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Freitag, 31. August 2012

Huber - English Highlander

Ja, ich gebe zu: Ich mag sie, diese Latakia-Mischungen. Für viele schmecken sie zu sehr nach Zigarre, Pferdestall oder antiker Lederjacke vom Dachboden. Auch mit Weihrauch wird Latakia gerne verglichen. Ob das den lieben Gott über das eine oder andere Pfeifchen hinwegsehen lässt?

Gut, auch ich könnte damit leben, wenn es Tabake wie Dunnhills "Nightcap" nicht mehr gäbe. Latakia schön und gut, aber in wohldosierten Maßen bitte!


Andererseits werden die Latakias in meiner Tabakbar in den letzten ein, zwei Jahren immer weniger. Man muss wohl schon eingestehen: Reine Virginias (mit oder ohne Perique) bieten doch mehr Abwechslung. (Oje, damit hab ich mir wohl eine Bannbulle (Anmerkung Jogi: Wat'n datt??) der Latakia-Gemeinde eingehandelt!)

Doch vor einigen Wochen bekam ich mal wieder Lust auf eine Füllung Pferdemist mit Gewürzen vom Orientbasar, und so griff ich nach der Dose "English Highlander", die ich mir für diesen Moment aufgehoben hatte. Von Virginia, Latakia und Perique ist auf der Dose die Rede. Getrieben von der Verheißung einer "rauchig reichen Fülle", wie sich der Tabak anpreist, mache ich die Dose auf und erblicke eine äußerst fein geschnittene Mixture, die nicht übermäßig dunkel ist. "Wie viel Rauchigkeit kann denn so eine helle Mixture bieten?" frage ich mich und nehme eine Geruchsprobe. Okay, Virginia und Latakia kann ich riechen, aber nur äußerst schwach. Viel auffälliger ist das Aroma dunkler Schokolade, das mir in die Nase steigt. Ich bin überrascht. Denn mit einem Aromaten hatte ich nun wirklich nicht gerechnet!

Der Tabak ist sehr mild. Keine Geschmacksbombe, sondern sehr dezent und fein. Es wurden wahrlich nicht die kräftigsten und aromatischsten Tabake verwendet. Feine Virginiasüße und kaum wahrnehmbare Rauchigkeit tragen das gut gelungene Aroma dunkler Schokolade oder vielleicht sind es eher Kakaobohnen?

Das Rauchvergnügen währt nicht all zulange, da die Mixture recht fein geschnitten ist. Nikotingehalt: äußerst gering.

Nun, ich bekam zwar nicht, was ich erwartet hatte, aber dennoch mag ich den "English Highlander" irgendwie. Nur sollte Herr Huber in München ein bisschen die Beschreibung überdenken...

Neben Peter Heinrichs "Nr 77" der einzige aromatisierte Latakia, den ICH kenne.


Autor: Max Muthsam

Dienstag, 28. August 2012

Tabak: Rattray's - Black Virginia

Es ist wirk­lich schon lange her, dass ich einen Rattray’s in der Pfeife hatte… Aber als ich letz­tens mal wie­der bei Kärnbach war, musste diese Dose mit. Denn ich erin­nerte mich, von die­sem Virginia noch nie mehr als ein, zwei Probefüllungen geraucht zu haben.


Die bei­den beste­hen­den Reviews auf daft.de spre­chen von einem leich­ten und leicht aro­ma­ti­sier­ten Tabak. Dem schließe ich mich an. Er ist tief­schwarz, riecht appe­tit­lich nach Pumpernickel und Ahornsirup… und schmeckt auch so. Das Anzünden ist nicht ganz pro­blem­los: Der Tabak ist rela­tiv feucht und der Schnitt recht grob. Das macht es zu Beginn ein wenig müh­se­lig.

Wenn er denn aber glimmt tut er das mit küh­lem und geschmack­vol­lem Rauch. Allerdings muss man sich schon ein wenig anstren­gen, um den Geruch im Geschmack wie­der zu erken­nen. Ich rau­che den Tabak vor allem fil­ter­los; selbst Papierfilter neh­men ihm so ziem­lich jedes Aroma. Doch wenn man sich auf den „Black Virginia“ ein­lässt, erfreut er die Zunge und den Gaumen mit einem Geschmack nach Maple, Rosinen und ein klein wenig Nuss. Und leich­tem Tabak.

Der Raumduft ist ein Gedicht und die Asche Puder. Beides Zeichen der hohen Qualität des Tabaks.

Fazit:
Der „Black Virginia“ ist ein hoch­wer­ti­ger Tabak, der jeden Cent wert ist. Auf Dauer (also bei abwechs­lungs­lo­sem Rauchen) kann er etwas lang­wei­lig wir­ken und für den spä­ten Abend ist er wohl auch nicht geeig­net.
Doch er ist ein guter Einstieg für Aromaraucher in die Welt der natür­li­chen Virginia-Tabake.



