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Montag, 26. November 2012

USA: The Iwan Ries Lounge

Wer denkt, dass es (Pfeifen-) Rauchern in Deutschland besonders hart mit restriktiven Rauchverboten getroffen hat, dem ist die gegenwärtige Situation in den USA nicht bekannt. Ja, im Heimatland gigantischer Tabakkonzerne und weitflächiger Tabakanbaugebiete macht sich eben auch in diesem Bereich ein „change“ bemerkbar. War Rauchen hier vor 30 Jahren noch absolut en vogue, so hat in den letzten zehn Jahren eine gesellschaftliche 180°-Wendung in die gegenteilige Richtung stattgefunden. Mannigfaltige Gesetze und Verbote, Anti-Raucherkampagnen, Nichtraucher-Lobbys sowie der allgemeine öffentliche Imagewandel des Rauchens indizieren, dass die Zeiten Marlboro Country‘s passé sind. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, soll jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich will möglichst neutral meine Eindrücke mit euch teilen, die ich in den USA gesammelt habe.

Bedingt durch den in den USA vorherrschenden Föderalismus, ist die Handhabung von Tabak und seines Konsums von Staat zu Staat unterschiedlich. Dabei bestehen weitaus größere lokale Spielräume als in Deutschland. Beispiel Tabaksteuer: Es gibt zwar eine „federal tax“, jedoch ebenso eine variierende „state tax“ und sogar eine „local tax“ auf Tabakprodukte. So kostet eine Schachtel Zigaretten in New York derzeit ca. $ 12.50,-, hingegen in West Virginia $ 4.84,-. Hierzu eine kleine Anekdote: Ich wollte während meines ersten New York Aufenthalts bei einem Tabakhändler nahe der Wall Street zwei Dosen McClelland kaufen. Als der nette Verkäufer dann für die zwei 50 g Dosen $ 36,- haben wollte, war ich doch etwas verdutzt. Ich habe diese dann online zu $ 17,- erstanden.

Und so variieren eben auch die Rauchverbote. Darf man in einigen Staaten nur mit 10 ft. Abstand vor öffentlichen Gebäuden rauchen, kann man z.B. in Las Vegas wirklich noch so gut wie überall qualmen. Die von den Amerikanern so geschätzte „diversity“ schlägt sich hier doch bemerkbar durch. Verallgemeinernd kann man sagen: In Großstädten sowie in progressiveren, politisch liberaleren Staaten, ist der Nichtraucherschutz restriktiver als in den konservativ geprägten. So haben gerade Genussraucher in Metropolen wie Chicago nur noch sehr limitierte Möglichkeiten, ihrem Hobby in der Öffentlichkeit zu frönen. Deswegen öffnen mehr und mehr sogenannte „smoker clubs“ oder „lounges“, in welchen man noch legal Tabak konsumieren darf. Einen solchen Ort will ich heute hier näher vorstellen: The Iwan Ries Lounge.

Iwan Ries ist einer der letzten wirklichen Pfeifen- und Zigarrenfachhändler in Chicago Downtown, also innerhalb des sogenannten Loops. 

Blick auf einen Teil des Loops
Auf den eigentlichen Laden will ich hier nicht näher eingehen. Nur ganz kurz: Ein Besuch ist absolut lohnenswert. Das besagte Geschäft hat aber auch eine exzellente Lounge, um die es im Folgenden gehen soll. Ich will euch einfach kurz meine Eindrücke schildern.

Vor dem Geschäft „Iwan Ries“
Nach einem netten Einkauf bietet es sich natürlich direkt an, seine neuen Schätze auszuprobieren. Gesagt, getan: Einfach einen der wirklich kompetenten Iwan Ries Gentlemen informiert, dass man der Lounge einen Besuch abstatten will, $ 15,- für den „single day“ pass bezahlt (Jahreskarte $ 750,-) … und los geht es. Wem dieses Entgelt viel vorkommt, sei gesagt: Alles - aber wirklich alles - ist in Chicago teuer, da fallen diese $ 15,- nicht mehr ins Gewicht.

Durch eine schwere, deckenhohe Holztür betritt man eine Art Raucherapartment. Dieses besteht aus drei großen Räumen, einer Bar und Toilette. Der erste Eindruck erweckt in mir Erinnerungen an das Betreten einer alten Bibliothek in englischem Stil, nur dass man die Bücher durch Humidore, Aschenbecher und Alkoholflaschen ausgetauscht hat. Ach ja, und natürlich riecht es nicht nach verstaubten Antiquariat, sondern nach Tabak – hauptsächlich nach Zigarre. Wunderbar!

Im „Wohnzimmer“, also im Hauptraum, stehen mehrere Sessel und Couchgarnituren. Die Wände sind mit dunklem Holz getäfelt, wobei eine Seite komplett verglast ist und einen tollen Blick auf die geschäftige Wabash Avenue ermöglicht. Diese natürliche Lichtquelle tut dem ansonsten sehr dunklen und notorisch verrauchten Raum äußerst gut. Dazu sorgt ein großer Flachbildfernseher für eine weitere optionale Möglichkeit der Unterhaltung. Von diesem großen Hauptraum gehen die beiden kleineren Nebenräume ab. Der eine wirkt wie ein Konferenzraum. Ein langer, hölzerner Tisch, der an den Seiten und Enden mit Leder überzogenen Freischwingern umringt ist, füllt den Raum fast komplett aus. Dieser könnte auch der Schauplatz diverser Hollywood-Filme sein – aber natürlich nur alter, da Aschenbecher in Büros heute ein No-Go sind. In der Wand befinden sich integrierte Schließfächer, die man für zusätzliche $ 350,- per annum anmieten kann. Der dritte und letzte Raum ist eine Mischung aus den beiden vorher genannten. Er hat sowohl kleinere Tische, die zu einer Partie Poker einladen, als auch Sessel und Couches. Dieser Raum hat keine natürliche Lichtquelle und wirkt wie ein konspirativer Rückzugsort. Mir schießen Bilder durch den Kopf, wie Ganoven à la Al Capone im Nadelstreifenanzug gewappnet mit Zigarre zwielichtige Geschäfte besprechen. In der Realität jedoch sitzen hier einfach normale Amerikaner wie man sie kennt. Entspannt, leger und freundlich – immer zu einem kleinen Small Talk bereit. Man tauscht sich über Gott, Welt und Tabak aus, fachsimpelt und verbringt eine nette Zeit. An der Bar kann man sich gratis frischen Kaffee brühen oder sich einen Drink genehmigen. Von Whiskey bis zur Williams Birne – Auswahl gibt es genug. Natürlich ist auch für Nachschub an Rauchware gesorgt, der in Humidoren und Tabaktöpfen gelagert wird (es gab auch gratis diverse Blends der Iwan Ries‘ Hausmarke „Three Stars Tobacco“ zu testen).


