Willkommen bei Jogi-wan...

Willkommen bei Jogi-wan...

Mittwoch, 20. Juni 2012

Pfeifen: Handmade ./. Serienpfeife

Sehr oft wird in Foren und an Stammtischen darüber diskutiert, was den weit höheren Preis einer Handmade gegenüber einer Serienpfeife ausmacht.

Eins vorweg: Es ist nicht der reine "Rauchgenuß", der den x-fach höheren Preis rechtfertigt ! Eine Bang schmeckt nicht 5-10 x besser als eine Stanwell, im Prinzip schmeckt jede Pfeife aus ordentlich abgelagertem Bruyere. Selbst ein vernünftig gebohrter und mit Mundstück versehener Rohling kann vom Geschmack her den gleichen Genuß wie eine "Bo" bieten. (Daher geht der so oft bei der Vorstellung wahrer "Gurken" zu lesende, letzte Kommentar des Besitzers "aber sie schmeckt gut" etwas am Thema vorbei...)

Unterschiede zwischen Handmade und Serie bestehen vor allem hinsichtlich:

der Formgebung
  • eine Kopierfräse kann eben nicht alle Formen 1:1 abbilden (z.B. eine "Ramses")
  • die Kanten (wenn vorhanden) sind weniger definiert / "scharf" bei Serienpfeifen
  • Serienpfeifen werden aus normierten Rohlingen hergestellt, besonders große oder stark gebogene Formen bzw. breite Holme, hohe Köpfe usw sind so nicht darstellbar
 Natürlich stellen Freehander auch klassiche Formen her....

der Bohrungen
  • Serienpfeifen werden mit Serienwerkzeugen hergestellt , z.B. besonders steile Bohrungen sind damit nicht prozesssicher herstellbar
  • die Bohrungen der Brennkammer und des Rauchkanals können individueller der Pfeifenform bzw der "Handschrift" des Machers angepasst werden
der Farbgebung/Beize/Finish
  • Handmades werden meist meist aufwändiger hinsichtlich der Oberfläche behandelt, mehrfach gebeizt und/oder poliert

Gut - wenn ich z.B. eine klassische Billiard kaufe, wäre keiner der bisherigen Punkte einen hohen Aufpreis wert ;-)


Mundstück und Biss

Bei einer "guten"  Handmade  sollten Mundstück und Holm ohne ertastbaren (oder gar sichtbaren) Absatz verschachtelt sein, die Kanten der Verbindungsstellen Holm/MS leicht gebrochen (ansonsten "schabt" es),


die Flächen auch an den nicht sichtbaren Stellen poliert und nicht "roh" oder "abgedreht" sein (dann sammelt sich dort kein "Schmodder").


Der Zapfen sollte leicht ausgekehlt, die Holmbohrung etwas angefast sein (erstens wegen Vermeidung von Kondensat am Zapfen, zweitens zum leichteren "Zusammenbau").

Hinsichtlich der Bissstärke hat jeder so seine Vorlieben, das Bissende sollte jedoch aufgefächert sein (und nicht punktförmig oder nur leicht angefräst), natürlich ohne scharfe Stellen oder gar Pressgrat...


(den Zahnabdruck oben bitte einfach übersehen ;-) )


Die Kalkulation des Herstellers

Ein Einzelstück-Hersteller hat natürlich einen höheren Aufwand in der "Produktion" als ein Serienhersteller, viele (oft gar alle) Schritte müssen einzeln und per Hand getätigt werden. Natürlich werden auch bevorzugt "maserungsträchtige" Kanteln eingekauft und schlagen sich so im Endpreis nieder - bei Serienherstellern sind "Maserungsköniginnen" eher "Zufall".


Maserung

Hier kommen wir den höheren Preisen schon näher ;-) Klar - je dichter und regelmäßiger die Maserung, desto höher der Preis... Dennoch gibt es gerade bei (noch) nicht  so renommierten Pfeifenmachern manchmal ein Modell zu kaufen, daß man gemeinhin als "Maserungsschlampe" bezeichnen kann - zu vernünftigen Preisen !