Autor: Nic Frank

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Sonntag, 26. August 2012

Tabak: Pfeifen Schilde - Golden Virginia #4

Wenn man über einen seiner Allday-Smokes berichten darf, dann fällt einem das nicht schwer. Man muss dabei natürlich aufpassen, dass man die rosa-rote Brille absetzt und wenigstens im Ansatz versucht neutral zu bleiben. Der persönlichen Begeisterung tut das keinen Abbruch, denn es wäre ja kein sog. Allday-Smoke, wenn der Tabak einem persönlich nicht besonders gut schmecken würde.


Nehmt es also als persönliche Empfehlung oder seht es ganz einfach als eine eigene Meinung, die ich hier kund tue. Selten traf ich bei einer Beschreibung auf der Dose auf solch eine „Wahrheit“: "Eine Virginia-Spezialität: Drei verschiedene, leicht süße und milde Virginia-Tabake ergeben einen mild würzigen Tabak, den man den ganzen Tag rauchen kann." Für einen Freund der naturnahen Tabake kann das exakt so zustimmen. Ein hell – mittelbrauner Tabakstrang liegt in der 200 g-Dose, einfach lecker. Man kann den Stoff selbstverständlich auch in einer 100 g-Dose bekommen, aber es scheint tatsächlich so zu sein, dass der „Golden Virginia #4“ bei den Virginia-Spezialitäten von Pfeifen Schilde in Essen der meist verkaufte ist, so dass sich die „Triebtäterdose“ durchaus lohnt.

In der richtigen Konsistenz ist das Knicken und Falten überhaupt kein Problem, das Anzünden noch weniger. Na ja, ich empfinde diese Virginias schon als sehr süß, ich gebe aber dem Hersteller recht, wenn er behauptet, dass die Würze überwiegt. Wahrscheinlich ist es genau das, was diesen Flake so lecker macht. Er ist mittelkräftig, aber die wahre Stärke dieses Tabaks liegt in seiner Unkompliziertheit. Da jetzt einen Vergleich zu nennen fällt mir schwer. Es gibt sicherlich zahlreiche Virginia-Flakes, die ähnlich schmecken und ähnlich unkompliziert von der Hand gehen. Aber der kleine Tick ist es, den Kohlhase & Kopp hier gezaubert haben.

Da das Ganze auch noch zu einem erschwinglichen Preis zu haben ist, macht es die Sache noch interessanter. Obwohl die äußerliche Aufmachung an sich ernüchternd ist, steckt darin ein grandioses Kraut für den Fan naturnaher Mischungen, die sich zudem in Form eines Flakes gerne erfreuen. Also, ein Tipp, nach wie vor, und hoffentlich noch lange bei Schilde im Programm!



Autor: Ralf Ruhenstroth

Freitag, 24. August 2012

Huber - Virginia Rich and Dark

Der Tabak duftet ausgesprochen mild nach dunklem Brot. Ganz leicht kann man auch den Perique riechen. Stopfen und Anzünden gelingt ohne weiteres. Der Tabak brennt gleichmäßig und kühl. Der Geschmack ist die ganze Füllung über auffallend weich. Im ersten Drittel dominiert der holzige, grasige Virgina. Danach kommt auch der Perique zur Geltung. Die Rauchigkeit des „Dark Fired Kentucky“ schwingt nur ganz leicht mit, rundet den Tabak aber wunderbar ab. Je weiter die Füllung runter brennt, desto würziger und komplexer wird der Geschmack.


Dennoch: Bis zum Schluss ein sehr weiches Rauchvergnügen. Den Nikotingehalt empfinde ich als angenehm. Nicht ganz leicht, aber weit entfernt von Knallern wie dem "Irish Flake" oder dem "Nightcap".

Fazit:
Ein weicher und komplexer Tabak für Puritaner. Vergleichbar mit Ashtons "Black Parrot", Rattrays "Old Gowrie" und "Hal o the Wynd". Im Gegensatz zu den genannten verfügt der "Rich and Dark" aber über eine äußerst geringe Süße, so dass er vielleicht nicht jedem Virgina-Freund zusagt. Man muss schon etwas Erfahrung und Konzentration mitbringen, um diesen Tabak wertschätzen zu können. Für die (leicht) Fortgeschrittenen eine hundertprozentige Empfehlung.