Kurz gesagt: Ich finde die Lounge klasse. Das Ganze vermittelt einen sehr edlen, elitären Eindruck; ja, es ist ein echter Raucher-Club. Das soll nun aber nicht negativ ausgelegt werden. Im Gegenteil: Die Amerikaner schaffen es nämlich zur gleichen Zeit, durch ihre natürliche Gelassenheit eine angenehme, gemütliche und freundliche Atmosphäre entstehen zu lassen, ohne dabei abgehoben und snobistisch zu wirken.

Diesen amerikanischen Positivismus, also der Versuch mit jeder Situation zurechtzukommen und das Beste daraus zu machen, gefällt mir. Ich hoffe, dass auch in Deutschland mehrere solcher Orte entstehen, an welchen Gleichgesinnte – „brothers of briar“ – zusammenkommen können, um gemeinsam nette Stunden zu verbringen.


Autor: Matthias D.

Dienstag, 20. November 2012

DTM - Ascanian #3 (smooth latakia)

Mit die­sem Tabak hat es eine ganz beson­dere Bewandtnis. Gehört er doch zu einer Serie, die der Gründer von DTM, Heiko Behrens, selbst als sein “bes­tes Kind” bezeich­net.

Allen vier „Ascanian’s“ gemein­sam ist die Grundmischung aus zwei Jahren gela­ger­tem und gereif­tem (Aging) Virginia aus Zimbabwe und Mysore (DTMs meist­ge­nut­zen Virginias also) und einer Spur Orientblatt. Diesem ready rub­bed VA wurde dann Perique und (bei den Nummern 3 und 4) auch Latakia beige­mischt. Der hier bespro­chene “Smooth Latakia” hat zum Beispiel eine Beigabe von 5% Latakia und eben­falls so viel Perique erhal­ten. 

Die Tabake der Serie sind schon im letzt­jäh­ri­gen Katalog auf­ge­taucht; wahr­ge­nom­men habe ich sie aber erst im aktu­el­len. Und die Nummern zwei und drei gleich bestellt.


Seitdem ich den “Smooth Latakia” offen habe, habe ich kaum etwas ande­res als die­sen geraucht. Mir gefällt die fül­lige Süße des Rauches, gepaart mit dem Hauch an Rauchigkeit, den der Latakia hin­zu­gibt. Der Perique ist ver­nehm­lich und gibt eine leichte Säure und sein typi­sches Pflaumenaroma hinzu.

In der Dose liegt der Tabak rela­tiv locker. Das ist auch der Philosophie des Erfinders geschul­det, der schreibt, dass der Tabak des­halb so luf­tig, locker ver­packt wird, damit sich das Aroma durch eine Nachreifung (die beim Pressen zwangs­läu­fig wäre) nicht ändert.

Das Stopfen und Entzünden ist ein­fach: Anzünden, nach­stop­fen, anzün­den, fer­tig. Der Tabak glimmt dann ganz gleich­mä­ßig her­un­ter. Man sollte nur dar­auf ach­ten, nicht zu hef­tig an der Pfeife zu zie­hen. Denn der Tabak geht – wenn man nicht auf­passt – ganz schön an die Zunge. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob man mit oder ohne Filter raucht. Ich lasse den Filter meist weg, denn nur dann schmeckt man die Süße des Virginias und vor allem den Perique wirk­lich. Filter neh­men dem Tabak die von mir so sehr gelieb­ten Spitzen.
Große Köpfe mag der „Ascanian“ auf­grund sei­nes Schnittes lie­ber; er lässt sich aber auch pro­blem­los aus klei­nen rau­chen, wenn man dann ab und zu mal den Reiniger bemüht.

Was mir wirk­lich gut gefällt an dem Kraut – und was der Grund ist, dass ich ihn seit drei Tagen unun­ter­bro­chen rau­che: er wird nicht lang­wei­lig. Es pas­siert ja häu­fig, dass mir Virginia-Mixturen nach einer Weile lang­wei­lig wer­den. Nicht, weil sie schlecht sind, son­dern weil sie immer gleich schme­cken – von Beginn der Füllung bis zum Ende (Obwohl auch das ein Qulitätsmerkmal sein kann!). Das ist hier etwas anders. Nicht nur, dass der Geschmack im Laufe der Pfeifenfüllung kräf­ti­ger wird; sich der Latakia stär­ker durch­set­zen kann. Jeder Zug ist eine Über­ra­schung – aller­dings im posi­ti­ven Sinne. Man sollte dem Tabak wirk­lich Aufmerksamkeit schen­ken; er belohnt es mit immer wie­der neuen Geschmacksnuancen.

