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Freitag, 15. Februar 2013

DTM - The Malthouse

Der Name des Tabaks ist eine Reminiszenz an die alte Mälzerei, in der die DTM ihre Heimat gefun­den hat. Die Heimat auch die­ses inter­es­san­ten Tabaks.

Im Katalog heißt es über den Tabak: “Eine superbe Mixture der feins­ten Virginia-Provenienzen, die unter Zusatz von schot­ti­schem Malt Whisky in der Presse fer­men­tiert und danach 12 Wochen bis zur vol­len Reife gela­gert wurde. Zur Vertiefung des Geschmacks gaben wir einen beson­ders voll­mun­di­gen, wei­chen Black Cavendish hinzu.”


Ich hin­ge­gen bin mir rela­tiv sicher, dass der Tabak auch eine Spur Latakia ent­hält. Denn er ent­wi­ckelt beim Rauchen die Würze, wie ich sie vom „Ascanian Nr. 3“ kenne. Doch das ist nicht auf­dring­lich und macht den „Malthouse“ noch längst nicht zu einem Engländer.


Doch der Reihe nach. Der Tabak ist im Pouch ziem­lich fest gepresst und ein wenig (zu) feucht. Das gibt sich aber inner­halb weni­ger Tage. Er char­giert farb­lich zwi­schen hel­le­rem Braun – fast ohne Gelbtöne – bis dun­kel­braun. Es gibt den Tabak schon lange – und so scheint seine Schnittart etwas “aus der Mode” gekom­men zu sein. Er erin­nert mich an meine ers­ten Gehversuche mit Pfeife: An diese typi­schen (hol­län­di­schen) Cavendish-Mixturen wie Amphora „Full Arom“a oder Prestige. Das sieht ein wenig lang­wei­lig aus. Aber der Tabak duf­tet!

Ich kann die­sen Geruch nur schwer beschrei­ben. Es ist wenig „tabaki­ges“ dabei, der Tabak riecht – frisch geöff­net – vor allem nach einer schwe­ren, höl­zern anmu­ten­den und ein wenig an Herbstwald erin­nern­den Aromatisierung. Ich denke, das wird der Whisky sein, der im Werbetext erwähnt wird. Etwas daran erin­nert mich auch an Leder und an Waldboden. Dieser Geruch bleibt auch beim Rauchen immer prä­sent. Ich denke, man muss ihn mögen. Und ich mag ihn – nach kur­zem Anfangsschock.

Ich rau­che ihn am liebs­ten fil­ter­los; hier kommt die­ses dumpfe Aroma, das irgend­ etwas zwi­schen altem, schon fast zu Humus zer­fal­le­nem Holz aus Whiskyfässern und dem Hauch von Rauchigkeit ist, am bes­ten rüber. Filter neh­men dem Tabak ein wenig von dem dump­fen Aroma, aber er schmeckt auch noch so gut genug. Besonders gut gefällt er mit in der lan­gen Tonpfeife, die ich mir letz­tens gönnte – übri­gens gemein­sam mit die­sem Tabak – als hätte ich es geahnt. Kann man ursprüng­li­cher rau­chen??

Beim Entzünden sollte man dar­auf ach­ten, dass wirk­lich die ganze Oberfläche gleich­mä­ßig in Brand gesetzt wird. Anderenfalls glimmt der Tabak in Nestern: sprich: Es bleibt unver­brann­ter Tabak ste­hen. Da ihm aber Nachtzünden nicht schlecht bekommt, ist das nicht ganz so dra­ma­tisch.

Der Geschmack hält genau das, was der Geruch ver­spricht: Die­ses Herbstwaldaroma gefällt mir. Und doch: Fast wäre ich geneigt, den Tabak nicht als Aromat zu bezeich­nen. Denn die­ses Aroma ist so unglaub­lich gut mit dem Tabak ver­hei­ra­tet, dass man mei­nen mag, es ist der Tabak selbst, der so schmeckt. Für die Qualität der Aromatisierung spricht auch, dass sie bis zum Ende der Füllung hin kon­stant bleibt. Während andere Aromaten oft anfangs den Raucher fast erschla­gen und zum Ende hin lang­wei­li­ger wer­den, ist der „Malthouse“ kon­stant vom ers­ten bis zum letz­ten Zug.

Man kann lange an dem Tabak rau­chen. Durch den Schnitt bedingt glimmt er sehr lang­sam ab. Irgendwann geht er ein­fach aus – ich hab mehr­fach ver­sucht, die Asche neu zu ent­zün­den und erst begrif­fen, dass der Tabak auf­ge­raucht ist, als ich die glü­hen­den Aschekrümel im Mund hatte.

