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Mittwoch, 16. Januar 2013

Und es kommt doch auf die Größe an!

Den geliebten Beaujolais aus einem dickwandigen Wasserglas genießen? Oder den hochgeschätzten Talisker aus der Sektschale schlürfen? Allein die Vorstellung wird bei einigen Lesern für herab gezogene Mundwinkel sorgen. Was im Kreis der Liebhaber geistiger Getränke längst ein Teil der Kultur geworden ist, schafft bei Anhängern der Leidenschaft Pfeife immer noch gelegentliche Verwirrung. Gerade bei den Rauchern, die noch nicht so lange dem Tabakgenuss aus "Rauchhölzern" frönen.

Copyright: Peter Lehmann

Natürlich reicht für den Genuss aller Tabakarten auch die berühmte "Universalpfeife" mittlerer Kopfgröße. Reichen würde für alle Getränke aber auch das oben erwähnte, Wasserglas. Wer den Genuss steigern und die Möglichkeiten dazu ausreizen will, der sollte experimentieren. Und wer wirklich Leidenschaft für Tabak und Pfeife entwickelt hat, wird das auch gern tun. Ich möchte hier mal meine Erfahrungen und Meinungen zum Thema Pfeifengrößen/Tabakschnittarten erläutern.
 

Teil 1- Klein, aber fein

Kleine Pfeifenköpfe sind wieder im Kommen. Die Industrie hat eine Nische entdeckt und argumentiert damit, dass "dem Pfeifenraucher heute kaum noch Zeit für seinen Genuss bleibt" und rät ihm zu kleinen Köpfen - für den "schnellen Pfeifenspaß zwischendurch". Selten fand ich eine Marketing-Idee schwachsinniger. Also für mich schließen sich "auf die Schnelle" und der Genuss einer Pfeife automatisch gegenseitig aus. Doch jeder, wie er mag.

Copyright: Peter Lehmann

Das einem die Pfeifen "von früher" oft sehr klein vorkommen und das Traditionsunternehmen wie Dunhill die Größe 1 als ganz normal ansehen, hat einen einleuchtenderen und besseren Grund, als den oben zitierten Werbe-Blödsinn.

Copyright: Peter Lehmann

Früher gab es einfach viel mehr fein und sehr fein geschnittene Tabake ...und im Bereich gerade der englischen Mischungen ist das auch heute noch so. Wer sich das aktuelle Schnittbild vom "Early Morning Pipe", oder der "Royal Yacht Mixture" ansieht, wird das schnell feststellen.


Abgesehen davon, dass solche Mischungen gern "ordentlich Gehalt" haben und somit ein größerer Kopf gern des Guten zu viel sein könnte, geht es auch um die Art, wie man solche Tabake rauchen sollte. Feingeschnittene Mixturen verglimmen heißer als ihre gröberen Brüder. Daher empfiehlt sich ein besonders bedachtes, ruhiges Rauchen, um Pfeife und Mischung kühl zu halten. Wer nun auf diese Weise einen "kleinen" Kopf zu Ende raucht, stellt schnell fest, wie rasch zwei Stunden vergehen können. Gute Kontrollierbarkeit der Temperatur, genügend Entfaltungsmöglichkeit für feine Schnitte, gut ausreichende Rauchzeiten... so ergänzen sich feine Tabakschnitte und kleine Köpfe zu einer optimalen "Genuss-Kombination".

Copyright: Peter Lehmann
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Das gilt nicht nur für die hier im Bild gezeigten "Pfeifen-Klassiker", sondern auch für die aktuell so beliebten Lesepfeifen der Fantasy-Fraktion, die, sollen die Proportionen stimmen und die Kopfformen "klassisch" sein, auch eher kleine Füllvolumen aufweisen.

Copyright: Peter Lehmann
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Ein "Spezialfall" sind die Flake-Pfannen. In "Flake-Fanzirkeln" wird trefflich darüber gestritten, ob diese Pfeifen wirklich das Nonplusultra in Sachen Flake-Genuss darstellen.

Copyright: Peter Lehmann

Sie zeichnen sich in erster Linie dadurch aus, dass ihre Bohrungsweite deutlich größer ist, als ihre Tiefe. In einzelnen Fällen mag das für optimale Platzverhältnisse geknickter und gefalteter Flake-Päckchen sorgen, doch sobald die Maße übertrieben werden, sorgen diese Pfeifen oft eher für Probleme, denn für sorglosen Umgang. So befindet sich eine Winslöw-Pfanne in meinem Besitz, die bei 25 mm Bohrungsweite gerade mal 16 mm Tiefe aufweist. Optisch eine Besonderheit... in der Praxis für Flakes nahezu unbrauchbar.

Etliche "Flaker" (zu denen ich mich auch zähle) bevorzugen mittlerweile Bulldogs, Bullcaps, Pots, Brandys etc. in "klassischem" Größenzuschnitt, um ihrer Flake-Leidenschaft zu frönen. Übrigens gern auch ohne konische Böden, über deren "Flake-Tauglichkeit" die Meinungen auch sehr weit auseinander gehen.