Wo ich mir noch völ­lig unsi­cher bin: Ist das nun ein “Naturbelassener” oder ein “Engländer”? (Und wel­che Pfeife nimmt man dafür?) Nichts von bei­dem und bei­des zugleich. Der Tabak ist natür­lich und ohne zuge­setzte Aromen. Und er hat Latakia und Orient (den ich übri­gens nicht erschme­cken kann). Aber er ist kein Engländer im klas­si­schen Sinne – gibt der Latakia doch nur ein wenig wür­zende Rauchigkeit hinzu – ganz so, wie er es soll. Auch der Raumduft char­giert zwi­schen dem eines guten, sat­ten Virginia-Flakes und einem Hauch von Dung-Duft – so, als wäre man mal kurz mit einer Ladung „Nightcap“ durch ein Zimmer gelau­fen, in dem einer im Ohrensessel sitzt, liest und einen süf­fi­gen Virginia raucht.

Fazit:
Ein gro­ßer Wurf! Wirklich jeder Cent des nicht gerade preis­wert zu nen­nen­den Tabaks ist es wert, aus­ge­ge­ben zu wer­den. Ich hoffe, dass Heiko Behrens noch ein paar Kilo des gela­ger­ten Tabaks übrig hat. Und auch der Perique, den ich bei DTM-Mischungen oft nicht son­der­lich mag, ist rich­tig gut zugange.

Ich bin schon sehr gespannt auf die andere Dose, die hier ihrer Verrauchung ent­ge­gen­sieht…


Autor: Nic Frank
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Sonntag, 18. November 2012

Tabak: Roman Peter - Borso

Wenn am Stammtisch der Name Roman Peter und seine Tabake auftauchen, dann bin ich für gewöhnlich als ein Enthusiast anzutreffen. Nur zu gut sind meine Erfahrungen mit den Mischungen aus der Schweiz aus dessen Haus. Ein guter Pfeifenfreund war so nett und hat mir ausreichende Proben zur Verfügung gestellt, um einen weiteren Einblick in das angebotene Tabaksortiment zu bekommen.

Es ist Sonntagnachmittag, draußen ist es grau und ungemütlich. Ein frisch gebrühter Kaffee und mich lacht ein Aromat an. Der Roman Peter „Borso“, auf der Website sehr geschmackvoll angerichtet und dargeboten. „Dark Virginia, Black Cavendish, Burley mit Rotwein sauciert. Mild und gehaltvoll im Aroma“. Ich ahne zwar, dass mich dieser saucierte Aromat nicht vom Hocker schlagen wird, aber warum nicht am Nachmittag mal eine Abwechslung? Wenn der Tabak gut gemacht ist – kein Problem!


Der Geruch der Mischung: Sehr fruchtig und irgendwie tatsächlich „weinig“. Ein deutlich feststellbares Aroma, ordentlich aufdringlich. Der Schnitt ist relativ fein. Die Pfeife muss, was glaube ich viele Anfänger unterschätzen, bei so einem deutlich aromatisierten Tabak sehr sorgfältig und achtsam gestopft werden. Ein größeres Füllvolumen ist ratsam, sonst kann der Stoff nicht zur Geltung kommen.

Das Anbrennen geht leicht von der Hand und was man dann antrifft, ist zunächst mal gar kein Tabakgeschmack. Für den Einen mag das ein nettes und umschmeichelndes Aroma sein, für den Anderen heiße Luft. Nach ca. einem Drittel der Füllung wird es angenehmer, ich nehme an, dass der Burley sich etwas durchkämpft und dem Tabak leichte nussige Spitzen verleiht. Der hinzu gefügte Virginia ist für mich geschmacklich nicht vorhanden.

Die Mischung ist leicht, verlangt aber außerordentliche Aufmerksamkeit. Zwischen nichtssagendem Qualmgetöse und Genuss eines Aromas befindet sich nur ein ganz schmaler Grat. Btw.: Rotwein ist nicht mein Aroma, und in diesem Fall bin ich mir auch nicht sicher, ob der „Borso“ überhaupt ein großer Wurf ist. Und wer hier zu schnell zieht, der erntet relativ rasch ein Gurgeln in der Pfeife. Nach dem Auskühlen und dem Auseinandernehmen der Pfeife darf ich dann einen doch recht feuchten Filter entsorgen und selbst die Raumnote gibt nicht so besonders viel her. Der „Borso“ ist eine Enttäuschung! Zu diesem Ergebnis komme ich nicht, weil ich kein Aromatenliebhaber bin, sondern diese Mischung erscheint mir überhaupt nicht stimmig. Nach meinem Dafürhalten nicht empfehlenswert!

Autor: Ralf Ruhenstroth

Tabak: Nils Thomsen - Flake #4 (Hausmarke)

Es gibt inzwischen vier Flakes, die Nils Thomsen als Hausmarke anbietet. 
 
Beim Öffnen der Dose des „Flake #4“ kommt einem ein satter, fülliger und weicher Geruch entgegen. In der Dose liegt ein zusammengeklappter langer Flakestreifen (Sliced). Der Tabak ist recht feucht und sehr dunkel; durchzogen von hellen Stippen. Beim Anfassen klebt er ein wenig an den Fingern. 

Copyright: Ralf Ruhenstroth

Es bietet sich an, den Tabak vor dem Stopfen aufzurubben - durch seine Feuchte und seiner starken Volumenzunahme beim Glimmen darf der Tabak nur leicht und locker in die Pfeife eingebracht werden. Ich nehme nicht an, dass der Flake beim längeren Lagern an Feuchte verliert; hier ist K & K-typisch wohl viel PG benutzt worden. Was dem Geschmack jedoch keinen Abbruch tut. 
 
Dass im Tabak Burley anwesend sein könnte, schließe ich aus dem weichen, fülligen Rauch. Es kann aber auch sein, dass ich mich irre und nur Virginia verwendet wurde. Und Perique, der im Geruch ein wenig und im Geschmack vor allem zum Ende einer Füllung hin sich durch Kraft bemerkbar macht. Nach dem Entzünden empfinde ich den Tabak als gerade mal medium; zum Ende hin wird er immer kräftiger. Der Tabak schmeckt süß mit einer Spur Rauchigkeit und - wenn man nicht aufpasst und die Pfeife zu heiß werden lässt - einem Hang zum Zungenbiss.