Die Kondensatbildung hält sich in Grenzen – eine mit­tel­große Pfeife braucht ein bis zwei mal einen Reiniger. Der Raumdurft ist sehr tabakecht.

Fazit:
Ein wirk­lich urwüch­si­ger Tabak mitt­le­rer Stärke, wie es kaum Vergleichbares auf dem deut­schen Markt gibt. Mir jeden­falls fal­len keine ähn­li­chen Tabake ein. Es sei denn, ich nehme den oben erwähn­ten „Ascanian #3 Smooth Latakia“ zum Maßstab. Dessen Qualität, und vor allem des­sen Feinheiten des Geschmacks kann er nicht bie­ten – aber er kos­tet ja auch nur einen Bruchteil (€ 8,50,-) des ande­ren. Der „
Ascanian“ lebt allein von sei­nen Tabaken – der „Malthouse“ ist aro­ma­ti­siert. Und die­ser Unterschied ist schon zu schme­cken.

Doch trotz­dem: Wer neu­gie­rig auf einen boden­stän­di­gen, anstän­di­gen Tabak der alten Schule ist, der ist hier rich­tig! Ich denke, den „Malthouse“ wird man von nun an ab und zu schon in mei­ner Tabakbar fin­den kön­nen.

Autor: Nic Franck
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Kommentare:

  1. Hallo Nic,

    ein guter Tabak, ich find er schmeckt so, wie es in einer Brauerei riecht, wenn die Würze gekocht wird.

    lg Max

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  2. Danke Max.
    Ich war zwar schon mal in einer Brauerei (keine gute Erinnerung ;-) - aber wie es da riecht; das weiß ich nimmer.

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  3. Hallo Nic,

    danke, dass du den Malthouse wieder in meine Erinnerung gerufen hast. Es ist schon Jahre her, dass ich ihn in der Pfeife hatte, aber jetzt habe ich wieder Appetit darauf. Morgen gleich zum Laden, einen holen gehen. Mit dem Latakia hast du sicher recht. An das kleine bisschen Rauchigkeit kann ich mich gut erinnern.

    lg,
    Peter

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  4. Hallo Namensvetter,

    danke für diese sehr sinnliche und anschauliche Besprechung. Klingt für mich nach einem Tabak den ich UNBEDINGT probieren muss! :-)

    LG
    Nic

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  5. Liebe Freunde im Rauche!
    Einer kürzlich getätigten größeren Bestellung in Lauenburg lag eine Packung dieses Tabakes als gratis Probepackung bei.
    Nun bin ich in einer Spirituosenhandlung aufgewachsen und traue mir durchaus zu einen Speyside, Islay, Highland oder auch einen Blackbush unterscheiden zu können. In dieser Erwartung öffnete ich das Päckchen. Mein olfaktorisches Sensorium wurde diesbezüglich leider enttäuscht. Auch von dem im Artikel zitierten "Herbstlaub" konnte ich nicht wirklich etwas riechen oder später auch schmecken.
    Ist es nur meine Empfindung oder ist es noch keinem von Euch aufgefallen? Mich erinnert dieser Tabak sowohl im Geruch, als auch im Geschmack an Weihrauch! Ein wahrlich klerikales Kraut also.
    Sorry, it didn't hit my taste. Bin halt eher ein Flake Freund und da hat "dtm" wirklich schöne Kräuter im Angebot!
    Liebe Grüße,
    Max

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    1. Nun ist meine Erfahrung mit Weihrauch ... ähm ... eher nicht vorhanden. Deshalb kann ich diese Assoziation einfach nicht nachempfinden.

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  6. Mich erinnert dieser Tabak -- sorry - an Weihrauch.
    Liebe Grüße,
    Max

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    1. Nein nicht Weihrauch (Ex-Ministrant), stark getorfter Whiskey, oder auch Earl-Grey-Tee klingt bei mir an. Ansonsten war er mir zu wenig süß, mittels 1/3 Virginia passte es. Anmerken möchte ich auch die dezente Raumnote, die auch meine Frau akzeptabel fand. Gruß Martin

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  7. Der "Malthouse" hat eigentlich rein zufällig zu mir gefunden und ich war von der ersten Füllung hin und weg! Eigentlich bin ich ja eher ein Fan der Aromaten, wobei ich sehr gerne zwischendurch auch Flakes und Englische ganz gerne rauche. Im Moment bin ich regelrecht süchtig nach dem "Malthouse" und auch ich bin mir sehr sicher, dass er eine unaufdringliche Priese Latakia enthält, die es aber meiner Meinung nach ausmacht! Eine klare Empfehlung vor allem an diejenigen, denen ein Engländer zu stark und ein Däne zu süß ist!
    Liebe Grüße,
    Pascal

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