Autor: Max Muthsam

Mittwoch, 22. August 2012

DTM - Bulldog Chili & Chocolate

Das gleich vor­ne­weg: Der Tabak hat wirk­lich etwas sehr pri­ckeln­des, chilli-haftes an sich. Das ist äußerst unge­wöhn­lich. War aber ande­rer­seits der Grund, wes­halb ich die­sen Tabak pro­bie­ren musste.

..ein klas­sisch gereif­ter gold­far­be­ner Ready Rubbed Flake aus natur­sü­ßem Virginia. Zur Veredelung wurde ein Flavour von edler Herrenschokolade zuge­ge­ben, raf­fi­niert ver­fein­ert mit dem Aroma rei­fer roter Chilischoten. Den sanf­ten, run­den und süßen Geschmack ohne Schärfe beglei­tet ein Hauch einer ‘fri­schen Brise.’ “ – so der beschrei­bende Text im Dan Pipe-Katalog.


Dem kann ich mich nicht ganz anschlie­ßen; finde ich doch, dass die Schärfe schon sehr inten­siv wahr­ge­nom­men wird. Da ist “beglei­ten” etwas unter­trie­ben.

Ansonsten aber: Der Tabak stopft sich leicht (nicht allzu fest!), lässt sich leicht ent­zün­den und glimmt dann anstands­los zu hel­ler Asche her­un­ter. Nachzünden scha­det dem Geschmack nicht. Von der Herrenschokolade ist in der Dose viel, im Rauch dann eher wenig zu ver­spü­ren. Ab und an kommt – wenn der Rauch schön kühl ist – ein Hauch Kakao daher. Das gefällt!

Von Beginn an beglei­tet mich aber eher eine an schwar­zen Pfeffer erin­nernde Schärfe im Geschmack. Ich bin aller­dings – zuge­ge­ben – rela­tiv emp­find­lich, was schar­fes Essen betrifft. Es kann also gut sein, dass der eine oder andere das Zungenprickeln (nicht zu ver­glei­chen mit Zungenbrand!) über­haupt nicht so wahr­nimmt.

Für mich könnte der Tabak etwas mehr Nikotin ver­tra­gen; aber da er sich auch für große Pfeifenköpfe eig­net (und ich über­wie­gend fil­ter­los rau­che), genügt eine gute Füllung schon, um zu “sät­ti­gen”.

Fazit:
Der Tabak ist auf jeden Fall einen Versuch wert. Nichts Umwerfendes, aber in sei­ner Art mir schon Neues.

Der “Bulldog Chili & Chocolate” basiert auf dem gemein­hin bekann­ten ready-rubbed Virginias von DTM und kann schon von daher nicht schlecht sein. Wenn ich mir etwas von Herrn Behrens wün­schen dürfte: Den glei­chen Tabak, aber ohne Chili. Das wäre ein guter All-Day-Smoke.



Autor: Nic Frank

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Dienstag, 21. August 2012

Pfeifenmacher: Peter Lehmann (Freehands)

In einem Ortsteil von Colditz in Sachsen, nämlich in Zschadrass, befinden sich die Lehmannsche Werkstätten. Dort betreibt Karl-Peter Lehmann seit einigen Jahren, zusammen mit seiner Frau, einen inzwischen recht gewachsenen Kunstbetrieb. Hier entstehen die über die Grenzen hinaus bekannten Engel (mit den Merkmalen der alten Erzgebirgslichterengel), Spielzeuge und sonstige Unikate aus Holz, aber und vor allen Dingen auch Tabakpfeifen.

Peter Lehmann ist Diplom-Ingenieur, ausgebildeter Schlosser und arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Abteilungsleiter im Umweltamt der Stadtverwaltung Leipzig. Im Jahr 2003 trat Peter Lehmann in den Ruhestand und findet seit dem die Zeit und die Muße, fast schon regelmäßig Pfeifen zu fertigen. Klaus Billerbeck aus Hamburg hat ihn vor Jahren angeleitet und inspiriert.

Der Macher war schon immer ein Mann der „klaren Worte“, schnell weiß man, woran man bei ihm ist. Peter Lehmann macht kein Geheimnis daraus, dass er keineswegs das Ziel verfolgt, in der Szene als ein Kunsthandwerker angesehen zu werden, der für äußerst filigrane Arbeiten an der Pfeife bekannt ist und dadurch hervor sticht. Geprägt von reichlich persönlicher Lebenserfahrung sind Lehmann-Pfeifen, stellenweise mutige, Rauchgeräte und Freehands, die sich JEDER leisten kann, wenn er möchte. 

