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Sonntag, 12. August 2012

Pfeifen: Bonzenpfeifen ;-)

Warum ein Artikel über "Bonzen"Pfeifen? (gemeint sind eigentlich "Sammler"Pfeifen)

Nun, Pfeifen können auch ein Sammlergebiet sein, es gibt Sammler die die edelsten Pfeifen nur in die Vitrine stellen oder gar als Spekulationsobjekte (be)handeln - aber auch welche, die sie einfach nur rauchen... hier hat es sich "einfach ergeben", statt die 30. Stanwell zu kaufen einfach auf eine "Edelpfeife" zu sparen.

Wie bei anderen Hobbys auch (z.B. Briefmarken, Münzen, Modelleisenbahnen,...) gibt es neben den alltäglichen Modellen und den besonderen Modellen auch die "Spitze des Eisbergs", die "blaue Mauritius" / den "Goldtaler" oder "Lok xyz in Spur xx" - Modelle die sehr selten und daher auch sehr teuer sind. Dass der Preis wenig Einfluß auf die Raucheigenschaften dieser Pfeifen hat, habe ich bereits versucht zu erklären...

So auch bei Pfeifen:

Man muß nicht Millionär sein, um an solche Stücke zu kommen - sehr viel Geduld, ein wenig Basiswissen (um nicht "über den Tisch gezogen" zu werden), viel Beobachtung einschlägiger Handelsplattformen und vor allem "muss ich gerade diese haben oder kann ich warten?" und auch Glück reichen mit den Jahren aus. Außerdem würde ich nie mehr Geld als "nötig" für ein Auto / Urlaub /  TV / HiFi Anlage / Whisky etc etc ausgeben ;-)

Natürlich gibt es auch Sammler mit "sehr viel Geld", die sich eine "Showcollection" auf einmal leisten können - aber das gibt es überall...

Bei Pfeifen hat gerade in den letzten Jahren die Nachfrage aus Fernost zu extremen Preissteigerungen der "Bonzenmarken" geführt (in Asien zählt eben "der Name" extrem mehr als in unseren Breiten, und dort ist man traditionell auch bereit, für sehr Exklusives / Perfektes auch extreme Preise zu zahlen - Japan z.B.) Gut, wenn man seine "Sammlung" weitgehend bereits vor diesem Boom "zusammen hatte" ;-)

Nun zu den "Bonzen"Pfeifen: dem "anderen Ende" des Sammlergebiets (ohne das "günstige Ende" dabei herabsetzen zu wollen!):



  • Dunhill
Die "Edelmarke" schlechthin - die jeder passionierte Pfeifenraucher zumindest kennt (und die die Meisten auch "irgendwann mal haben/probieren wollen") Dunhill ist eine der ältesten Pfeifenfirmen und gleichsam das Synonym für alten britischen Pfeifenadel.

Unter Pfeifenfreunden gibt es über Dunhill sehr unterschiedliche Auffassungen. Dunhill's seien die besten Pfeifen der Welt behaupten die einen, ein snobistisches Getue um überteuerte Durchschnittspfeifen nennen es die anderen. Einerseits fertigt Dunhill auch heute noch erstklassig verarbeitete Pfeifen mit guten Raucheigenschaften, andererseits sind diese Erzeugnisse in einem Preissegment angesiedelt, der sie zu einem Luxusgut macht. 
Die codierte Einprägung des Herstellungsjahres ist ein wesentlicher Grund für die Popularität der Dunhill Pfeifen bei Sammlern. Seit 1955 lässt sich jede Pfeife exakt datieren. Dunhill fertigt eine Vielzahl von meist klassischen Formen, die in verschiedenen Größen und mit sieben verschiedenen Oberflächen angeboten werden. 

In aufsteigender Güte sind/waren dies im Wesentlichen:
  • Shell Briar (schwarz, sandgestrahlt)
  • Cumberland (braun, sandgestrahlt mit Cumberland Mundstück)
  • Dress (schwarz, glatt)
  • Bruyere (dunkelrot, glatt)
  • Chestnut (dunkelbraun, glatt) 
  • Amber Root (hellbraune Kontrastbeizung, glatt)
  • Root Briar (hellbraun, glatt) 
  • Dead Root (meist ansehlich gemaserte Pfeifen der Root-Reihe)
Neben den Standardformen bringt Dunhill ständig Unikate und Freehand-Kleinserien auf den Markt.  Viele Dunhill Pfeifen sind mit Silberringen verziert, besonders schön gemaserte Exemplare werden sogar mit einem Goldring oder gar Flaggen/Schirmen aus Edelmetall versehen. Der Einstiegspreis für eine mittelgroße Dunhill Shell Briar liegt bei rund 250,- Euro, die teuersten Exemplare aus dem Hause Dunhill erreichen locker den Gegenwert eines Kleinwagens. 

