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Donnerstag, 12. Juli 2012

Deutsche Pfeifenmacher seit den 70er Jahren

Neben den schon Jahrzehnte bestehenden Pfeifenmanufakturen

  • Vauen (seit 1848)
  • Oldenkott (1760-1992)
  • Denicotea (seit den 30er Jahren, mehr auf Filterpatronen fixiert)
  • Manger (seit 1957)
  • Kallenberg (seit 1919)
  • Hartmann (1948) / Design Berlin (seit ca. 1975)


begannen in der 70er Jahren auch einige deutsche Einzel-Hersteller, Pfeifen-Unikate zu fertigen.

  • Rainer Barbi
Rainer Barbi begann 1974 das Pfeifenmachen als Autodidakt und hatte sich in den Jahren zu einem der Top-Freehander weltweit weiterentwickelt. Er kann als deutscher "Freehand-Papst" bezeichnet werden. 
 
Sein Tod am 23.05.2011 war ein großer Verlust für die Pfeifen-Szene.
 
Seine Erfahrungen und Tipps gab er gerne weiter und publizierte etliche Artikel in diversen Fachzeitschriften und Foren, bei denen er sich meist über Holzqualitäten, Beizen und Formensprache ausließ.
 
Er fertigte handwerklich perfekte Freehands nach dänischem Design oder am klassischem Stil orientiert, jedoch mit eigener Note. Gerne verwendete Barbi ab und zu Applikationen aus z.B. Horn oder Edelhölzern.
 
Barbi arbeitete seine Modelle an der Maserung entlang heraus, sein Hauptaugenmerk lag aber an der möglichst perfekten handwerklichen Präzision. 
 
Einem eindeutig erkennbaren Stil war Barbi selten zuzuordnen, man kann aber auch sagen, dass er alle Stilrichtungen beherrschte. Die Ausführung des Bisses seiner Mundstücke war vorbildlich.
 
Rainer Barbi stellte auch sandgestrahlte und Filter-Pfeifen her.

links 2 ältere -  rechts 2 neuere Modelle

Markierungen:
"R.Barbi Handarbeit" auf der Holmunterseite, bei älteren Stücken auch "styled by BARBI"
codiert: Qualität und Herstelldatum seitlich am Holm - wobei die Grades teilweise sehr kryptisch waren....
 
auf der Oberseite des Mundstücks: "r b" (reliefartig vorstehend),
bei älteren Modellen Schriftzug: "R. Barbi" in goldfarben


die aktuellen Stempel


  • Ingo Garbe
Ingo Garbe fertigte ab 1969 als einer der Ersten Handmade-Pfeifen in Deutschland. Nach einiger Zeit verlegte er sein Domizil nach Dänemark. Zwischenzeitlich "in Rente", fertigt er dennoch weiter Pfeifen in geringerer Stückzahl.
 
Er hat den Ruf eines eigenbrötlerischen Künstlers, also weniger ein Verkaufsmensch denn ein still zurückgezogener...
 
Seine Pfeifen wurden schon in einigen Museen als handwerkliche Kunstobjekte ausgestellt.
Man spricht von einem eigenen "Garbe"-Stil, eher unauffällig in Form und Finish, sehr selten Zierelemente (dünner Ring am Holm) oder ein dezenter Sattel am Mundstück.
 
Das Mundstück ist ausschließlich aus hochwertigem Stangenkautschuk, ohne Filterbohrung. Die Pfeifen sind kittfrei, winzige Spots werden stehen gelassen. Modelle mit außergewöhnlicher Straight-Grain-Maserung werden hell gebeizt. 
 
Eine Ingo Garbe kann man an der perfekten Form der Pfeife; aber vor allem beim Fühlen der samtigen Oberfläche erkennen. 
 
Die Formen sind meist "organisch" und eher "weich", ohne scharfe Kanten. Garbe ist die Form der Pfeife wichtiger als die Maserung. 
 
Natürlich strebt auch er tolle Maserungen an, manchmal, wenn die Form nicht abänderbar ist, fertigt er eine Pfeife auch gegen "Strich". 
 
In den Formen seiner Pfeifen ist Garbe sehr konservativ, fast stur. Er legt auf die Bewahrung seines eigenen Stils mehr Wert als auf kurzlebige Modegags.

ganz unten 2 Pfeifen mit dem Stempel "Ingo G." aus der Anfangszeit

Markierungen:
Ingo Garbe kreisförmig auf der Holmunterseite 
(ältere Pfeifen vor 1974 "Handmade by Ingo G"),
ein winziges Runen-"G" auf der Mundstück- und (etwas größer) Holmunterseite.
Der Biss des Mundstückes ist ganz leicht nach unten geschrägt und eher breiter und dünn.

 
an der Unterseite der linken Pfeife ist der alte Stempel zu erkennen

  • Karl-Heinz Joura
Karl-Heinz Joura ist einer der Männer der ersten Stunde, die in Deutschland Freehand-Pfeifen herstellten. Seit 1974 fertigt er in Handarbeit meist glatte und hell gebeizte Straight-grain Pfeifen, bei denen er bevorzugt Kugel- oder Ovalformen variiert. 
 
Typisch sind "Hamsterbacken" am Übergang der/des Pfeifenkopfunterseite/Holms, die sich wie angegossen in die Hand schmeicheln.
 