Jogi Edition aus Olivenholz mit Gold-Appli einer Verflossenen :-)
 
Obwohl Lehmann wohl schon einige hundert Pfeifen gefertigt hat und in seiner Werkstatt nie Stillstand herrscht, findet man im Grunde genommen kein vorrätiges Sortiment an Pfeifen. In der Szene bekannt wurde der Macher vor allen Dingen damit, dass er versucht, Wünsche zu erfüllen, und seien sie noch so abstrus, und so Ideen von Kunden umzusetzen. Möchte man also etwas Besonderes, etwas ganz anderes in seiner Formgebung, hat man eine Vorstellung oder Vision, so ist Peter Lehmann DER Ansprechpartner. Es entstehen Pfeifen aus eigenen Zeichnungen, persönlichen, meist telefonischen, Beratungen. Selten hat man so engen Kontakt zu einem Pfeifenmacher, der einem SEINE persönliche Pfeife fertigt. Es genügt, über die Website Kontakt aufzunehmen, eine Antwort ist garantiert.

Pickaxe aus Bruyere

Pickaxe aus Mooreiche

Darüber hinaus ist Peter Lehmann sehr am historischen Pfeifenbau interessiert. Die Geschichte der Pfeife, vor allen Dingen aber auch die seiner Materialien, sind ein Spezialgebiet von ihm. Lest mal seinen Blog.

Marking: Alle Pfeifen werden mit PL von Hand gemarkt.

Mundstücke: In der Regel aus Ebonit oder Acryl, aber auch Bernsteinspitzen kommen zum Einsatz

Lesepfeife aus der Reihe "Die sächsischen Könige" mit Bernsteinspitze

Holz: Lehmann fertigt natürlich zumeist aus Bruyere, aber auch aus Olive, Mooreiche und Meerschaum. Er beschäftigt sich zudem sehr intensiv mit weiteren Holzarten und deren Geeignetheit für den Pfeifenbau.

Applikationen: Meist nur auf eigenem Wunsch, Material ist fast alles möglich

Filter: Ob mFi oder oFi spielt keine Rolle, je nach Wunsch

Preise: Zwischen € 80,- und € 150,-, je nach Aufwand und verwendeten Materialien

Eine persönliche Anmerkung werde ich mir an dieser Stelle erlauben: Peter Lehmann ist ein sehr sozialer Mensch, er ist sehr hilfsbereit und hat mit Teilen seines Kundenstammes persönliche Freundschaften geschlossen. Wer mal in der Nähe der Lehmannsche Werkstätten ist, sollte es nicht versäumen, den Macher persönlich kennen zu lernen (mit Voranmeldung natürlich!!!), evtl. an dem regelmäßig stattfindenden, von ihm mit initiierten Pfeifenstammtisch teilzunehmen, bei dem es IMMER recht zünftig zu geht. Gastfreundschaft ist etwas, was Peter Lehmann lebt!




Copyright: René Lehmann

Copyright: René Lehmann

Copyright: René Lehmann

Copyright: René Lehmann


Autor: Ralf Ruhenstroth

Montag, 20. August 2012

Mac Baren - The Solent Mixture

Die Mac Baren „Solent Mixture“ ist, entgegen dem, was viele glauben mögen, der älteste Tabak im Mac Baren Sortiment und wird seit 1950 hergestellt. Die Idee war, den Latakiarauchern endlich einen Tabak zu kredenzen, der den häuslichen Frieden nicht gefährdet. Und eins vorweg: Das ist sehr gut gelungen.


Liest man die Beschreibung auf der Dosenrückseite fragt man sich zunächst, wo da eigentlich der Unterschied zum „Plumcake“ sein soll. Eine Tabakmischung, die eine kleine Spur Latakia enthält und ein Rumflavour erhalten hat. Klingt einer wie der andere. 
 
Den ersten Unterschied sieht man, wenn man die Dose (den Tabak gibt es nur in 100 g) öffnet. Denn hier lachen einen keine Flake- und Ready Rubbed-Stückchen an, sondern nur eine echt ansehnliche Mixture, die von braun über rot bis zu schwarz alles dabei hat.

Bei der Geruchsprobe merkt man dann den nächsten Unterschied. Denn, wenn wir mal bei dem Vergleich mit dem „Plumcake“ bleiben, hier hat man schlicht die Grenzen verschoben. Ist beim „Plumcake“ der Rum ein wichtiger Geschmacksgeber und der Latakia mehr dazu da, um eine kleine Würze zu verleihen, ist es hier genau umgekehrt. Die Dosis an Latakia ist also höher (wobei sie mit 15% immer noch nicht hoch ist) und die von Rum geringer. 
 
