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Sonntag, 8. Juli 2012

Her mit den kleinen Französinnen...

...hieß ein Film aus den 80ern...

...dieser Titel gilt aber auch für günstige und gut gemachte französiche Pfeifen, welche meist wenig beachtet - aber dennoch zahlreich - in den Regalen der Händler liegen.

Folgende "Probleme" haben die Marken aus Frankreich am dt. Markt:
  • sie sind so zahlreich und unter solch einer Markenvielfalt vertreten, daß sie kaum noch auffallen
  • sie sind oft ohne Filter
  • sie sind im unteren bis mittleren Preissegment vertreten
  • man "übertreibt" neue Trends - Pfeifen mit quitschebunten Lacküberzügen usw... 
     
Dabei befindet sich in den franz. Alpen die "Wiege des Pfeifenbaus" - St.Claude im Jura!

Im Wesentlichen wird der franz. Markt von zwei großen Firmengruppen beherrscht, die unter einer solchen Vielfalt an Zweit- und Drittmarken produzieren, dass es schwerfällt den Überblick zu behalten oder eine Marke einem Hersteller zuzuordnen.

Aber wozu auch?

Wichtig ist doch, daß eine Pfeife gut gearbeitet ist und gefällt, der "Name" ist doch eher zweitrangig... z.B. lassen auch Firmengruppen wie z.B. Dunhill ihre Rohlinge unter anderem auch in Frankreich vorproduzieren!

Wer also gute und günstige Pfeifen sucht und nicht nach "Namen " schaut, und den "Schnickschnack" liegen läßt, kann hier fündig werden (bzw. ist es schon, ohne es zu wissen ....)


Zu den "Großen" in Frankreich gehören:

 
Butz-Choquin (Berrod-Regard Gruppe )

Diese Firma gehört zu den größten und ältesten Pfeifenherstellern. 1858 in Metz gegründet, wechselte der Stammsitz bald zum Zentrum der Pfeifenherstellung, Saint-Claude im französischen Joura. Die Jahresmenge an gefertigten Pfeifen beträgt zur Zeit ca. 150.000 Stück. Davon werden 2/3 unter dem Namen Butz-Choquin verkauft, der Rest geht zum Teil an internationale Händlerketten (z.B. Dunhill, John - Aylesbury, diverse Jahreseditionen, etc.) oder wird unter Zweitnamen ( BC / Chap / Claude Romain / Dr. Boston / Rattray`s) verkauft.


Die Modellvielfalt ist unüberschaubar, von der 25-Euro-Pfeife über diverse Serien bis zu handgefertigten Einzelstücken ist alles vertreten. Manche Modell-Entwürfe stammen noch aus der Zeit um die Jahrhundertwende, so kann man quasi "Geschichte" rauchen.


Einzelstücke und die besten Qualitäten bleiben meist "im Lande" und...


... falls sie doch nach Deutschland gelangen, haben sie es ohne Filter "schwer"




Chacom (Chapuis-Comoy & Cie- Cuty Fort Gruppe)

Zur Marke Chacom gehören heute Firmenteile, die mit die Ältesten in der Pfeifenbranche sind:

Comoy´s (gegründet 1825, seit den 80ern alleinig zu der englischen Cardougan-Gruppe gehörend), Jeantet (gegründet 1775, heute noch eine eigene Parallelmarke), Ascot, Lacroix, Rattray`s, Ropp und Vuillard (1987 zu Chacom integriert).


Gefertigt werden die Pfeifen im französichen St. Claude, es werden auch Lohnaufträge für Firmen wie Davidoff, Dunhill, Charatan, Radfords und anderen (leider auch die Fancy-Pfeifen) ausgeführt. Die Produktion ist weitestgehend automatisiert, je nach Preisklasse der Pfeifen entstehen aber auch Stücke in mehr oder weniger Handarbeit. Die Trocknung der Ebauchons jedoch soll noch auf althergebrachte Weise erfolgen. Mit ca. 200000 Pfeifen pro Jahr gehört die Cutty Fort Gruppe zu den Branchenriesen.




Genod

Die Marke Genod wurde 1865 von Comoy eingeführt, 1977 wurde sie nach längerer Ruhepause von Jaques Craen in St. Claude übernommen, der mit 3 Mitarbeitern ca. 8000 preisgünstige Serienpfeifen herstellt. Genod ist eine der wenigen Firmen, die bis heute in St. Claude geblieben sind.




Graco (seit 1968 nicht mehr hergestellt)

Graco-Pfeifen werden seit 1968 nicht mehr hergestellt, jedoch sind Pfeifen dieser Firma immer noch vereinzelt in den Schubladen mancher Geschäfte zu entdecken. Gefertigt wurden sie in St. Claude. Bevorzugt wurde algerisches Bruyere verarbeitet, welches sich durch eine große Härte und Trockenheit auszeichnete. Leider ist diese Quelle zu Beginn der 70er Jahre durch Raubbau versiegt.



Graco-Pfeifen kann man als "Geheimtipp" bezeichnen...



Courrieu

Die französische Firma Courrieu kann mit zu den ältesten Pfeifenfabriken gezählt werden, angeblich hat der Gründer Ulysee Courrieu schon 1802 Bruyereholz zum Pfeifenmachen verwendet. Die Firma sitzt heute als einzige Frankreichs nicht im Jura, sondern in Cogolin im Departement Var. Mit 16 Mitarbeitern werden jährlich etwa 100000 Pfeifen gefertigt, allerdings mit Unterstützung aus St. Claude.

Courrieu-Pfeifen sind außerhalb Frankreichs nicht sehr verbreitet, firmeneigene Geschäfte gibt es in Paris (Nähe Louvre - Rue Saint-Honoré), St. Tropez und Cogolin.


"Richtige" Handmades im Sinne von 1-Personen-Herstellern gibt es in Frankreich kaum, bekanntere Namen wie



Morel (bekanntester "Freehander")


und Paul Lanier (Spezialität: Portraitpfeifen) fertigen zumeist ihre Einzelstücke unter den großen Markennamen.

Mit "Mr. Hyde" und "David Enrique" sind aber jüngere Freehander in den Startlöchern .

Nicht mehr aktiv sind:

Patrice Sébilo (Spezialität: Pfeifen aus Mooreiche - einer der ersten Hersteller!) und Phillippe Bargiel (Meerschaumpfeifenmacher traditioneller Weise z.B. abschließend mit Walrat behandelt)



Autor: Manfred Arenz

1 Kommentar:

  1. hallo Manfred,
    danke für den Beitrag über die meiner Meinung nach unterschätzten "FranzösInnen".
    Wenn man klassische Shapes mag und auf Filter verzichten kann, bekommt man aus St. Claude sehr gute Pfeifen von guter Qualität zu einem durchaus angemessenen Preis.
    grüsse uwe

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