechanik (Benzin oder Bildschirmreiniger funktionieren gut) und ein Tröpfchen Schmiermittel (WD 40 o.ä.) am Gelenk des Verschlusshammers.

Kann nun "das Neue" alles besser? Ist das Peterson eine echte Alternative, zumal es ein Stück preiswerter zu haben ist? Wer das Feuerzeug zum ersten Mal in der Hand hält, ist (vor allem, wenn er "Old Boy vorbelastet" ist) beeindruckt. Das Peterson ist größer, gewichtig und das Öffnen und Schließen des Hammers geht mächtig satt vonstatten.


Vor drei Monaten kaufte mein Freund Cord solch' ein Feuerzeug. Günstig für mich - konnte ich doch von seinen Erfahrungen als "Testpilot" profitieren und erst einmal abwarten. Da nichts Negatives verlautete, bekam ich das Exemplar auf den Bildern vor etwa vier Wochen von meiner Frau zum Geburtstag. Zeit und Gelegenheit, dem Teil auf "den Zahn zu fühlen". Gesamteindruck: Old Boy "light"! Nein, das ist jetzt nicht abwertend gemeint, doch bei genauerem Hinsehen stellt man fest, wo gespart wurde.

Es finden sich Gußgrate, die bisweilen recht scharfkantig sind, vorhandene Schräubchen sollte man nachziehen. Bedeutender wird es bei technischen Details. Besieht man sich beide Feuerzeuge von unten, entdeckt man beim „Old Boy“ eine Schutzschraube für das Einfüllventil und eine separate Verschraubung für die Bodenplatte. Das Peterson-Ventil muss ohne Schutz auskommen, die dicke Schraube ist zur Befüllung in der Mitte offen und hält gleichzeitig die Bodenplatte.


Die Flammenregulierung ist bei beiden Feuerzeugen solide, dass Peterson muss zudem ohne das Gimmick des Stopfers auskommen, der sich in der Bodenplatte des "OB" verbirgt - diesen Stopfer halte ich aber für eher verzichtbar. Viel Wichtigeres entdeckt man, wenn man bei beiden Lightern die Bodenplatte entfernt. Die Hülle des „Old Boy“ ist eine Außenhülle, die den Tank umschließt. Diese Hülle lässt sich minutenschnell gegen ein Neuteil (oder ein Teil mit anderem Design) austauschen. Wichtig, wenn man sein "OB" lange Jahre behält und es gelegentlich "renovieren" will. Für den Preis einer neuen Hülle bekommt man lange noch kein neues Feuerzeug. Schraubt man die Bodenplatte des Peterson heraus, zeigt sich folgendes Bild:


Außenwand und Tank sind EIN Teil... da ist also nichts mit Austausch. Man kann ggfs. nur das Originaldesign überkleben, sollte es allzu deutliche Gebrauchsspuren aufweisen. Beim Feuerzeug meines Freundes erweist sich die "Haut" bereits nach drei Monaten als recht abgestoßen und "vermackt". Die Punkte für Langzeitnutzung fährt hier sicher das "OB"ein. Für das satte Auf und Zu des Peterson ist ein kleines Kunststoff-T-Stück verantwortlich, dass an der Aufnahme des Ventilhammers eingesetzt ist.


Welche Langzeitqualität dieses Teil hat, muss sich erst noch erweisen. Ein Bekannter sprach bereits von erlahmender Wirkung beim Öffnen und Schlissen, bei meinem Freund fiel dieses Kunststoffteil dieser Tage sogar ganz heraus - auch nicht so der Weisheit letzter Schluss. Zudem ist fraglich, ob das T-Stück genauso problemlos zu bekommen und zu wechseln ist, wie die entsprechende Feder beim „Old Boy“. In Sachen Haptik hat das Peterson die Nase vorn.


Das Reibrad ist größer und grober gezahnt als beim "OB", die Spannfeder des Feuersteins samt der Einschraubkappe besser zu greifen und zu montieren. Das macht Zünden und Steinwechsel müheloser und sympathisch. Noch ein besonderer Unterschied der Feuerzeuge ist ihre Flamme.


Wie auf dem Bild zu erkennen, hat die "OB"-Flamme mehr Druck, ist aber "spitzer", während das Ventil des Peterson die Flamme weicher abgibt... und breiter. Klar kommt man mit beiden Flammen gut, das ist eher Geschmack- und Gewohnheitssache. Mit wenigen Handgriffen lässt sich die Flamme des "Pete" übrigens noch im Austrittswinkel variieren.

Der einzige Anbieter, der den Hersteller des Peterson beim Namen nennt, ist das Pfeifenkonsulat. Nach deren Information stammt es ebenfalls von IM Corona. Ich erlaube mir, dass zu bezweifeln - Reibrad und andere Mechanikteile sprechen eindeutig für Pearl als Produzenten - was ja auch eine feine Adresse ist. Zwei Jahre Garantie bieten beide Kandidaten... genauso, wie sie beide dieses "Haben-Wollen-Gefühl" auslösen!

Was nun? „Old Boy“ oder Peterson? Nun, beide Feuerzeuge bieten Wertigkeit fürs Geld, ohne wirklich perfekt zu sein. Das "OB" hat seine Langzeitqualität schon hinreichend belegt, dass Peterson muss sich hier erst noch beweisen. Nein, es reicht sicher nicht, um (jetzt schon) den Platzhirschen abzulösen, doch ein gutes Feuerzeug erwirbt man mit dem Peterson ganz sicher. Umso glücklicher schätze ich mich, beide zu besitzen. Der besten Frau von allen sei Dank!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

1 Kommentar:

  1. Hi Ralf,

    mangels Eigentumsrechten kann ich das Peterson Feuerzeug nicht direkt mit dem Pearl "Stanley" vergleichen. Das Pearl hat allerdings die exakt gleichen Daten, was L, B, H, Gewicht und Füllvolumen angeht. Detailphotos lassen ebenfalls keine Abweichung erkennen. Ich gehe also mal davon aus, dass es sich bei dem Peterson wirklich um ein japanisches Pearl Feuerzeug handelt.

    Eben dieses (Pearl) habe ich kürzlich neu für unter 60 € käuflich erworben und bin von der Qualität begeistert. Die Verarbeitung ist top, das Finish und das Handling lassen keine Wünsche offen. Mein Pearl Stanley kommt mit einer geprägten dunkelbraunen Rindlederhaut daher und gefällt (mir) einfach nur unheimlich gut! Pfiffig finde ich im Vergleich zum Old Boy auch die 2-Loch Düse. Reist an einer mal die Flamme ab, dann entzündet sich diese wieder an der anderen.

    Wer also ein schmuckes neutrales Pfeifenfeuerzeug im Old Boy Stil mag und ohne Firmenlogos auskommt, der sollte sich die Pearl Dinger mal anschauen.

    Herzlichst
    Christian

    AntwortenLöschen