Copyright: Ralf Ruhenstroth

Der Nils Thomsen-Flake #4 ist meiner Meinung nach ein Tabak zum Filterrauchen. Mir zumindest kommt er mit Meerschaumfilter geraucht am "sämigsten" vor - ohne Filter ist er "ruppiger". 
 
Der Raumduft ist naturecht und rauchig-süß - ganz dem Geschmack des Tabaks entsprechend. Es ist nicht ganz einfach, den Tabak trocken bis zum Ende herunterzurauchen - durch die schon angesprochene Feuchtigkeit zickt er am Ende ein bisschen herum. 
 
Fazit: Der Nils Thomsen „Flake #4“ ist ein wunderbarer Virginia-Flake a la „Marlin Flake“. Ich mag ihn gern; auch wenn er für mich einen kleinen Kick vermissen lässt. Er ist der süffigste der Nils Thomsen-Flakes und sicherlich der, der am häufigsten in meiner Tabakbar anzutreffen sein wird.



Autor: Nic Frank
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Germain's (Germain & son) - Medium Flake

Die Dose Germain's „Medium Flake“ ist so alt, wie es den Tabak auf dem deutschen Markt gibt - sind also schon 1 1/2 bis 2 Jahre, die der Tabak liegt. Und ich denke, das tat dem Tabak gut. Ich habe ihn damals einmal probiert und war von dem strohigen Geschmack enttäuscht. Davon ist keine Spur in der Dose, die ich in nur wenigen Tagen fast auf geraucht habe. 
 
Der Tabak ist pitschnass und man sollte meinen: unrauchbar. Aber merkwürdigerweise lässt er sich problemlos und relativ trocken bis zu einem winzigen Häufchen feiner Asche herunter rauchen.

Copyright: Ralf Ruhenstroth

Doch der Reihe nach: Der Flake kommt in einer länglichen, schmalen Flakedose daher, wie man sie von Erinmore kennt. Die Scheiben waren mal ohne Teilung übereinander geschichtet. Allerdings ist es absolut unmöglich, eine Scheibe Flake zu entnehmen - der Tabak klebt so fest aneinander, dass ich den Tabak fadenweise entnehmen musste. Und die dabei entstandenen Tabakfäden sind sehr dünn und schmal (wie Feinschnitt, nur länger). Ich habe diese Fäden dann in die Pfeife gerollt, dabei nicht zu fest andrücken (ich vermute mal, dass der Tabak nicht glimmen kann, wenn er fest gestopft wird - einfach deshalb, weil er so nass ist.) 
 
Es dauert ein Weilchen, ehe der Tabak über die gesamte Oberfläche glimmt. Hier braucht es ein wenig Geduld. Wenn aber, dann geht der Tabak nicht mehr aus und bleibt konstant (wenn auch schnell) im Abbrand bis zum plötzlichen Erlöschen der Glut. 
 
Der Geschmack ist typisch für einen nicht ganz süßen Virginia: etwas rauchig, etwas säuerlich und erstaunlich mild zur Zunge. Trotz der Feuchte und trotz Weglassen von Filtern. Auch wenn der Tabak mal zu heiß wird bleibt die Zunge ungegrillt. Erstaunlich. Viel kann man zum Geschmack nicht sagen: er schmeckt wie viele andere VA-Flakes der mittleren Preislage. Was ihn auszeichnet ist seine geschmackliche Konstanz und sein zungenfreundliches Verhalten. Der „Medium Flake“ belastet nicht (er ist auch vor dem Mittag problemlos verträglich) und schmeckt vom ersten bis zum letzten Zug tabakecht. Ein grundehrliche VA-Flake halt. Ein wenig erinnerte er mich an gute Zigaretten. Vor allem auch im Raumduft, der nur solange angenehm ist, wie der Rauch (oder das Zimmer) noch warm ist. 
 
Fazit: Im Gegensatz zum „Latakia Flake“ aus dem selben Hause hat mich der „Medium Flake“ überzeugt. Sicherlich ist das kein Highlight unter den VA-Flakes; aber ein grundsolider, grundehrlicher Tabak, der nicht mehr verspricht, als er halten kann. Wer Tabake wie den Richmond „Medium Navy Cut“ (der weniger säuerlich ist) oder den MB „Virginia Flake“ (der spritziger und auch bissiger ist) mag, wird auch mit dem Germain's „Medium Flake“ gut bedient sein.


Autor: Nic Frank
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Tabak: Rattray's - Hal O' The Wynd

Dieser Tabak dürfte allen wohlbekannt sein. Insofern ist es fast müßig, etwas über dieses großartige Kraut zu schreiben. Andererseits kann es nicht schaden, einen guten Tabak immer wieder aufs Neue zu loben. 
 
Als ich den „Hal o' the wynd“ das allererste mal probierte, habe ich mir notiert: "ready-rubbed-Version des Marlin Flakes". So einfach stimmt das allerdings meiner Meinung nach nicht. Denn selbst der aktuelle „Marlin Flake“ ist etwas dunkler und "brotiger" in Geruch und Geschmack. Der reviewte Tabak ist den genannten sicherlich verwandt, aber sie unterscheiden sich doch voneinander. Sie sind sicherlich Brüder; aber keine Zwillinge. 

Copyright: Ralf Ruhenstroth

Der Tabak ist in der gekauften Dose perfekt konditioniert. Die oft bemängelte überaus große Feuchte der Rattray's ist hier nicht gegeben. Der Tabak fasst sich elastisch und weich an, ohne jedoch zu kleben. So ist das Stopfen ein Kinderspiel. Das Entzünden braucht schon etwas mehr Mühe, denn der Tabak bäumt sich sehr auf und es bedarf einiger Versuche, ehe die gesamte Oberfläche glimmt. Wenn aber, dann so gleichmäßig, dass man die Pfeife auch mal 5 Minuten zur Seite legen kann, ohne dass die Glut erlischt. 
 
