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Mittwoch, 18. Januar 2017

Kolumne: Die "unrunden" Tabake


Wie verdient man Geld? In dem man Artikel anbietet, die einer möglichst großen Menge an Konsumenten zusagen. „ZUSAGEN“ reicht von „mnja.. ganz ok“ bis „ supaaaa!“ Diesen Bereich abzudecken ist Aufgabe von Produktforschern, Designern oder, in unserem Falle, Mischmeistern. Wenn also ein, bei einem Großunternehmen beschäftigter, Mischmeister zu seinem Chef kommt, um dem eine Idee für einen neuen Tabak zu erläutern, wird die erste Frage des Chefs sein, wie viel sich davon verkaufen lässt, ob es massenkompatibel ist. Nun ist unser Mischmeister ein richtig guter (davon hat auch die Großindustrie welche!) und er erläutert dem Chef begeistert einen ganz großartigen, mutigen Nischentabak, den es bislang noch nicht gibt und freut sich daran, was ihm da Tolles eingefallen ist. Als Antwort erhält er ein Lob für seine, nach wie vor, unverwaschene Individualität, für seinen Mut und Ideenreichtum… und ein NEIN vom Buchhalter, der flugs errechnet hat, dass sich dieser Tabak nicht „lohnen“ wird. Idee im Keim erstickt.

Wir hatten das alles schon - im Brauereigewerbe. Da wurde auf Eigenständigkeit keinen Wert mehr gelegt. Unverwechselbarkeit wurde plötzlich als Manko, als Stolperstein auf dem Weg zum Millionenumsatz gesehen. Die Situation war so pervers, dass man stets nach dem Marktführer schielte, dessen Bier analysierte und die eigenen Leute damit beauftragte, dem Geschmack DIESES Bieres so nah wie möglich zu kommen… um auch einen Teil vom Umsatzkuchen zu erhaschen. Massengeschmack als Gottheit, Mainstream um jeden Preis. Die paar Konsumenten, die etwas anderes wollten, fielen einfach hinten herunter. Sollten sie doch sehen, wo sie bleiben… mit ihnen war schließlich nicht viel zu verdienen. Das Ergebnis war die logische Folge dieser Entwicklung. Beliebig austauschbare Einheitsbrühen, die man nur noch am Etikett unterscheiden konnte. Sie meinen, das sei ein Einzelfall? Ach ja?… Automobildesign, Schokoladengeschmack… es ist überall die gleiche Vorgehensweise.

Letztlich funktionierte das auch in der Pfeifentabak-Industrie eine Weile ganz gut. Wenn mal ein „neuer“ Tabak auf den Markt gebracht wurde, war der derart beliebig austauschbar mit anderen, bereits auf den Markt befindlichen Produkten, dass der Raucher eigentlich immer wieder enttäuscht wurde… bis es letztlich zu seinem Desinteresse führte. Einerseits reagierte die Industrie pikiert, weil das „Umsatzvieh“ diese angeblich so tollen, innovativen Tabake nicht abfeierte, am Ende war es aber egal… die Zahl der Pfeifenraucher ging kontinuierlich zurück, der Markt wurde immer unwichtiger. Wenn die paar Hanseln irgendwann kaum noch etwas an Tabak bekommen, werden sie auch den gesichtslosen Schund rauchen, den wir ihnen, billig produziert, vorsetzen - so glaubte man.