Also rein in die Pfeife und los damit! Anzünden und runter rauchen geht Mac Baren-typisch problemlos. Und zur Frage, die für den einen oder anderen die wichtigste sein dürfte: Ja, man schmeckt den Latakia raus und das recht deutlich. Aber durch die kleine Rum-Beigabe wird er so weich und angenehm, dass man sich davon nicht abschrecken lassen sollte. Kann der Latakia in manchen Mischungen ziemlich hart, eckig und streng schmecken, schmeckt er hier einfach nur warm, süßlich und trotzdem dezent würzig. Man könnte sagen, der Weihrauch ist geblieben, der Pferdestall bleibt aus. Auch in der Raumnote. Vor diesem Tabak muss niemand fliehen.

Ein Tabak, den ich nicht oft rauche. Ich habe die Dose bestimmt schon ein Jahr. Aber wenn ich ihn mal wieder rauche, tue ich das immer mit umso größerem Genuss. Auch, wenn wir JETZT Sommer haben, schmeckt er beispielsweise sehr gut zu einem Glas Grog im Schnee (Anmerkung Jogi: Das wäre dann WINTER :-) ). Wie das eben auch sein süßerer Bruder tut. Probieren lohnt sich wirklich. Man bekommt etwas sehr eigenes.


Autor: Jasper Gallmann

Sonntag, 19. August 2012

England - vom Imperium zur Diaspora ...

...gilt zumindest hinsichtlich Pfeifen & Tabak (kann aber auch dem Rest der Insel passieren - siehe Finanzkrise)...

Vor ein paar Jahrzehnten galt England noch als Mutterland des Pfeiferauchens, heutzutage ist jeder Bahnhofskiosk einer mittelgroßen deutschen Stadt weit besser sortiert als die meisten Läden in britischen Grossstädten (selbst in London City muß man lange suchen).

Den meisten Pfeiferauchern in England "ist die Lust vergangen", oder sie paffen "im stillen Kämmerlein" und versorgen sich über das www. Als Raucher waren übrigens die Briten höchstens bis in die 80er-Jahre "Vorbild", danach wurden meist Tabake wie "Exclusiv" in Billigpfeifen verpafft...

Als Tabakhersteller sind noch Samuel Gawith und Gawith & Hoggart (beide in einer altertümlichen Manufaktur in den Lakelands) und Germain & Sons (auf der Kanal-Insel Jersey) übrig geblieben.

Als selbstständige Pfeifenhersteller existieren noch Dunhill (noch! der Markenname soll zu "white spot" wechseln, um das Image eines "sauberen Luxusgutes" nicht zu schädigen), Blakemar, Upshall, Ashton, Les Wood und ein paar neue Einzelanfertiger wie Larryson,  Askwith und Milville.

Die restliche ehemalige Markenvielfalt ist verschwunden (obwohl es da auch ein Markenwirrwarr mit Haus- und Untermarken wie in Frankreich gab - auch wurde nicht jede britische Pfeife auch in GB hergestellt) bzw. existiert nur noch als Markenname einer Vertriebsfirma.

Details über eine einzelne Marke heraus zu finden ist sehr aufwändig, wer es dennoch "nicht lassen kann": Pipepedia! (Ich  persönlich nutze die Zeit lieber zum Rauchen als zur Recherche eines einzelnen Markennamens ;-)

Charatan und  Dunhill sind/waren die beiden "Größten", ansonsten gibt es die beiden großen Markengruppen Cadougan und Oppenheimer.

Die Vielzahl anderer "berühmter" ehemaliger Marken und verbliebener Kleinmanufakturen sind (alphabetisch aufsteigend - und bestimmt nicht vollständig):



  • Ashton
William Ashton Taylor lernte sein Handwerk bei Dunhill und machte sich 1983 selbstständig. Seinen Pfeifen sah man die Herkunft ihres Machers an: Klassische, solide Modelle ohne viel Firlefanz, vielleicht etwas größere Stücke als bei Dunhill. Ashton verwendete meist als Mundstückmaterial eine Mischung aus Acryl und Kautschuk und in der Tat waren seine Mundstücke angenehm weich im Biss und trotzdem widerstandsfähig gegen Oxydation und die Sonne. Das Pfeifenholz wurde in Öl gehärtet, der Anfangs ungewohnt nussartige Unterton im Geschmack verschwindet nach ein paar Füllungen.


William Ashton Taylor verstarb im September 2009, die Manufaktur wird von einem ehemaligen Mitarbeiter - Jimmy Craig - weitergeführt.





  • Astley's
Astley's war ein alteingeführter Laden im Herzen Londons (Jermyn St. 109), der seit seiner Gründung 1862 auch eigene Pfeifen als Hausmarken herausbrachte. Zu Anfang waren dies Meerschaumpfeifen in mittlerweile legendärer Qualität, später wurden dann Bruyerepfeifen angeboten.

