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Freitag, 13. Juli 2012

Deutsche Pfeifenmacher der späten 80er- bis Ende 90er-Jahre

Erst Mitte der 80er-Jahre stiegen zur "Blütezeit der Pfeife" mehr und mehr Macher aus dem Großraum Mitte (Ruhrgebiet/Rhein) und Süddeutschland dazu. (In der Schweiz und in Österreich gab es schon davor mit Peter Fischer und Peter Matzhold zwei Macher, die auch Sammler in Süddeutschland "bedienten")

Zur Jahrtausendwende und mit dem Aufkommen der Pfeifenszene im Web "explodierte" langsam die Anzahl neuer deutschen Pfeifenmacher.... 
 



Reiner Klein / Reiner Design

Reiner Klein begann das Pfeifenfertigen 1983 in Bremen, nachdem er vier Jahre zuvor zum Pfeiferauchen kam und sich immer tiefer für dieses Hobby und das Pfeifenhandwerk an sich interessierte. Nach intensiver Vorbereitung, einigen "Lehrstunden" bei Joura wagte er den Sprung ins "kalte Wasser".

Die Pfeifen dieser Anfangszeit waren meist in Orange gebeizt, anschließend geölt und gewachst. Die Modelle hatten oft gerade Holme mit Kielschliff (Holm setzt sich bis unter den Pfeifenkopf fort).

Eine Pfeife von Reiner Klein aus der Anfangszeit

Markierungen:
Die Pfeifen dieser Zeit (1983 - 1989) sind am Holm gekennzeichnet mit: "Handmade" - reiner" in Schreibschrift und der Gradierung.

Mitte 1989 tat sich Reiner Klein mit Lutz Will zusammen, einem Mitbegründer einer Bündener Tabakfabrik. Der Standort wurde nach Bünde verlegt. Reiner Klein übernahm die Fertigung, Lutz Will das Marketing und den Vertrieb. Unter dem Einfluss von Herrn Will wurden die Qualität und die Fertigungsmenge gesteigert , die Formen wurden weicher und runder, die Mundstücke in der Mehrzahl mit 9mm Bohrung gefertigt.

Das Finish wechselte zu rot-braun, statt den Mundstück-Kerben zeichnete sich der Übergang zum Holm jetzt durch Applikationen aus Hölzern, Epoxyd oder Silberringen aus.



Markierungen:
Die Stempelung am Holm: "Handcraftet" - "Reiner" in Schreibschrift (mit geschwungenem „R“ und Trademark-Zeichen) - "Pipe Design" und Gradierung.

1997 trennten sich die Wege der Beiden, Lutz Will kaufte den Markennamen "Reiner" und lässt seitdem nach eigenen Entwürfen die Pfeifen in Norddeutschland fertigen. Diese Modelle sind meist mit Silberapplikationen versehen, das Mundstück ist jetzt aus Acryl und die Färbung/Finish in schwarz, rotbraun oder naturbraun (aufsteigende Qualität) gehalten.

Lutz Will fertigt auch Tabake der "Solani" und "Reiner"-Reihe, die "Borkum Riff" sind vor Jahrzehnten ebenfalls unter seiner Regie entstanden.



Markierungen:
Die Pfeifen sind jetzt mit "Reiner Design" gestempelt, zusätzlich ist das Mundstück mit einem silbernen "R" gekennzeichnet.

Reiner Klein fertigt wieder unter seinem eigenen Namen Pfeifen zu sehr günstigen Preisen. 

 



Klaus Hahn

Klaus Hahn fertigte Anfangs seine Pfeifen aus Plateaukanteln nur nach der Maserung, aber nicht zu extrem in der Form, angelehnt an die Klassiker. Durch mehrfaches Beizen sollte die Maserung besonders betont werden.

In einer Periode Anfang der 90er verstarb sein Bruyere-Lieferant, nach einer Pause setzte er das Pfeifenmachen mit Kanteln von Danpipe fort. Seine Pfeifen sind nur in wenigen Geschäften oder auf Pfeifenmessen erhältlich und bis auf seine Anfangsmodelle relativ günstig.