Im Geschmack verrät sich vom ersten bis zum letzten Zug: hier spielen die kombinierten Virginias die allererste Geige. Süffig und vollmundig präsentiert sich der Tabak. Süßlich und wenig rauchig stellt sich der Geschmack dar. Immer präsent und zum Ende hin etwas kräftiger werdend. Ich rauche den HOTW gern aus größeren Pfeifenköpfen, da die Geschmacksintensität propotional zur Rauchdauer steigt. Ergo: eine „HOTW-Pfeife“ kann nie groß genug sein!

Auch wenn ich denke, dass der Tabak sicherlich kein Einsteiger-Tabak ist, denn es braucht schon ein wenig Übung, die geschmacklichen Nuancen zu entdecken; er ist anfängerfreundlich. Wenn er mir auch ohne Filter geraucht bedeutend besser schmeckt. Ich habe das Gefühl, dass der Filter (AKF und Meerschaum) dem Tabak die Spitzen wegnimmt, die ihn aber auszeichnen. Mit Filter wirkt er eher eindimensional.

Wichtig ist auch, dass man sich bewusst bemüht, den Tabak immer sehr kühl zu rauchen. Schnelle, tiefe Züge bestraft er mit Geschmacksverlust. Da kann man sicherlich auch preiswertere Flakes rauchen. Aber kalt und langsam geraucht offenbart der HOTW eine schier unglaubliche Geschmacksfülle. 
 
Ich stopfe den Tabak nicht fest. Er braucht Luft zum Glimmen. Trotzdem genügt eine Füllung in einer mittelgroßen Pfeife für gut eine Stunde Rauchgenuss. Übrig bleibt ein wenig dunkelgraue Asche. 
 
Fazit: Liebhaber der naturbelassenen Tabake kommen an dem „Hal o' the wynd“ nicht vorbei. Das ist einer der ganz Großen aus dieser Richtung. Und neben dem „Marlin Flake“ einer, der immer wieder meinen Weg kreuzen wird. In meiner persönlichen Bewertungsliste bekommt er ein "Sehr empfehlenswert".


Autor: Nic Frank
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Tabak: McClelland - Virginia Matured #27

Las Vegas: Der Superlativ des Konsums. Ich habe keinen Fleck auf der Welt kennengelernt, der sich so sehr der Einnahme und Ausgabe des schnöden Mammons verschrieben hat. Man kann es wohl getrost als das Babylon unserer Zeit bezeichnen. In diesem Übermaß an Übertreibung und Unnatürlichkeit will ich wenigstens in meiner Pfeife einen ehrlichen und soliden Tabak.

Da kommt mir der No. 27 aus der Brown Label Edition (Matured Virginias) von McClelland genau recht. Ich habe 50 g zu $ 8.44,- (derzeit ca. € 6,60,-) erworben. Und Eines vorab: Das ist ein Spottpreis für solch gebotene Qualität! Der Hersteller merkt noch an: “An excellent indoor smoke any time of day, this beautiful, orange-red, shag-cut cake has a mellow flavor and a light, subtle aroma.”


Beim Öffnen der Dose kommt einem der von McClelland gewohnte Essig / Ketchup Duft entgegen - in einer wirklich starken Intensität. Mit „shag-cut cake“ werden hier geschnittene, grob zerrupfte Flakescheiben bezeichnet. Ich persönlich würde die Darreichungsform als „broken flake“ titulieren, da sich in der Packung sowohl noch erkennbare Flakestücke, aber auch langfaserige Tabakfäden befinden. Für den etwas routinierten Raucher sollte das Stopfen jedoch keine großen Probleme darstellen. Ich persönlich nehme mir die passende Menge aus der Dose, forme sie zu einer Kugel und bringe sie in den Pfeifenkopf ein. Ähnlich unkompliziert ist auch das Anzünden: Nach 3 – 4 Streichhölzern brennt das Kraut für gewöhnlich, was auch der guten Konditionierung zu verdanken ist.


Die ersten Züge offenbaren sofort, was dem Raucher in den nächsten 2 Stunden bevorsteht. Dieser sehr ausgewogene, nicht sehr süße Virginia vermittelt wunderbar, dass auch puristischer, nicht mit diversen Chemikalien behandelter Pfeifentabak seine Daseinsberechtigung hat. Vom Essig ist nicht viel zu schmecken; vielleicht dezent im Hintergrund. Riecht man jedoch an der geräumten, erkalteten Pfeife, ist dieses Ketchup-artige wieder leicht wahrzunehmen. Der No. 27 – sowie wie eigentlich alle Vertreter der Brown Label Edition von McClelland – zeichnet sich einfach durch harmonischen und naturnahen Tabakgenuss aus. 
 
Das Aroma bleibt bis zuletzt recht unverändert und verzeiht auch häufigeres Nachzünden. Im letzten Viertel wird er etwas kräftiger. Die Stärke empfinde ich als medium. Die Raumnote ist nichts Besonderes und ähnelt Zigarettenrauch. Zumindest habe ich niemanden vom Roulettetisch vertrieben.
Summa summarum: Nach meinen Begriffen ein empfehlenswerter Virginia, der mild und nicht zu süß ist. Ich finde ihn darüber hinaus tatsächlich für „indoor“ geeigneter, da ich im Freien seine feinen und komplexen Aromen nicht so intensiv wiedererkennen kann.


Autor: Matthias D.