Die Ebauchons werden von einem qualifizierten Astley's-Angestellten selbst ausgesucht. Die Fertigung übernahm früher einmal Charatan, seit 1980 wechseln sich Ashton und Upshall ab. Die Astley's Pfeifen haben sich trotz Fremdfertigung immer einen sehr hohen handwerklichen Standard und eigene Formen bewahrt.



Astley's "war einmal" ....



  • Askwith
Ein "brandneuer" handmade Hersteller aus Plymouth: http://www.askwithpipes.com/index.html seit 2007 tätig.




  • Barling
Barling ist eine Marke, die in den USA regelrechten Kultstatus unter Sammlern genießt. In Europa ist sie eher wenig bekannt. 1812 wurde mit der Produktion von Meerschaumpfeifen begonnen,  ab 1854 begann man mit der Fertigung von Bruyerepfeifen. 

Modelle aus dieser Zeit bis 1960 ("Pretransition") werden von Sammlern in Übersee  fast in Gold aufgewogen. Ab 1960 wurden die Barlings dann von Imperial Tobacco London hergestellt  und büßten ihren tadellosen Ruf schnell ein.  Diese Phase 1960-68 wird als "Transition-Phase" unter Sammlern bezeichnet,  die Modelle dieser Zeit gelten als uninteressant.

Bis 1970 verschwanden Barlings fast vom Markt, seitdem wurden sie nach einer Umorganisation  unter der Firma "Barling Pipes Ltd" auf der Ile-of-man hergestellt.  Dort werden bis heute auch die Barling-Meerschaumpfeifen gefertigt (kalzinierte Modelle aus "jungem" Meerschaum),  während die Bruyereproduktion 1989 nach York zog.


Heute existiert "Barling" nur noch als Markenname, eine Zeit lang wurden die Pfeifen u.a. in Dänemark hergestellt....



  • BBB
Das Kürzel BBB steht für Blumfelds Best Briars. Diese Firma wurde bereits 1847 gegründet und ist die älteste amtlich registrierte Pfeifenmarke in Großbritannien. Im Jahr 1984 wurden die Namensrechte in die USA verkauft, um dort für Hausmarken gebraucht zu werden. Außerhalb der USA werden die BBB`s von der Cadougan-Gruppe gefertigt,  die auch andere Marken wie Civic, Loewe, etc. handelt. 







  • Ben Wade
Ben Wade (Benjamin Wade) begann 1860 mit der Herstellung von Pfeifen, 1962 wurde der Markenname in Yorkshire an H. Lane (USA) / Charatan verkauft.


In den 70ern gingen die Markenrechte zeitweise an den Dänen Preben Holm, dann wieder zurück in die USA - wer aktuell die Pfeifen herstellt ist kaum nachvollziehbar....




  •  Blakemar
Blakemar Briars (gegründet 1880) hat sich trotz des Sterbens der Pfeifenmanufakturen in GB einen gewissen Charme beibehalten können und fertigt bereits seit Jahrzehnten in einer Art kleinem Familienbetrieb im englischen Litchborough (Northhamptonshire) Pfeifen, die sich durch ein erstklassiges Preis-/Leistungsverhältnis auszeichnen.

Es sind nicht die Formen oder die Hochwertigkeit der Pfeifen, die Blakemar auszeichnen, aber das will die Firma auch nicht. Das primäre Ziel liegt darin, klassische englische Pfeifen herzustellen, die bereits seit Generationen Pfeifenraucher auf der ganzen Welt in ihren Bann ziehen. Es sind die Billards, Pots, Lovats, Bulldogs und Canadians, die Blakemar zu dem machen,  was sie sind - einem Fossil in der schnellebigen Zeit der Welt des Pfeiferauchens. 

Der Inhaber, Mike Billington, verteidigt und behauptet sich in seinem Einmann-Betrieb  durch erstklassiges britisches Understatement und gute Arbeit.


Das kleine Dorf Litchborough ist es auch, dass den dort produzierten Pfeifen seinen Namen gab, und so werden jährlich einige hundert "Litchbruyeres" gefertigt,  die über das Internet  oder vor Ort vertrieben werden und vielen Rauchern in der ganzen Welt Freude bereiten. Es gibt dort noch wirklich "urige" Shapes, die man eigentlich schon vergessen glaubte. Nach Vorlage wird nahezu jede Form angefertigt, die der Kunde sich wünscht und das auf einem recht hohen und qualitativ ansprechenden Niveau.


Das Finish / Die Oberfläche der Pfeifen lässt allerdings manchmal zu wünschen übrig, was aber den Raucheigenschaften (vor allem bei dem günstigen Preis) keinen Abbruch tut!




  • Civic
Civic-Pfeifen werden von der Cadougan-Gruppe gefertigt, wie auch ebenfalls BBB, Comoys, GBD, Dr. Plumbs, Loewe, Orlik usw. Leider lassen die Literaturangaben zu dieser Marke zu wünschen übrig.