Markierungen:
Gravur eines Hahns auf dem Holm 
 



Wolfgang Becker

Wolfgang Becker begann als Autodidakt, da er die Modelle von Lars Ivarsson bewunderte und selbst solche Shapes herstellen wollte. Mit selbst vor Ort ausgesuchten Plateaukanteln stellt er meist kugelige, organische und oft asymmetrische Modelle (berühmt: die „Wespe“) her, sowohl in glatter als auch in braun- oder schwarz gestrahlter Ausführung.

Als Applikationen am Holmabschluß verwendet er Horn/Buchsbaum/Elfenbein oder Bambus, jedoch keine Metalle. Die Mundstücke sind aus Ebonit und meist ohne Filter.

Die "Wespe"



Markierungen:
Kreisförmig „Wolfgang Becker“, in der Mitte das Grade auf dem Holm



Peter Klein

Peter Klein begann das Pfeifenmachen als Hobby nebenberuflich , seine ersten Modelle verkaufte er hauptsächlich bei Peter Heinrichs in Köln/Niederaussem. Seit ein paar Jahren hat er sich als Pfeifenmacher selbstständig gemacht und ist nach Dänemark gezogen.

Seine Modell- und Formpalette ist sehr umfangreich und meist an die dänischen Vorbilder angelehnt, bei günstigen Preisen.





Markierungen:
Handmade by P.Klein“ sowie Gradierung auf dem Holm



Werner Mummert

Seit 1987 fertigt Werner Mummert Pfeifen und andere Dinge (Kreisel, Griffe) aus Holz. Unter seiner Hand entstehen sowohl klassische Formen als auch skulpturartige Fantasy-Modelle z.T. mit Ständern.

Dabei nutzt er oft die Drehbank und/oder Fräsen, so dass seine Formen eher geometrisch exakt denn organisch fließend wirken.

Werner Mummert hat sich mittlerweile einen guten Ruf als Freehander vor allem in Japan und den USA geschaffen, ein Archetyp ist der sogenannte "Goldfisch" oder die „Nockenwelle“. Neben vielfältigen Applikationen an Holm oder gar am Kopf hat er z.B. auch mit Rochenhaut experimentiert.

Anfangs führte er seine (meist Acryl-) Mundstückbisse punktförmig aus, mittlerweile ist er auf den geläufigen Schlitz umgestiegen.

mit 2 Mundstücken aus Elfenbein und Acryl

Die Nockenwelle



Markierungen:
Werner Mummert“ auf dem Holm



Zarko Jovesic

Über Zarko Jovesic ist wenig zu finden - bis auf einen Artikel im Pipe-Club 01/1987.

In Serbien geboren, als Elektroschweißer beruflich tätig - später als Hobby Modell Hubschrauber-Bauer versuchte er sich Ende der 1980er auch als Pfeifenmacher. Inspiriert durch einen TV-Bericht über Joura und unter anderem angeleitet von Tom Eltang fertigte er meist Dublin-/Vulcano- und auch klassische Modelle.

Er stellte Freehands der "Maserung nach" her, oft asymmetrische Elemente am unteren Holm, meist Sattelmundstücke aus Ebonit und filterlos.

Vielversprechender Beginner in den 80ern, von dem man leider nichts mehr gehört hat...



Markierungen:
"handmade" , "J Z"und Grade unten am Holm



Jan Harry Seiffert

Jan Harry Seiffert ist sozusagen erblich vorbelastet: Sein Onkel ist Nachfahre von Kapp (& Peterson), aufgewachsen ist er als Sohn des Raucherwaren-Importeurs Seiffert.