Samstag, 17. November 2012

Tabak: Träber - Virginia Mixture (Hausmarke)

Ich bin gemäßigt konservativ, wähle nicht die Grünen, rauche aber sehr gerne ehrliche Tabake. Es darf durchaus ohne großen Schnickschnack und dafür überschaubar sein. Nun ja, „Drei verschiedene Mischungspartien feinsüßer Virginia-Tabake werden leicht gepresst und nach ihrer Reifezeit zu einem ready rubbed aufgelockert“. Das ergibt eine reine Virginia-Mischung. Super, das wollte ich haben, als ich mir bei Tabak Träber in Münster diese Dose bestellt habe. Und nun ist das Döschen da, ich habe mehrere Füllungen davon geraucht und einen Stammtabak mehr in der Bar.


Das, was uns Kohlhase & Kopp hier für Träber gefertigt hat, lässt mich schon unmittelbar nach dem Öffnen jubeln. Virginia, überwiegend mittleres bis dunkleres Braun, helle Tabakstreifen sind deutlich in der Unterzahl. Es riecht nach Früchtebrot und Rosinen. Ich habe fast den Eindruck, dass ein klitzekleines Flavour zugefügt wurde, dabei kann ich mich aber auch täuschen. Das Ganze ist wie beschrieben ready rubbed, durchsetzt mit gerissenen Flake-Stücken.


Was ich sehr schnell für mich heraus gefunden habe, ist, dass die Mischung am besten in einem mittelgroßen Pfeifenkopf kommt. Klein geht natürlich auch, eine längere Rauchdauer ist auch hier garantiert, für die ganz Großen ist der Stoff zu mächtig. Die Flakes vor dem Einbringen in die Pfeife mit der Hand zu zerkleinern ist durchaus eine Option.

Bein Anzünden ist die „Virginia Mixture“ etwas zickig, insbesondere wenn man sich bemüht, einen gleichmäßigen Flächenbrand zu entfachen. Da dürfen es gut und gerne bis zu fünf Zündhölzer werden. Und dann wird es dezent süß, aber auch säuerlich. Die Kombination macht es aus. Sehr vollmundig und rund. Überall lauern kleine Geschmacksüberraschungen, nichts ist dröge und langweilig. Langsam rauchen, sonst wird es zunehmend heiß. Wird dies beherzigt, dann glimmt diese Mischung sehr langsam, gemütlich und gleichmäßig runter. Echter Rauchgenuss für Freunde der naturnahen Richtung. Das alles ist bodenständig, ehrlich und mittelstark. Im Kopf bleibt dann graue Asche übrig, dazu gibt es ein spürbares Raumaroma, über dass sich meine Mitbewohner mehr Gedanken machen als ich.

Große Empfehlung! Es würde mich nicht wundern, wenn es diese Mischung auch als Hausmischung in anderen Häusern gibt. Ich weiß nur noch nicht wo.


Autor: Ralf Ruhenstroth

Freitag, 16. November 2012

Germain's (Germain & son) - Special Latakia Flake

Ich bin mir sicher: Wer auf Latakia steht, kennt den Germain’s „Special Latakia Flake“ schon. Ich jedenfalls kannte ihn noch nicht, und da ich letzte Woche eh eine Bestellung bei meinem Stammdealer aufgegeben habe, dachte ich mir “Komm, bestelle den mal mit, probieren geht über studieren und so…”. Okay, mit € 9,90,- für 50 g fällt der dieser Tabak nun wirklich nicht in die Kategorie „preiswert“, aber er ist jeden Cent wert.


Aber zu den Fakten: Es handelt sich nicht um eine Lizenzproduktion für den deutschen Markt, sondern tatsächlich um das Original von der britischen-englischen-normannischen Insel Jersey (macht bloß nie, nie, nie den gleichen Fehler wie ich und nennt einen “Eingeborenen” von Jersey einen Engländer – nennt lieber einen Nürnberger einen Bayern oder einen Vogtländer oder Lausitzer einen Sachsen), wie man auch schon an den „nachdrecklich“ aufgeklebten “Wir wörden allö störbön”-Aufklebern merken kann!

Wenn man die Dose aufmacht strömt einem schon nach dem ersten Plopp dieses typische Latakia-Aroma (einige nennen es auch Kameldung. Love it or hate it – auf jeden Fall ist es ein sehr spezieller, fast erdiger Geruch! Ich rate nur jedem, der den Germain’s „Special Latakia Flake“ testen möchte dazu, eine GROSSE Pfeife zu nehmen – in einem Kopf mit nur mittlerem Füllvermögen kann sich das Aroma des Latakias einfach nicht entwickeln.


Wie man sehen kann habe ich mich dazu entschieden, das erste Rauchopfer dieses genialen Flakes mittels meiner geliebten Machiavelli Astoria durchzuführen (derzeit meine absolute Lieblingspfeife) – dank dem mächtigen Füllvermögen und dem langen Churchwarden-Mundstück ist sie einfach nur prädestiniert für diesen Tabak!

Macht aber auf jeden Fall das Fenster beim Rauchen auf – das Raumaroma hat es auf in sich. Nicht ohne Grund werden die meisten Latakia-Jünger von ihren Frauen (so vorhanden) auf den Balkon oder in den Garten verbannt – zum “Glück fehlt mir so ein Hausbesen, aber selbst meine Dackeltiere waren von dem entstandenen Raumduft nicht sonderlich begeistert (und die rollen sich immerhin mit größtem Vergnügen in Schafscheisse!).

Auf jeden Fall darf der Germain’s „Special Latakia Flake“ ab sofort in meiner Tabakbar nicht mehr fehlen – gewiss kein All-Day-Smoke, aber ein herrlicher Tabak, der jedoch nach einem passenden Genießer verlangt.


Autor: Sascha Kraeling

Donnerstag, 15. November 2012

DTM - Liberty

Ich habe einen aro­ma­ti­sier­ten Engländer erwar­tet. Und einen „engli­schi­sier­ten“ Aromaten bekom­men. Doch nichts­des­to­trotz fängt der Tabak lang­sam an, sich in mei­nen Pfeifen wohl­zu­füh­len.