Doch es kam anders. Kleine, individuelle Anbieter gab es weiterhin. HU-Tobacco, Dan Pipe, Motzek, Roman Peter und auf der anderen Seite des Teiches Cornell & Diehl. Klugen Riesen, wie Mac Baren, entging nicht, dass die Entwicklung in einer Richtung verlief, die das Brauereigewerbe kurz vorher auch schon erlebt hatte. Kleine Anbieter schufen Biere, die sich gänzlich vom Hauptstrom unterschieden. Statt damit aber Schiffbruch zu erleiden, hatten eben diese Zwergenbrauer teilweise zweistellige Zuwachsraten. WEIL der Geschmack der Menschen eben ganz individuell ist, WEIL man deren Wünsche nach Genuss eben NICHT über einen Kamm scheren kann. Mac Baren registrierte mit Argusaugen, dass gerade die Anbieter besonderer, individueller Tabake ihren Fankreis rapide vergrößerten… und gerade der Erfinder des „Hausgeschmacks“ entschloss sich zu einem, für einen Großanbieter enorm mutigen, Schritt. Die HH-Reihe wurde geboren. Anderenorts wollte man so gern weiter schlafen und mit Phantasielosigkeit die Kohle abschöpfen und schüttelte deshalb verständnislos den Kopf.


Die überlauten Kassandrarufe verhallten ungehört… und sie waren unnötig. In Windeseile entwickelten sich die HH-Tabake zu regelrechten Rennern im Hausprogramm. Zu Rennern, mit denen sich auch tatsächlich Geld verdienen lässt. Chapeau, das war mutig und Dank für das gute Beispiel. Zeitgleich gewannen andere Faktoren enorm an Bedeutung. Einmal die, in absehbaren Jahren zu erwartende, Gefahr des Verbots von Aromen in Tabaken und die Tatsache, dass die Zahl der Pfeifenraucher wieder stieg und immer noch steigt und sich so neue Konsumentengruppen auftun.

Das erfolgreiche Beispiel von Mac Baren und die erwähnten Tatsachen haben dazu geführt, dass sogar ein, einst als „Billigaroma-Anbieter“ verrufenes Unternehmen wie PLANTA, plötzlich seine schlummernden Fähigkeiten entdeckt und auch den Mut hat, sie einzusetzen… und das mit Erfolg und in hoher Qualität. Wer immer noch den alten „Rum and Maple Singsang“ anstimmt, wenn er den Namen PLANTA hört, hat schlicht die Entwicklung der letzten Zeit verschlafen und sollte sich z.B. den „Empire“ mal gönnen. Selbst ein, in Hinsicht auf diese Entwicklung extrem verschnarchter Verein wie die STG (oder schmollen die noch?) reagiert auf den Verlust der Amphora-Tabake aus dem eigenen Portfolio mit der Einführung des „Clan Full Aroma“, der auch eine echte Bereicherung des Angebotes darstellt.



und unsere „Kleinen“? Die haben schon extrem freakige Ware im Programm… zum Teil auch schon länger. „Fajun Cake“ oder „Sissinghurst“ bei Hans Wiedemann, der völlig verrückte „BIBO“, den Michael Apitz bei und für Dan Pipe geschaffen hat (obwohl man sich gerade vom Haus Dan Pipe wünscht, dass da endlich mal „ein paar Gäule freigelassen werden“. Die Fähigkeiten hat man allemal, am Mut der Chefetage fehlt es !)… und die neuen Kreationen am laufenden Band, mit denen Tom Darasz (TAK/Motzek) aus Kiel in diesem Jahr die deutsche Pfeifentabak-Szene deutlich geprägt hat. Donnerwetter… es ist wieder richtig was los!


Dem deutschen Pfeifenraucher (und das ist jetzt eine mutige Behauptung!) ist es noch NIE so gut gegangen wie 2016. Solide Einsteigerpfeifen für 39 Euro (Venini, Vauen Basic) in einer Qualität, die aller Ehren wert sind, ein enormes Angebot an Pfeifen, das, durch das Internet bedingt, nie so einfach zu erreichen war, eine Vielzahl an Tabaken, die nun wirklich jeden Nischengeschmack abdecken, eine großartige (wenn auch kleine) Truppe von Fachhändlern, die engagiert hinter dem Produkt Pfeife steht… und stabile Zahlen beim dringend benötigten Nachwuchs.