Copyright: Peter Lehmann
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Bei "gebröselten" Flakes eher unwichtig, bieten diese Pfeifenarten oftmals etwas mehr Bohrungsweite als Höhe. Sie sind, sozusagen, leicht "überquadratisch"... aber trotzdem hoch genug, um einem, gefalteten Flakepäckchen ein gutes Unterkommen zu bieten. Man sieht also, dass die kleinen Pfeifengrößen sehr wichtig sind, will man Tabake eher klassischen Zuschnitts (und gern mal kräftigen Gehaltes) unter perfekten Bedingungen genießen. Mit Eile und/oder der neuerdings als so erstrebenswert angesehenen "25 Minuten-Pfeife" hat das gar nichts zu tun.
 

Teil 2 - Die "normale" Größe in besonderer Vielfalt

Wer es liebt, sich durch die dänischen Mischungen moderner Prägung zu probieren, wer einen sanfteren Flake gern mal gut "aufbröselt", wer Ready Rubbed Tabake schätzt, wird mit Pfeifen mittlerer Größe besonders glücklich. Die Vielfalt der Formen ist unerschöpflich. Von "größer geratenen" Klassikern, über typisch "dänische Stile" bis zur absoluten Freiform.

Copyright: Peter Lehmann
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 und auch die Auswahl passender Tabake ist gewaltig. Zumeist sind modernere Mixturen im Bereich zwischen 2 und 3 Millimeter Schnittbreite angesiedelt - ihnen kommt zur perfekten Aromaentwicklung eine Pfeife mittlerer Größe genauso goldrichtig, wie den sanft "eingerieselten" Truffles oder feineren Cross-Cuts.

Mehr Füllvolumen brauchen diese Tabake nicht, es wäre häufig dann auch "des Guten zu viel"... weniger Volumen reicht ihnen oft nicht, um ihr ganzes Aroma zu entwickeln - was schade wäre. Ob man sich im Bereich "normale" Größe nun eher zum unteren oder zum oberen Grenzbereich hingezogen fühlt, ist eher abhängig vom persönlichen Geschmack und der gewünschten Rauchzeit. Fest steht, dass auch die "normalen" Pfeifen eigentlich Spezialisten sind und nur mit den passenden Tabaken den maximal möglichen Genuss bieten.


Teil 3 - "Bigger is better"?

Es gibt sie... die "Fraktion der Groben" unter den Tabaken. Die "Broad Cuts", "Wild Cuts" und Co. Mischungen, die auch vor einer Schnittbreite von vier und mehr Millimetern nicht zurück schrecken. Meist hinterlassen sie beim Raucher aber keinen bleibenden Eindruck. Weil sie sich in Pfeifen mittlerer Größe nicht wirklich entfalten können. Sie haben dort nicht genug "Luft", um zu zeigen, was wirklich in ihnen steckt. Noch dazu sind sie, wenn überhaupt, eher sanft aromatisiert. Wenn sie dann nicht "artgerecht" genossen werden, sorgen sie oft für Langeweile in der Pfeife.

Copyright: Peter Lehmann

Hier schlägt die Stunde der "Großkopfeten", der Giants, wie sie heute gerne genannt werden. Stop! Jetzt bitte nicht sofort den Kopf schütteln. Ich meine nicht die Bents im Format eines Tenorsaxophons, oder die Billiards mit dem Fassungsvermögen eines mittleren Blumentopfes. Die "Szene", die sich in den USA rund um die Produkte des Hauses "Boswell" gegründet hat, mag ja ganz putzig sein, stellt aber eher nicht den Pfeifengenuss in den Vordergrund. Man kann die hier gemeinten Giants durchaus auch optisch zurückhaltender gestalten.

Copyright: Peter Lehmann

Wenn bei der "Fingerprobe" des Füllvolumens der Mittelfinger oder der Daumen beinahe zur Gänze im Kopf verschwinden, dann sind wir bei der Pfeifengröße, die diesen Mixturen besonders entgegen kommt. Eher etwas lockerer gestopft, entfalten diese groben Mischungen (Kritiker nennen sie gern auch "Rasenschnitt") in solchen Köpfen Aromen und Feinheiten, die man ihnen kaum zugetraut hätte.

Copyright: Peter Lehmann

So werden Tabake, wie z.B. die "Hamburger" von DTM, der "Springwater", der "Ocean Queen" von Aylesbury und sogar der "Indian Summer" zu einem echten Erlebnis...und die Giants zu unverzichtbaren Werkzeugen für einen exquisiten Genuß!

Copyright: Peter Lehmann

Jeder Raucher genießt seine Tabake anders. Das ist mir klar und gut so. Ich wollte auf diesem Wege einfach mal meine persönliche Sicht darstellen. Meine Theorie, wie man den Genuss noch steigern kann, wenn "Gefäß" und "Inhalt" aufeinander abgestimmt sind. Einen Versuch ist es wert, denke ich!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Zuerst habe ich ob der Bildauswahl an einen anderen Autor gedacht - aber gut... ;-)

    Die grobschnittigen Mixtures/wild cuts kann man auch ganz gut noch in mittleren Pfeifen rauchen, wenn man den Tabak etwas zerrubbelt - ist zwar nicht Sinn & Zweck, aber wenn man weniger "Appetit" hat eine Variante

    Beste Grüße - Manni

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  2. Hallo Manni,

    ja,Du hast Recht.Das hätte ich noch einbauen sollen...und das es uns hier gelingt, mit Lächeln und Augenzwinkern auf gänzlich unterschiedliche Geschmäcker zu reagieren, finde ich gut. ;-)

    Lieben Gruß, RALF

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  3. Super Ralf! Sehr schöner Artikel!

    LG
    Tobias

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