Eine Mixture aus­ge­sucht gold­brau­ner Virginia-Sorten und je einer klei­nen Portion Kentucky und Dark Fired Virginia. Die Zugabe eines inter­es­sant gefla­vour­ten Ready Rubbed Virginia Flakes ver­leiht ihr ein sehr anspre­chen­des Aroma. Ihre dezente Würze erhält sie von einer klei­nen Prise Latakia, des­sen rau­chige Note jedoch nie in den Vordergrund drängt.“

So klingt der Werbetext von DTM/Dan Pipe. Und ich hänge mich jetzt mal aus dem Fenster und sage, dass der beige­fügte (und sehr domi­nante) gefla­vourte Flake der von mir hoch­ge­schätzte „Formers Flake“ ist. Oder doch zumin­dest ein sehr enger Verwandter. Denn das Aroma kenne ich. Es ist aller­dings kurz nach dem Öff­nen sehr domi­nant; zu domi­nant sogar. Das ganze Zimmer riecht danach. Auch bei den ers­ten Füllungen ist kaum etwas anders als die­ses flo­rale Aroma zu ver­neh­men. Das gibt sich aber zum Glück nach einer Weile und dann… dann fängst der Tabak rich­tig an zu schme­cken.

Langsam und kühl geraucht kann man dann näm­lich sogar den rauchig-würzigen Latakia erschme­cken. Eine wun­der­bare Zugabe zu dem kräf­ti­gen Aroma und den erfreu­lich kräf­ti­gen Virginias – ich denke, der Kentucky wird den ange­neh­men „Krawumm“ hinzu tun.

Man sollte dem „Liberty“ weit gebohrte, nicht zu tiefe Pfeifen gön­nen. Mir hat er am bes­ten aus rela­tiv klei­nen, wei­ten Köpfen geschmeckt. Meerschaumpfeifen sind für ihn die erste Wahl; fragt mich nicht, wes­halb. Im Raumduft ist vom Latakia nichts zu erah­nen; hier domi­niert die fruch­tige Note sehr. Er wurde nicht nur von mir als ange­nehm emp­fun­den.

Alles in Allem: Sicher­lich kein Tabak, den ich immer rau­chen möchte, dazu ist mir die Aromatisierung zu stark. Aber für die süßen Nachmittagsstunden, wenn es drau­ßen lang­sam dun­kel wird und der Regen an die Fenster klatscht; man drin­nen sitzt mit 'ner Tasse Tee und Chopin im CD-Player… dann ist es genau der rich­tige Tabak. Dann darf es kein ande­rer sein.

Den Lauenburgern ist hier auf jeden Fall etwas Gutes gelun­gen: Die Verbindung eines Hocharomaten mit der Würze eines guten Engländers. Er ist am ehes­ten noch mit dem „Black Velvet“ zu ver­glei­chen. Wobei jener eher ein Engländer mit Aroma ist.


Autor: Nic Frank
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Tabak: Peterson - Hyde Park

Da ich heute sowieso mal wieder in der Nähe eines halbwegs gut ausgestatteten Tabakgeschäfts war, habe ich mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen und drei für mich neue Tabake mitgenommen.

Obwohl ich eigentlich der Fan von Naturtabaken bzw. auch Engländern bin, hat mir eine Riechprobe des „Hyde Park“s so richtig “Hunger” auf diesen Aromaten gemacht. Laut Verpackung (50 g/€ 10,15,-) also eher im oberen Preissegment) handelt es sich um einen traditionellen englischen Blend (Yeah) aus hellen und dark fired Virginias (auch Yeah), sonnengetrocknetem indischen Tabak (insert anerkennendes Nicken here) und Burley (Naja, muss sein). Durch Zugabe von Rum und Zucker-Ahorn erhält der Tabak eine mahagonifarbene Optik und beschert uns einen exklusiven Rauchmoment.


Wie gesagt: Die Rüsselprobe war schon im Laden überzeugend, ein sanftes Rum-Aroma und ganz hinten im Riechkolben etwas Ahorn… Definitiv nichts für im Sommer, aber wir haben mittlerweile schon Minustemperaturen, da passt das ja ganz gut… Also gleich mal ein Pfeifchen (mittlere Kopfgröße) gestopft – was auch ganz ordentlich ging, der „Hyde Park“ ist zwar etwas feucht aber nicht nass, kann aber trotzdem etwas Trocknung vertragen!

Das Anzünden erwies sich als relativ problemlos (was aber der hohen Feuchte geschuldet war, ich hatte nicht die Muße ihn trocknen zu lassen…), Zeit den Geschmack zu erleben – denn WENIG verspricht die Verpackung ja nun gerade nicht!

Mhm, doch, ja… Für einen Aromaten sehr englisch! Wo ist denn hier der Rum? Ah, nach etwa 2 - 3 Zügen kommt er dezent von hinten angeschlichen, wartet noch ein paar Züge auf den Zucker-Ahorn und verbindet sich mit diesem dann zu einem, ja ich möchte fast sagen Grog!

Was mich daran erinnert, ich müsste mal Wasser aufsetzen, irgendwie kriege ich gerade so richtig Lust auf einen Ostfriesentee mit Kandis und Milch! Was soll ich noch groß zum „Hyde Park“ sagen? Er ist ein sehr dezenter Aromat mit einem schönen winterlichen Raumaroma – genau das richtige für die Teatime!


Autor: Sascha Kraeling

Die Serie "Mario Grandi" von Pierluigi






Autor: Dieter Niermann

Mittwoch, 14. November 2012

DTM - Elwood of London - Blend Number 3

Wer beim „Elwood N° 3“ mit einem deftigen Landtabak nach englischer Gutsherrenart rechnet, wird enttäuscht sein. Statt rustikaler Holzbank und Tweed-Sakko findet man hier eher Ledersessel und Clubjacke - und das ist gut so! Endlich mal wieder eine englische Mischung, in der der Latakia nicht Selbstzweck ist, sondern Würzmittel... was ja seiner ursprünglichen Bestimmung entspricht.