Schluss jetzt mit der Jammerei und dem Schwarzsehen. Augen auf, informieren, genießen und freuen. Dies ist mein Wunsch an den geneigten Leser, in den letzten Zeilen, die ich im Jahr 2016 für den Blog schreibe. Von meiner Seite wünsche ich Ihnen ein gutes, gesundes Jahr 2017!

Ihr Ralligruftie


Autor:
Ralf Dings

Esoterica - Pembroke

Es gibt Tabakhersteller, die umweht die gewisse Aura des Besonderen. Bei manchen möchte ich sogar den Begriff Mythos verwenden. Eine dieser Firmen ist für mich die Firma J.F. Germain & Son von der britischen Kanalinsel Jersey. Aufgrund der Tatsache, dass diese Firma offenbar derart klein ist, sind die meisten ihrer Tabake so gut wie immer vergriffen. Das ist hierzulande an den tollen Flakes wie „Special Latakia Flake“ oder auch dem „Brown Flake“ zu spüren. Nach telefonischer Auskunft der Firma Planta, die den Import der Germains Tabake für Deutschland organisiert, wird selbst auf Telefonanrufe bei Germains nicht wirklich reagiert. Dies steigert bei Freunden der Jersey Tabake das Verlangen danach nur noch mehr.
Für uns in Deutschland leider nicht erhältlich sind die Germains Tabake der „Esoterica“-Reihe. Das sind durchweg auch in den USA nur sehr selten zu erhaltende Tabake und einige dieser Blends sind zu regelrechten Legenden geworden. Ich spreche in diesem Zusammenhang von „Penzance“ oder auch dem „Stonehaven“. Ein weiterer Tabak aus dieser Familie ist der „Pembroke“. Und der ist übrigens daran Schuld, dass ich zum Esoterica- und somit zum Germains-Fan geworden bin.


Es handelt sich um einen Tabak der englischen Richtung mit einem Flavour. Auf der Dose heißt es „Choice English, Cognac Blend“. Alles klar. Cognac also. Öffnet man die Dose, ist das auch augenblicklich zu riechen. Sogar aus einem Meter Entfernung. Wer jetzt vielleicht denken mag, dass das vielleicht etwas zu heftig sein mag, dem sei versichert, das ist es überhaupt nicht. Der alkoholische Duft in Kombination mit dem Geruch eines guten Engländers ist derart lecker, dass man am liebsten sofort rein beißen möchte. Germains typisch, ist die innere Papierverpackung regelrecht durchgezogen mit dem Tabak. Ein wirklich sicheres Indiz, mit welchem Hersteller man es hier zu tun hat.

Der Tabak an sich präsentiert sich als fein geschnittene dunkle Mischung aus Latakia, Orient und Virginia. Allein die Optik des Schnittbildes lässt schon ein unkompliziertes Rauchvergnügen vermuten. Diese Vermutung wird dann auch vollends bestätigt. Der Tabak lässt sich einfach einfüllen, er benötigt keine Trocknung oder ähnliches, sondern lässt sich ganz einfach mit 1 bis 2 Versuchen zum Glimmen bringen. Das erste Drittel der Füllung wird vom Cognac dominiert. Ich würde aber nie behaupten, es hier mit einem reinen Aromaten zu tun zu haben. Der Latakia, und vor allem der Orient, sind immer deutlich dabei. Vom enthaltenen Virginia kann ich nicht wirklich was schmecken. Wahrscheinlich dient er zur Bereitstellung oder Steigerung der Süße.


Ab dem zweiten Drittel gibt es einen Wechsel des Hauptdarstellers. Die Aromatisierung tritt in den Hintergrund und überlässt dem Orient und dem Latakia die Bühne, blitzt aber immer wieder auf eine angenehme Art hervor. Dieser Geschmackseindruck erhält sich jetzt bis zum Ende der Pfeife. Aromatisierte, englische Mischungen sind sicher nichts für jeden. Wer aber einen qualitativ guten Engländer haben möchte, bei dem die Süße des Latakia und Virginia noch durch ein wenig Cognac unterstützt wird, der wird hier begeistert sein. Sollte einem also, trotz der Seltenheit, mal eine Dose davon zwischen die Finger kommen, man kann sich sicher sein, nicht nur eine Rarität ergattert zu haben, sondern schlichtweg auch einen guten Tabak.