Geschicktes Marketing und "wahren des Exklusiven" bewahrten die Preise und die Bekanntheit, mittlerweile ist aber der Tabak- und Pfeifensektor nur noch ein kleiner Teil eines "Luxusgutkonzerns" und soll mittelfristig sogar den Namen zu "white spot" wechseln...

Selbstverständlich sind alle Dunhill Pfeifen kittfrei, der Großteil der Produktion entfällt auf filterlose Pfeifen. Für den deutschen Markt sind jedoch einige Modelle mit 9mm Filter verfügbar. 

Die Jahreszuordnung in den Stempelungen der Dunhills ist noch nachvollziehbar, bei den Gradings und den Shape- / Finishbezeichnungen kann man mittlerweile eine Wissenschaft daraus machen, Anhaltspunkte findet man z.B. hier:

  • http://www.pipewolf.com/pipe%20infos/Dunhill%20Info.html
  • http://www.loringpage.com/attpipes/pipesforsale.htmlhttp://www.loringpage.com/attpipes/pipesforsale.html
  • http://loringpage.com/pipearticles/duntob2chart.htm
  • http://www.pipephil.eu/logos/en/dunhill/index.html

2002 und 2003 ergatterte ich meine erste Deadroot bei einem Estate-Händler (Pfeifenantiquariat), erst diesem Jahr war die "Sammlung" Estates (DR* bis DRH) vollständig ... Bei dieser Zusammenstellung wird ersichtlich, daß das Grading in die 8 Stufen, zumindest der Maserung nach, recht willkürlich ist  - vielleicht waren eben in den einen Jahr weniger top-gemaserte als in einem anderen, so dass eine DRH ein paar Jahre früher/später eben eine DR**** geworden wäre...

DRH - das höchste Grade

DR** (gab es auch als DRB)

DR*** (DRC)

DR* (DRA)

DR***** (DRE)

DR**** (DRD)

DRG ** (die Zusatzsterne bedeuten "2/3 DRH" ...)
DR****** (DRF)




  • Bo Nordh
Bo Nordh galt als "bester Pfeifenmacher der Welt", er fertigte nur wenige Modelle im Jahr und legte Wert auf absolute Präzision und Details wie z.B. polierte Stirnflächen Holm/Mundstück oder polierte Rauchkanäle (eigentlich "Gimmicks"...). Er verwendete extra ausgesuchte Kanteln (für die er sicherlich einen stattlichen Mehrpreis bezahlte) und ließ "sich Zeit" jede Pfeife bis ins kleinste Detail zu vollenden. Außerdem entwarf oder perfektionierte er neue Formen  wie "die Schnecke" / Nautilus, "Ramses", "Horn" etc etc.

Da er nicht vom Pfeifenmachen leben musste, konnte er auch "exklusive Preise" nehmen, die Nachfrage war immer weit höher als das Angebot.... Nach seinem Tod 2006 "explodierten" die Preise für seine Pfeifen nochmals...


das "Horn" - 1999 für 900 DM als Estate erstanden, heute das 20-fache "wert"


Die Calabash

Stempel: "Bo Nordh - Sweden + Jahreszahl"


selbst die Stirnflächen und Kanäle sind poliert...

der unauffällige Stempel



  • Sixten Ivarsson
Mit Sixten Ivarsson begann das "dänische Design" im Pfeifenbau, er war einer der ersten, der bereits in den 50er Jahren die bis dahin klassischen Formen gekonnt variierte und ihnen eine eigenständige Note gab.

Seine ersten Erfahrungen als Pfeifenreparateur setzte er bald in eigene Modelle um,  da er die Schwächen der seinerzeit gängigen Modelle in seinen Kreationen  ausmerzte und einfach handwerklich bessere Pfeifen herstellte. 

Als ihm dann in den 50er Jahren eine Zusammenarbeit mit Stanwell angeboten wurde, setzte er seine Ideen um und entwickelte bis dato nie gekannte Variationen  der damals ausschließlich klassischen Modelle. Sein Design schlug ein wie eine Bombe und machte Stanwell so mit zum Vorreiter einer neuen Designlinie. Bereits damals konnte er für seine eigenen Pfeifen fast den dreifachen des damals üblichen Preises verlangen. Er hat viele "dänische Klassiker" geschaffen, manches Modell in seinem riesigen Reportoire sieht allerdings auch "gurkig" aus....