Erste Gehversuche im Pfeifenbau unternahm Jan Harry als Pennäler bei Tao, nebenbei gewann er Erfahrungen im elterlichen Betrieb. Zuerst mit Reparaturen beschäftigt, lernte er dann das Pfeifemachen nach dem Tod des Vaters in befreundeten Betrieben wie
Tao / Svendborg, Savinelli und Peterson (er entwarf z.B. die Modelle "Hudson" und "Mycroft").

Den Durchbruch als Pfeifenmacher schaffte er 1993, seitdem gestaltet er jährlich ca. 100 Pfeifen (unterbrochen von einer Krankheit 1998 - 1999). Weiter ist er mit Pfeifen-Reparaturen und Musik beschäftigt (seine Instrumente versieht er z.B. mit Schlagbrettern und Einstellknöpfen aus Bruyere).



Markierungen:
Jan Harry-Schriftzug + Herstellungsland + "Freehand" + Grade auf dem Holm.



Rene Wähner

Rene Wähner fertigte von 1994 bis 2000 eher aus Hobby Pfeifen, welche er mehr regional und über seine Homepage verkaufte. Rene Wähner war als einer der Ersten im Web mit einer Homepage zu Pfeifen!

Seine Pfeifen fertigte er als reine Handmades, wobei er mehr Wert auf gute Raucheigenschaften denn auf hochglänzendes Finish legte. Die meisten seiner Modelle (nur ca. 100 in den 90ern) orientierten sich in der Form an der Maserung, so dass bevorzugt geschwungene straight-grain Modelle entstanden.




Markierungen:
"Wähner" halbkreisförmig auf dem Holm,darunter eine stilisierte Pfeife. 
 



Klaus-Dieter Billerbeck

Klaus-Dieter Billerbeck ist pensionierter Kriminalbeamter und als Pfeifenmacher engagierter Autodidakt, der immer wieder etwas Neues ausprobiert.

Die meisten seiner Pfeifen (alles Einzelstücke) sind auf den ersten Blick als "Billerbeck" zu erkennen, er pflegt einen eigenwilligen, rustikal-handfesten Stil. Wem dieser nicht so zu gefallen vermag, bekommt bei ihm aber auch schöne Pfeifen, die man als dänisch-konservativ oder halt "normal" bezeichnen kann.

Klaus Dieter Billerbeck liefert zu jeder Pfeife einen selbstgemachten Stopfer, der aus Bruyereholz und einer Patronenhülse besteht. Alle seine Pfeifen sind einzeln nummeriert und dokumentiert.


Eine für Billerbeck noch sehr zurückhaltende, klassische Form

Markierungen:
Billerbeck-Signum und fortlaufende Einzelnummer auf dem Holm.



Oliver (und Max) Brandt

Oliver Brand baute in seiner Jugend Pfeifen von seinem Vater um, später veränderte er großformatige italienische Pfeifen nach seinen Vorstellungen. Nach und nach wagte er sich dann auch an rohe Kanteln.

Ca. 1990 erhielt er die Restkanteln von Julian Schäfer (JULS), erweiterte seinen Maschinenpark und sattelte nach ein paar Jahren als selbstständiger Pfeifenmacher um. Ab 2000 stieg sein Sohn Max mit ein.

Die Pfeifen der Brandts sind eher großformatig und in der Form an den dänischen Shapes angelegt.


Markierungen:
Olive“ (Oliver Brandt) oder „MB“ (Max) sowie Gradierung auf dem Holm.



Heinz Nolte

Heinz Nolte begann das Pfeifenbauen als Hobby und verkaufte seine ersten Modelle bevorzugt auf Handwerkermärkten. Mit den Jahren wuchs sein Kundenkreis (vor allem in D / CH / USA) und er verkaufte auf selbst in Baden-Würthemberg organisierten Pfeifenmessen oder überregionalen Kunsthandwerkermessen.

Seine Modelle sind recht dickwandig und in der Form eigen, meist mit Filter und diversen Applikationen an Holm versehen. Nolte stellt nur glatte Pfeifen her.


Markierungen:
HN“ sowie Gradierung auf dem Holm.


 Autor: Manfred Arenz

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