In diesem Sinne mit vielen Grüßen aus Ostfriesland,

Björn Rippen

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Jede Menge Kohle!

Dieses Land ist immer noch geteilt… zumindest, was die Pfeifenraucher angeht, die ihre Hölzer mit Filter genießen. Geteilt, sogar in mehrere Teile. Die beiden größten Gruppen bringt man auch nicht zusammen - keine Wiedervereinigung in Aussicht. Die Fans der Stanwell-Filter loben den freieren Zug, die Vauen-Fans das mildere Aroma. Da ist die Frage, was man bevorzugt, wie man (zum Teil über lange Jahre) konditioniert ist… auch Gewohnheit spielt da eine, nicht zu unterschätzende, Rolle. Die meisten Anhänger beider Lager würden niemals wechseln, sind eingeschworen. Trotzdem suchen viele Raucher gerne mal nach Filteralternativen. Sei es aus reiner Neugier, ob sich das Raucherlebnis noch steigern lässt, sei es, weil der Mensch gern mal spart… wenn es auch oft an der falschen Stelle ist… dazu später mehr.


Ich zähle zur Vauen-Anhängerschaft und frage mich, wie auch die eingefleischten Stanwell-Fans, ob die doch recht kräftigen Preise für unsere bevorzugten Filter gerechtfertigt sind. Fragt man die Industrie, sind die Erklärungen zum Konstruktionsaufwand und zur Güte der verwendeten Materialien vollmundig. Strömungstechnik, Kohle- und Papierqualität u.s.w. sind einleuchtende und beeindruckende Argumentationspunkte. Die Frage ist, was davon fühl- und feststellbar in der Praxis, beim Raucher, ankommt. In letzter Zeit sind zwei mögliche Alternativen für meine bevorzugten „Hochpreisfilter“ bei mir gelandet und ich habe mir (Neugier siegt) mal den Spaß gemacht, beide über längere Zeit zu testen.


OLD BISON Aktivkohlefilter: Robust und markig kommt er daher. Ein schwarzer Bison, aufgedruckt auf ungebleichtem Papier (hallo, Öko-Gewissen) macht ihn, zumindest optisch, unverwechselbar. Eine seltsam grobe und nicht getrichterte Keramikkappe mit nur sechs Löchern sitzt im Vorderteil , den Abschluss bildet eine grüne Plastikkappe mit einer Art gelochtem Kreuz. Was das strömungstechnisch bringt, kann ich nicht sagen, doch schon der Zug am Filter weist deutlich höheren Widerstand auf, als beim Vauen. Der Schütteltest offenbart schon einen möglichen Grund. Es klingt eher sandig und das lässt darauf schließen, dass eine Menge Staub das Innere (neben den üblichen Aktivkohle-Rundstückchen) füllt. Schon beim Zug an der noch nicht befüllten Pfeife hat man oft Kohlestaub auf der Zunge.

Zu Beginn ist der Zug nicht wesentlich schwerer als gewohnt, doch das ändert sich rasch. Sobald der Filter ein wenig feucht wird, scheint sich der Kohlestaub im Filter in Beton zu verwandeln. Spätestens nach der halben Pfeife ist man überzeugt, das Stopfen verlernt zu haben, der Zug wird extrem schwer und erst beim zweiten Gedanken kommt man auf den Filter als Verdächtigen. Der Filter ist bereits nach der halben Füllung extrem durchfeuchtet (ein Vauen fühlt sich an diesem Punkt bei mir allenfalls minimal feucht an) und absolut unbrauchbar. Zwar ist der OLD BISON in diesem Vergleich deutlich günstiger als die Referenzqualität, ein solcher Mist ist aber gar kein Geld wert - soviel darf festgehalten werden.