  •  Comoy's
Von Comoy's existiert nur noch die Firmenbezeichnung, fertiggestellt werden die Pfeifen von Cardougan/Oppenheimer (wie Loewe, BBB, Orlik) in Südengland aus in Spanien oder Frankreich vorgedrehten Köpfen. Comoy's wurde 1825 gegründet, 1972 von Chacom getrennt und in den Cardougan-Verbund integriert. Die Marke gilt als Top-Modell dieser Gruppe.




Comoy's hatte Dutzende Untermarken - eine kleine Auswahl:

Ace of spades, Astor, Britannia, Carlyle, Charles Cross, Claridge, Cromwell, Dorchester, Dunbar, Drury Lane, Emerson, Everyman, Grand Master, Gresham, Guildhall, Kingsway, Lion's Head, Lord Clive, Hyde Park, Lloyds, Mc Gahey, Moorgate, Newcastle, Royal Falcon, Royal Lane, Scotland Yard, St James, Sunrise, Sussex, The Academy Award, The Golden Arrow, The Mansion House, Tinder Box Royal Coachman, Townhall, Trident, Wilshire  ...




  • Davidoff (Fachgeschäft)
Davidoof hat eigentlich wenig mit britischen Pfeifen zu tun (die kommen aus Frankreich....), aber immerhin noch einen recht ansehlichen Laden in London / St James - Jermyn Street (Picadilly)...

Dieser Laden hat von allen rund um Piccadilly die größte Auswahl, sowohl an Tabaken als auch an Pfeifen. Auffällig ist die große Anzahl an Charatans in der Auslage - die größte Menge, die ich bislang von dieser Marke auf einen Haufen sah. Leider sind die Preise durchaus den Preisen bei und vergleichbar, vielleicht 10-20 % teurer. An Tabak besteht das Hauptangebot seltsamerweise (wie in vielen Läden in GB) aus dänischen Mischungen wie McBaren - Amphora etc. Allerdings sind auch die Rattrays , Davidoff - und ein paar Mischungen von Squire oder Murray`s erhältlich.





  • Dunhill ("Fachgeschäft" ???)
Diesen Laden (Jermyn Street 48) braucht man gar nicht erst zu suchen, es sei denn man will Seife, Parfüm oder Lederwaren einkaufen.

Es gibt wohl noch ein paar Pfeifen (verstaubt und ohne Preisschild in der Ecke) und den einen oder anderen (überteuerten) Tabak, aber man kommt sich der "Bedienung" dort irgendwie lästig vor...





  •  Fox & Lewis (Tabak)
Fox & Lewis ist einer der wenigen in London noch existierenden "alten" Läden.


Geht man die St. James Street entlang, befindet sich dort nach ein paar hundert Metern der Laden  von Fox & Lewis. Das Angebot an Pfeifen entspricht eher der unteren Mittelklasse: Dr. Plumps, Petersons , GBD , Orlik.  Jedoch führt Fox auch eine eigene Serie an Haustabaken, bei deren Mischung man zusehen und sich beraten lassen kann. Die meisten Tabake von Fox werden lose verkauft, fünf Sorten sind auch in Blechdosen abgepackt erhältlich. 

Die Bedienung entspricht hinsichtlich ihrer Qualifikation manchmal dem Nieveau eines dt. Lottoladens...



  •  GBD
Die Initialen GBD stehen für die Namen: Ganneval, Bondier und Donninger, welche diese Firma 1850 in Paris gründeten. Erst fabrizierte man Meerschaumpfeifen, machte sich aber nach und nach mit hochwertigen Bruyerepfeifen einen Namen. 




Im Jahr 1903 wurde ein Zweigwerk in London eröffnet, bis zum kompletten Umzug von GBD nach England 1952 kamen die Pfeifen aus St. Claude und London. In dieser Zeit konnte eine GBD mehr als eine Dunhill kosten. Ab 1981 wurde die Belieferung aus Frankreich eingestellt, die Firma gehörte seit 1952 komplett zur Oppenheimer-Gruppe.




  • Larryson (Freehands)
Larryson pipes werden von Paul Hubarrt, einem Amerikaner, der seit 2006 in Cornwall lebt, hergestellt. Er ist ein Handmade-Hersteller, der trotz (oder weil?..) des untergehenden britischen Pfeifenmarktes die "britische Fahne" noch hoch hält.






  • Les Wood / Elwood
Les Wood ist ein weiterer Ex-Dunhill Mitarbeiter (neben Ashton), der sich erfolgreich mit eigenen Modellen selbstständig gemacht hat.  Durch das Angebot im Danpipe-Katalog ist er auch in Deutschland recht bekannt geworden. 