Copyright: Ralf Ruhenstroth

Sehr appetitliches Tabakbild, mit eher grob flockigen Virginias und zum Teil recht groben Stücken eines Virgina-Latakia-Flakes. Diese Stücke sollte man sich vor dem Stopfen ein wenig klein bröseln. Stopf- und Glimmverhalten sind gut und stellen auch weniger erfahrene Raucher nicht vor unlösbare Rätsel.

Der erste Eindruck ist ungewöhnlich. Charakterstarke Virginia-Aromen mischen sich mit Latakia-Hintergrund und feiner Süße aus dezentem Casing. Man findet recht rasch Geschmack an dieser Kombination und auch, wenn die jeweiligen Komponenten gelegentlich wechselweise in den Vordergrund treten, bleibt die ganze Füllung harmonisch und sehr fein durchkomponiert.

Diese Mischung ist elegant, bietet soviel mehr als Pferdestall und Räucherschinken.. .und zeigt, wie pikant Latakia sein kann, wenn er nicht mit der Bauschaufel zugemischt wurde. Sie bleibt, ruhig geraucht, stets mild... ist aber trotzdem gehaltvoll. Durchaus auch einen Versuch für Einsteiger ins Thema "englische Mischungen" wert... wobei man auch dieses Raumaroma mögen muss!

Ein feiner Wurf ist DTM da gelungen. Stünde "Dunhill" drauf, würden die Fans Fackelzüge durch die Gemeinden abhalten. So bleibt zu hoffen, dass ihn genügend "England-Fans" wahrnehmen und ihm die verdiente Chance geben! Very british, indeed!


Autor: Ralf Dings

Sonntag, 11. November 2012

Altadis - Tobacco Galleria - Rum & Maple

Vorab eine kurze Beschreibung meiner Umstände: Ich, als deutscher Pfeifenraucher, der derzeit in den USA lebt (und das noch in der Nähe von Chicago, wo sich Tabakfachhändler wie Iwan Ries befinden), muss wohl keinem Gleichgesinnten erzählen, dass dies doch erhebliche Auswirkungen auf meine Tabakbar und Portemonnaie hat. Aber wie heißt es doch so schön: „Je ne regrette rien“. Jedes Mal wenn ich neue - in Deutschland nur schwer bis gar nicht erhältliche - Tabake bestelle und teste, feiere ich mein persönliches, kleines Weihnachten. Gut nur, dass es dazu keinen Weihnachtsbraten gibt... ich hätte mich wohl schon figur-technisch dem amerikanischen Umfeld angepasst.

Nun aber zum heutigen Kandidaten: Es soll um den „Tobacco Galleria Rum & Maple (distributed by Altadis)“ gehen. Laut Hersteller und tobaccoreviews.com handelt es sich um eine Virginia/Burley Mischung, dargereicht im Ribbon Cut und aromatisiert mit Rum & Maple.


Die erste unmittelbare Erfahrung mit dem Burschen hat mich etwas verärgert: Der 1,5oz (~42,5g) Pouch ist nicht luftdicht verschlossen. Da die glorreichen Zeiten, in welchen Pfeifenhändler einen schnellen Warenumschlag hatten, wohl längst vorbei sind, war der Tabak schon recht trocken. Ärgerlich, gerade bei empfindlicheren Aromaten, doch rauchbar war er dennoch. Dem Rest wurde mit Homidrolen nachgeholfen. 
 
Der Geruch ist wahrlich angenehm: Eine schwere, süßliche Note mit deutlichem alkoholischen Unterton. Dazu kann ich noch Vanille erahnen; insgesamt ein sehr cremiges Aroma. Das Ganze erinnert mich etwas an Baileys oder auch an Malibu Likör. Wo ist aber der Maple (syrup)? Der darf bekanntlich in keinem US Haushalt fehlen, deswegen vergleiche ich meinen original kanadischen Ahornsirup 1:1 mit dem Tabak. Selbst der echte Sirup hat nur einen sehr dezenten, süßlich-rauchigen Geruch, den ich auf Grund der anderen dominanten Gerüche im Tabak nicht wiederfinden kann.


Los geht es: Stopfen und Anzünden ist bei diesem Tabak kein Problem. In den ersten 10 Minuten kann ich eine intensive Aromatisierung genießen. Eine sehr harmonische Süße mit deutlichem Alkoholaroma. Und dabei nicht im Ansatz chemisch... toll. Aber es wird noch besser: Irgendwie bilde ich mir ein, so etwas wie Ahornsirup zu schmecken. Hinzu kommt dann eine würzige Tabaknote, wobei sich Rum & Maple weiterhin tapfer halten. Und das bleibt auch bis zum letzten Viertel der Pfeife so. Der Nikotingehalt des Tabaks ist meines Erachtens als eher leicht einzustufen. Kühles und langsames Rauchen ist absolut empfehlenswert, andernfalls beißt dieser Tabak nur und verliert komplett seine Aromen. Aber das ist ja bei fast jedem Aromaten so.

Ich habe ihn aus mittleren und großen Köpfen geraucht, jeweils mit und ohne Filter. Ich fand ihn oFi etwas scharf und kratzend. Das mag aber vielleicht auch daran liegen, dass ich überwiegend Filterraucher bin. Definitiv ein guter Tabak und ein Beweis dafür, dass Amerikaner nicht nur erstklassige reine Virginias und übertriebene, chemische Hocharomaten herstellen, sondern auch durchaus rauchbare (Hoch-) Aromaten. Wer Bezugsquellen hat, sollte ihn definitiv ausprobieren.


Autor: Matthias D.