Das Mundstück ist oft mit einem Sattel auf der Oberseite ausgeführt,der Biss etwas dicker und schmal. 
 
Seit ein paar Jahren gibt es nach einer kurzen Anfangsperiode auch wieder sandgestrahlte Pfeifen, diesmal in hellem Ton. Joura-Pfeifen werden auch mit Filterbohrung angeboten.

eine der ganz seltenen sangestrahlten aus Jouras Anfangszeit

Markierungen:
"Joura" + "Freihand" auf der Holmunterseite, manche Modelle ein Symbol für die Holzherkunft, und zusätzlich Gradierungen.
Das Mundstück hat einen Goldpunkt oder seinen Namenszug in Gold (ältere Stücke), neuere Modelle sind ohne Markierungen.

Stempel: links: Infinity-Grade , daneben Zeichen Holzherkunft, rechts Joura...


  • Hasso Baudis
Ende der 1970er Jahre bis 1983 erschienen Pfeifen des Bremers Hasso Baudis als "neuer Stern am Pfeifenhimmel". Modelle von einer gewissen Eleganz, teilweise organisch wirkende ovale oder scharf facettierte Formen, später wahre Skulpturen wie ein Schwan oder "Auge" / "Bob" / "Herz" usw. mit Edelstein- oder Silber-/Goldapplikationen.
 
Jedenfalls "verglühte der Stern", um das warum gibt es nur Spekulationen... vielleicht waren auch die damals bis zu 5-stelligen Preise seiner späten Kunstwerke mit Schuld.



Markierungen:
Stempel auf der Holmunterseite "Handmade Hasso Baudis", später nur noch"Hasso". Es gab auch Pfeifen (81 an der Zahl), bei denen im Stempel das "o" durch einen Brillanten ersetzt wurde.


  • Günter Kittner
Günter Kittner fertigte nach seinem Ruhestand als Feinmechaniker auf eine Wette hin seine erste Pfeife. Nachdem der Erfolg sich sehen lassen konnte, richtete Kittner sich eine Werkstatt ein, kaufte in Italien Ebauchons und fertigte zwischen 1970 und 1990 etwa 500 Pfeifen. 
 
Schnell hatte er einen Ruf als exzellenter Pfeifenmacher, trotzdem wollte er nie seinen Lebensunterhalt mit dem Pfeifenmachen bestreiten, sondern ohne Markt- und Zeitdruck künstlerisch an die Sache herangehen.
 
Seine Pfeifen zeichnen sich durch eine akribische Verarbeitung und lebendige Maserung und Form aus, oft grazil wirkend und mit recht dünnen Holmen.
 
Als Applikationen verwendete Kittner Materialien wie Silber, Knochen oder auch Edelsteine.



Markierungen:
Kittner - Bremen, bogenförmig unten auf dem Holm, Raute aus Gold mit "K" gestempelt, bündig links im Holm eingelassen


  • Otto Pollner
Otto Pollner war so etwas wie eine Institution unter Pfeifenfreunden in Deutschland. Er hat mehrere Bücher zu diesem Thema verfasst, war Mitglied in mehreren Pfeifenzirkeln und -Bruderschaften und der letzte aktive Pfeifendrechslermeister seines Standes. 
 
Otto Pollner verstarb am 16. April 2004 im Alter von 78 Jahren. 
 
Herr Pollner fertigte seine Pfeifen frei aus der Hand nur mit Unterstützung an der Drechselbank; mit dieser althergebrachten Fertigungsweise war er meines Wissens (neben Herrn Manger) einer der letzten Pfeifendrechsler. 
 
Er sah sich mehr als Handwerker als Pfeifenkünstler und seine Preise waren sehr moderat.
Seine Modelle sind harmonisch und ausbalanciert in der Form, gewagte Freehands gab es bei ihm nicht. 
 
Bevorzugt stellte er kugelige oder ei-förmige Halfbents und Filterpfeifen her.


Markierungen:
"OP - Studio" auf der Holmunterseite
Keine Gradierungen.


Autor: Manfred Arenz

Kommentare:

  1. Recht interessantes lesen Ralf! Du bist ja der reinste Wikipedia! :o) Immer wieder eine Freude

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    1. Grüß Dich Peter!

      Du meinst in diesem Fall aber den lieben Manni :-)

      Beste Grüße,
      Jogi

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  2. Ja, es gibt weltweit 81 Pfeifen von mir - die mit einem Diamanten im "O" signiert wurden - und nein - Robert Mewis war schon vor dem Kauf meiner ersten Werkstatt Modellbauer ^^(ich hatte insgesamt 3 Werkstätten)
    Und warum habe ich aufgehört? Weil ich auf einem Auge sehr früh erblindet bin - ich konnte keine Hasso mehr machen - nicht mit der zuletzt erreichten Perfektion ...

    Gruß an alle in dieser Runde - Hasso

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  3. Lieber Hasso,

    gerade konnte ich eine deiner wunderbaren Pfeifen in Empfang nehmen - ein ungeheuerlicher Glücksfall auf ebay!! Ich bin vollkommen begeistert und werde diese Pfeife heute unter Feuer nehmen.
    Es ist ein recht großes Modell, 98 Gramm, mit einer relativ kleinen Bohrung (ca. Dunhill 4) - Mannomann freue ich mich - Danke für diese tolle Arbeit.

    Grüße aus Stuttgart,

    Mini Schulz

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