ERMURI Aktivkohkefilter: Der von der Ermuri-Company angebotene Filter steckt in gebleichtem Papier (das aber sichtbar dünner ist als bei Vauen) und weist vorne und hinten die gleichen, trichterförmigen Kappen mit jeweils sieben Löchern auf. An diesem Punkt sei darauf hingewiesen, dass z.B. der Vauenfilter vorne neun und hinten zwölf Bohrungen besitzt und Herr Eckert, der VAUEN-Chef, in diesem Zusammenhang auf die Wichtigkeit unterschiedlicher Ein-und Auslässe für die Strömungsverhältnisse hinweist. Der Ermuri macht seinen Job recht gut. Der Zug ist etwas leichter als beim Vauen, er ist im ganzen Zuggefühl dem Stanwell deutlich ähnlicher. Die Milde des Rauches geht in Ordnung, die Filterwirkung scheint gut. Wenn, ja wenn da nicht die Serienstreuung wäre. Immer wieder finden sich Filter, an denen z.B. die Kappe auf einer Seite bis auf halbe Länge in die Hülse gedrückt ist. Einige Patronen fühlen sich auch deutlich anders gefüllt an, als das Gros.

Größtes Problem des Ermuri ist allerdings, dass er beim Gebrauch extrem aufquillt und aus einigen Filterzapfen nach dem Rauchopfer kaum zu entfernen ist. Man muss den feuchten Filter im Mundstück trocknen lassen, um ihn gewaltfrei entfernen zu können. Wer ungeduldig ist und es mit sanfter Gewalt versucht, bekommt die mangelnde Reißfestigkeit des Papiers zu spüren, hat den halben Filter in der Hand, die Kohle über den Boden verstreut und das Problem, den nun im Zapfen steckenden Rest entfernen zu müssen. Das macht wenig Freude.


Seltsam schon die Passform des frischen Filters. Obwohl die Schieblehre keine wirklichen Unterschiede in Länge und Umfang der Filter offenbart, scheinen oft schon Zehntel Millimeter über Wohl und Wehe zu entscheiden.

Das Fazit ist recht klar. Im Schnitt kauft man 100 Filter von Stanwell für 9,80 Euro, die gleiche Menge Vauen-Patronen schlagen mit etwa 9,15 Euro zu Buche. Den Ermuri gibt es für 8,40 Euro und Preisbrecher ist der BISON mit 6,95 Euro. Im günstigsten Fall spart man also 2,85 Euro… das macht 2,85 Cent pro Pfeife!



Fragen Sie sich, was Ihre Pfeifen, Ihre Tabake kosten und fragen Sie sich, ob Sie für eine Ersparnis von knapp 3 Cent pro Füllung Ärger und Einschränkungen im Rauchvergnügen hinnehmen wollen. Ermuri und BISON seien hier nur stellvertretend für einige Filtermarken genannt, die ich in letzten Jahren alternativ probiert habe. Meine Ergebnisse waren stets gleich. Ich habe seit gestern wieder eine prall gefüllte Vauen-Filterdose im Schrank und werde mir weitere Experimente in der Zukunft sparen… so intensiv ist meine Neugier dann doch nicht.

Ihr Ralligruftie

Autor: Ralf Dings

Freitag, 23. Dezember 2016

Frohe Weihnachten 2016!

Liebe Tabak- und Pfeifenfreunde,

wir wünschen euch entspannte und tolle Weihnachten. Macht euch ein paar schöne Tage im Kreis eurer Familien und Freunde, vor allen Dingen aber im Zeichen des Genusses.