Zur Boomzeit dänischer Pfeifen in den 60ern gab Sixten Ivarsson seine Erfahrungen an junge Pfeifenmacher weiter: seinen Sohn Lars, Bo Nordh, Micke und Jess Chonowitsch. Sixten schrieb seinen Eleven keine Linie vor, nur Kreativität und perfektes Handwerk auch an den Stellen, die der Kunde nicht auf Anhieb sieht. 

Sixtens Design zeichnete sich durch oft der Maserung entlang geformte, blumenförmige oder asymmetrische Köpfe aus - manchmal aber auch klassische Modelle mit dezenter Abwandlung. Nicht verschwiegen werden sollte, dass Sixten eine Zeit lang keine Skrupel vor Kitten und Pflocken hatte. Sixten Ivarsson mußte Ende 1998 das Pfeifemachen wegen schwacher Augen einstellen, er verstarb 2001. Seine Pfeifen und er sind aber legendär geworden. 

Die Preise seiner Modelle sind immer noch "gesalzen", aber noch nicht so abgehoben wie für Pfeifen von Lars Ivarsson, Bo Nordh, Jorn Micke oder Jess Chonowitsch. Sixten Ivarsson war einer der Wenigen, die vom Pfeifenmachen alleine leben konnten.



Stempel: kreisförmig "an Ivarson Product", in der Mitte eine Sonne und Jahrescode





  • Lars Ivarsson
Lars hat nie den Stil seines Vaters kopiert, zusammen mit Jess Chonowitsch entwickelte er  in seiner "wilden Zeit" atemberaubend gemaserte Cross-Grain Modelle, bei denen z.B. eine Kugelform links und rechts reine Birdeyes aufweist, unterbrochen von einem umlaufenden, facettierten Scheitel mit Straight Grain. Dieses Modell nennt man unter Sammlern "Blowfish" - der Preis ist jenseits von gut und böse... 

Lars fertigt nur 50 bis 100 Pfeifen pro Jahr, alleine das Endfinish braucht bei ihm Tage (schleifen, schleifen, schleifen - mehrfach Kontrastbeizen - ölen - wachsen). Alle Modelle werden pro Jahr durchgängig nummeriert. Leichte Fehler in der Oberfläche wandelt Ivarsson mit einem eigenen Sandstrahlgebläse zu einem tiefgetrahltem Finish um.

Seine Bissstärken liegen um die 3,5 mm und damit an der Grenze des machbaren. Der meist deutliche Absatz zwischen Mundstück und Holmapplikation hat übrigens einen ganz einfachen praktischen Grund: Mundstücke aus Ebonit müssen logischerweise immer wieder poliert werden, dabei kommt es selbstverständlich immer zu einem kleinen Abrieb, so dass über die Jahrzehnte die Verschachtelung nicht mehr vorhanden ist. Dem geht man mit dieser Methode sehr elegant aus dem Weg. 

Lars hat sich eigenständig "einen Namen" in der Pfeifenbranche erarbeitet, auch er fertigt nur eine begrenzte Anzahl Pfeifen pro Jahr...

Stempelung: wie bei Sixten "an Ivasson Product" kreisförmig, dazu ein L I . 2 Ziffern für die xy-te Pfeife im Jahr + 2 Ziffern Jahrescode



unauffällig oval ausgeformter Kopf

Eine Disk (nicht "blowfish")


   


  • Nanna Ivarsson
Nachdem Nanna ihrem Großvater Sixten und später ab und an ihrem Vater Lars in der Werkstatt half,
durfte sie alsbald auch selbst Pfeifen fertigen (ca. ab 1990).

Immer wieder gab es Pausen, so bei ihrem Design-Studium, in denen sie nur wenige Modelle fertig stellte - seit der Jahrtausendwende ist sie wieder stärker aktiv. Nanna`s Modelle sieht man den Stil Sixtens und Lars an, eine richtig eigene Linie hat sie trotz der Urform eines neuen Stanwell Shapes noch nicht etabliert. 

Bei den Preisen hilft ihr natürlich der Name Ivarsson, auch hier ist die Nachfrage weit höher als das Angebot. Allerdings fertigt sie mit der gleichen Präzision wie ihr Vater und ihr Grossvater.

Der Zapfen ist düsenförmig konisch gebohrt

das "echte " Blowfish - Shape



  • Jorn Micke
Die Pfeifen des Bornholmer Malers, Bildhauers und Pfeifenmachers Micke gehören zum Teuersten und Exklusivsten, was der Markt bietet.