Weitere "Preissteigerer".
  • Freiheit von Kitt, Spots, Sandpits
  • Form der Pfeife passend zur Maserung
Klar - auch bei Serienpfeifen kann man mit Glück wahre Traummaserungen finden, diese sind aber in der Regel (natürlich innerhalb der Gradings) eher Zufall den gezielt "produziert".

Eine top gemaserte und weitestgehend spotfreie Pfeife wird immer einen höheren Preis erzielen als eine Pfeife ohne diese optischen Attribute bzw. eine rustizierte / sandgestrahlte (denn geschmacklich ist dies ohne Einfluß).


Das Holz

Freehander beziehen meist ihr Holz einzeln aus normalen Partien ausgesucht, bei Serienpfeifen sind die Kanteln meist in Standardgrößen-/Formaten vorproduziert. Viel Gewese wird um die Holzherkunft gemacht (Korsika, Algerien, Südhang  oberste Reihe....), ob der Raucher allerdings hier Unterschiede im Geschmack bemerkt (zumal wenn er Aromaten und/oder mit Filter raucht) wage ich zu bezweifeln....

Selbstverständlich sollte das Holz aber vernünftig abgelagert sein! Bitterer Geschmack beim Rauchen kann aber auch von in den Brennraum gelangter Beize oder der Einrauchpaste kommen - sollte aber ebenso wie "fauliges" Holz nicht vorkommen !


Die "Qualität"

Dunhill soll angeblich nach jedem Fertigungsschritt radikal das Beste aussortieren (eine antiquierte Qualitätspolitik... zumal die meisten Aussortierten dann zu "normalen " Preisen unter Zweitnamen dennoch verkauft werden) - aber wer sehr viele Dunnies in der Hand hatte bemerkt daß die Qualitätspolitik doch nicht sooo 100% ist... Dennoch - höhere Qualität (oder höhere Chance darauf ;-)  bedeutet natürlich auch einen höheren Preis...

Bis hier immer noch keinen triftigen Grund für den hohen Aufpreis einer Freehand gefunden ? ;-)

Dann kann es nur noch der  Sammlerwert erklären, viele Sammler (oder auch nicht-Sammler) möchten eben ein Einzelstück, daß es nicht an jedem Bahnhofskiosk gibt....

Analog zum Briefmarkensammeln zum Beispiel wird ein Brief mit der "blauen Mauritius" auch nicht scheller befördert als einer mit einer Automatenbriefmarke. Allerdings könnte man so ins Fernsehen (oder sonst wohin.. ) gelangen ;-)

Warum manche Macher 4 - 5 stellige Preise kosten (man beachte dabei die Gewinnspannen des Importeurs und des Händlers !) läßt sich kaum rational - schon gar nicht mit "Raucheigenschaften" - erklären. Aber wenn ein Macher sich solch einen Ruf erarbeitet hat um solche Preise aufzurufen,
wer würde es nicht gerne genau so machen ? ;-)

Leider handeln manche Sammler die Pfeife auch als Spekulationsobjekt (eine Bo kostete im Jahr 2000 ca. 2000 €, heute um die 10.000 € ) oder Prestigeobjekt ("he Peter, zeige mir mal Deine teuersten Bangs...ok, ich nehme ein Dutzend"), was natürlich auch zu Höchstpreisen führt... Ob man da noch "mitmacht" oder die Welt für "bluna" hält, bleibt jedem selbst überlassen ...

Ein wirklich passionierter Raucher raucht und pflegt jedoch seine Pfeifen und sperrt sie nicht in den Tresor ! Oder es sammelt sie für sich, und nicht für die "Börse"...

Autor: Manfred Arenz

1 Kommentar:

  1. Hi,
    vielen Dank für den wirklich sehr interessanten Bericht!
    Noch bin ich nicht im Besitz einer Freehand, aber da ich am Dienstag Geburtstag habe geht es demnächst zu Jürgen Börner! :)
    Mal sehen was ich da mitbringe....

    LG
    Tobias

    AntwortenLöschen