Bei Dunhill war er hauptsächlich für die Silberarbeiten zuständig, und vor allem diese zeichnen seine eigenen Modelle aus.  Les fertigt auch Silberbeschläge für die meisten anderen englischen Marken. Schon oft wollte er sich zur Ruhe setzen, aber dann und wann fertigt er immer noch eine Pfeife - er hat sich aber hauptsächlich auf die Silberarbeiten verlegt.

Wegen diverser Namensrechte weltweit werden seine Pfeifen auch unter den Bezeichnungen "Elwood", "Les Wood", "L. Wood" oder "Ferndown" verkauft. 




  • Loewe
Loewe gehört wie z.B. auch Comoy's, GBD und Barling zum Oppenheimer-Konzern, einem Pendant in England zur Dunhill-Gruppe (Dunhill, Charatan, Parker, usw.)





  • Milville
Die Pfeifen dieser Marke werden von zwei ehemaligen Charatan-Mitarbeitern hergestellt: Dennis und sein Sohn John Marshall. Die Pfeifen werden in einer alten Fabrik nahe London hergestellt und in der Hauptstadt auf einem Flohmarkt Nähe Picadilly verkauft. (siehe auch hier)


Die Qualitäten reichen von Touristenartikeln bis zu Spitzenfreehands in der alten Charatan-Tradition.









  • Mullins & Westley`s (Fachgeschäft)
Der Londoner Tabak- und Pfeifenladen Mullins and Westley am Covent Garden bietet neben Charatans auch eine Hausmarke unter eigenem Namen an. Es werden auch einige Hausmischungen an Tabaken z.T. offen in Gläsern angeboten.


Die Pfeifen können von verschiedenen europäischen Herstellern gefertigt worden sein.





  • Northern Briars

Northern Briar ist eine der wenigen Marken, die in England noch in Fachgeschäften Verbreitung finden. Die Pfeifen werden von Ian Walker in Stockport hergestellt.




  • Orlik
Orlik wurde 1899 als Familienbetrieb in London gegründet. 1980 kam das Unternehmen dann zur Cadougan-Gruppe (GBD, Loewe, usw.). Außerhalb Englands sind Orliks selten anzutreffen.


Unter dem Namen Orlik sind auch einige ausgezeichnete Tabake erhältlich, die aber in Dänemark gemischt werden. Alte Dosen ziert ein Richter mit Perücke.




  • Parker
Parker ist eine Zweitmarke von Dunhill. Pfeifen, die während der Fertigung nicht den Qualitätsansprüchen Dunhills genügen (beispielsweise wegen Fehlstellen im Holz) werden unter dieser Marke verkauft.  Daher gibt es so gut wie keine kittfreien Parkers. 




  • Sasieni
Die Firma Sasieni ist in Europa weitgehend unbekannt geblieben, während sie in Übersee zu den gesuchten und gehypten Marken gehört. Fast alle Pfeifen gingen in den USA-Export. 


Gegründet wurde diese Marke von Joel Sasieni im Jahre 1918, nachdem dieser seine Lehrjahre bei Charatan und Dunhill verbrachte. Ab 1946 wurde die Firma vom Sohn Alfred Sasieni weitergeführt. Seit 1979 werden Sasienis von einem anderen Eigentümer hergestellt, ab 1986 gänzlich ohne einen der Namensgeber.




  • Upshall
Gegründet wurde diese Marke 1978 von einem ehemaligen Charatan-Vorarbeiter mit dem Namen Colonel Kenneth James Upshall Barnes.

Seit 1989 hat die Firma mehrmals den Eigner gewechselt, leider waren die ehemals hochgeschätzten  Pfeifen Upshalls Mitte der 90er-Jahre fast in Verruf geraten, da auch die Qualität der Stücke wechselhaft war.  Zur Zeit sollen sie aber wieder altes Niveau erreicht haben.



In der Blütezeit dieser Marke konnten die Pfeifen als würdige Nachfolger der damals verkauften Charatan-Marke gelten. Es wurden Stücke in klassischer englischer Tradition mit leichten Variationen, jedoch ohne Firlefanz und mit schöner Maserung gefertigt. 

Upshall gibt es weiter als unabhängige Marke, sehr viele Pfeifen sind ebay UK erhältlich.




  • Willmer
Willmer war ein hierzulande weniger vertretener Hersteller von Serienpfeifen im traditionellen englischen Stil. Die Firma existierte ca. 60 Jahre, ist aber seit ein paar Jahren eingestellt. Willmer führte auch Handmades im Programm. Oft wurden seine Pfeifen als Hausmarke unter anderen Namen angeboten. 





Autor: Manfred Arenz