Seine Preise beginnen da, wo die eines Bo Nordh oder Ivarsson aufhören. Ob der weitaus höhere Preis noch gerechtfertigt ist, bezweifeln nicht wenige Sammler..... Jorn Micke hat seine Pfeifen fast ausschließlich nach Japan verkauft (mit ganz wenigen Ausnahmen wie z.B. in die Schweiz), und in Japan ist man bereit fast jeden Preis für Perfektion und Exklusivität zu zahlen.

Das Pfeifemachen begann Jørn Micke ca. 1963 während seines Studiums, zunächst als Aushilfe im Atelier Sixten Ivassons. Mit dessen Sohn Lars war Micke befreundet und beide inspirierten sich ab und an. Jørn Micke starb 2005 im Alter von 67 Jahren.

Seine Pfeifen fertigte er streng der Maserung entlang, die Kopf- und Holmbohrungen führte er erst im Endstadium aus, um möglichst flexibel in der Form zu bleiben. Kennzeichen Micke's waren neben seinem Stempel "Micke made" ein doppelt abgesetzter Mundstückzapfen (was dies neben einem Wiedererkennungswert bringen soll, ist fraglich).

Mickes Formen hatten einen eigenen Stil hervorgebracht - oft Pfeifen in Prince-/ Dublinvariationen  mit sehr langen, filigranen Holmen - welche oft an der Grenze des Machbaren bezüglich Grazilität waren. An den klassischen englischen Pfeifenformen orientierte er sich allerdings selten.

Glück muß man haben: Diese Micke aus 1965 wurde auf ebay USA unter dem Suchbegriff "Mike" angeboten, so bekam ich als einziger Bieter den Zuschlag (immer noch 900 Dollar- aber 1 mal ist kein mal) ...




  • Jess Chonowitsch
Eigentlich gibt es zwei mal Chonowitsch: Emil (Vater) und Jess (Sohn). Beide kamen über Anne Julie ans Pfeifenmachen und beide hatten sich nach dieser Zeit zusammen eine Werkstatt eingerichtet. Emil Chonowitsch fertigte bevorzugt mehr an der Klassik orientierte Modelle, Jess verlegte sich nach einer zusätzlichen Lehrzeit bei Sixten Ivarsson mehr auf die Danish-Design Linie und verlangte den 1,5-fachen Preis wie sein Vater für seine Modelle.

Jess Chonowitsch zählt heute zum Olymp der Pfeifenmacher. Allerdings hat er jahrelang keine/kaum Pfeifen gefertigt (um seine Frau zu pflegen), die Preise seiner Modelle sind  in dieser Zeit (auch durch den Tod der bisherigen "Spitzenreiter" Sixten und Bo) geradezu auf astronomische Höhen gestiegen.... selbst für an der Drehbank vorgefertigte Standardshapes...


Stempelung: kreisförmig "Chonowitsch Danmark", Pfeifen von Jess zusätzlich "Jess" in der Mitte






  • die "neuen" "Edel"pfeifenmacher
"Mondpreise" werden die letzten Jahre mittlerweile für folgende Macher verlangt:
  • Anne Julie
  • Teddy Knudsen
  • Hiro Tukotomi (Japan)
  • Michael Revyagin (Russland)
  • Kent Rasmussen
  • ...und einige mehr...
Daran sind sicher auch die steigende Nachfrage aus Asien (steigend) und Osteuropa (wieder abflauend) Schuld....


Autor: Manfred Arenz

Kommentare:

  1. Hallo Manfred, vielen Dank für die tolle Zusammenstellung! Ob die Preise gerechtfertigt sind ist natürlich ein Diskussionsthema. :) Ich besitze von keinen der Genannten eine Pfeife (noch nicht). LG Tobias

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  2. Lieber Manfred!
    Ich möchte Dir herzlichst für diese Aufstellung und besonders für die Abbildung Deiner Schätzchen danken. Aus fast jedem Wort ist Dein Enthusiasmus und Liebe zu diesen handwerklichen Juwelen zu spüren. Über die Preisgestaltungen brauchen wir nicht reden, können wir sie eh nicht ändern. Diese Bonzenpfeifen ( toller Begriff, den ich hoffentlich auch auf You Tube verwenden darf ;).sind nun mal Objekte von besonderer Güte und Geschichte und somit vielen Menschen diese Summen wert ;). Ich nehme mich da ja nicht aus, ist es doch eine ungeheure Freude ein Stück von diesen Machern besitzen zu dürfen. Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude mit diesem Hobby und immer genug Cent, damit Dir kein Schmuckstück entgehen kann ;).
    Dein René
    P.S. Ich möchte mich einfach mal für die vielen Jahre, in denen Du uns allen mit Rat und Tat zur Seite stehst und auch noch Deine Sammlung präsentierst danken. Du bist einfach eine riesige Inspiration für mich- Dein rené

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