Merry Christmas,


das Team von Jogi-wan




Donnerstag, 15. Dezember 2016

G.L. Pease - Regents Flake und Temple Bar (Old London Series)

Im Juli stellte G.L. Pease zwei neue Tabake der „Old London Series“ vor, den „Regents Flake“ und den „Temple Bar“. Beiden Mischungen sollen laut Herstellerangaben dieselben Ingredienzien zugrunde liegen, nur dass die eine Mischung ein Flake und die andere ein Plug ist. Da beide Tabake zu nicht unerheblichen Anteil Orientals enthalten und ich bereits bei Hans Wiedemanns „Fayyum“ und „Fayyum Cake“ die Erfahrung gemacht habe, wie unterschiedlich ein und dieselbe Mischung bei anderer Verarbeitung seien kann, reizte mich der Versuch die beiden „neuen“ G.L. Pease auszuprobieren und zu erleben.


Der Regents Flake ist, wie der Name schon sagt ein Flake bzw. ein „broken Flake“, der so beschrieben wird:

Eine großzügige Dosis der feinen Izmir Blätter geschichtet auf einem stabilen Fundament von reifen roten und süßen hellen Virginias, dann zum Reifen und fermentieren in Cakes gepresst, bevor vor er in Scheiben geschnitten wird und in die Dose kommt. Dieser Flake ist für den Liebhaber von orientalischen Mischungen mit ihren exotischen und verführerischen Aromen und brillantem Geschmack. Reiben Sie eine Scheibe oder zwei, um den Pfeife zu füllen und genießen Sie ein außergewöhnliches Raucherlebnis.“

Beim Öffnen der Dose waren die Flakescheiben schon sehr locker und erinnerten eher an einen Broken Flake. Falten und Knicken war mit den losen Scheiben nicht wirklich möglich. Die Konsistenz des Tabaks hingegen war perfekt. Eine leichte Restfeuchte, die schon beim Öffnen des Vakuumverschlusses dafür sorgte, dass einem der komplexe Duft von würzigen Orientals und reifen Virginias in die Nase stieg; würzig, floral, herbstlich, eine leichte Zitrusnote und die süßliche Note der Virginias.


Ich habe den Tabak ein wenig auf gerubbelt und damit einen mittelgroßen Pfeifenkopf einer Werner Johst Pfeife ohne Filter gefüllt. Der „Regents Flake“ lässt sich ohne Anstrengung in Brand setzen und bot mir schon nach den ersten Zügen einen großen Genuss. Eine Süße von Rosinen, gepaart mit einer würzigen, herbstlichen Note und einer Spritzigkeit; eine wirklich gelungene komplexe Mischung an Aromen, die Nase und Gaumen umspielten. Keiner der verwendeten Tabake gewinnt für sich wirklich die Oberhand. Virginias, Orientals und Perique ergänzen sich harmonisch und sorgen abwechselnd für ein Feuerwerk der Aromen. Der Tabak bleibt dabei sehr angenehm und lässt sich ohne große Anstrengungen rauchen; man braucht ihm keine besondere Aufmerksamkeit zu schenken, sondern kann sich entspannt zurücklehnen und ihn genießen.

Insgesamt ist er verhältnismäßig mild und nahe an einem „all day smoke“. Der Nikotingehalt ist mittelstark. Für mich eine wirklich sehr gelungene Mischung mit einer ordentlichen Portion Orientals, die mir hoffentlich noch viel Spaß machen wird.

Der „Temple Bar“ hingegen ist ein Plug mit folgender Beschreibung durch den Hersteller:

 „Gehaltvolle, reife rote und goldene Virginia Tabake, die großzügig mit feinen, süß duftenden Orientals gewürzt sind; verfeinert mit einem Hauch von Perique für ein wenig mehr Tiefe und Komplexität. Der Tabak wurde sorgfältig geschichtet und für zwei Wochen in großen Kuchen gepresst, die dann in Plugs geschnitten wurden und in der Dose vakuumiert wurden, bereit für den ultimativen Rauchgenuss“

Der „Temple Bar“ ist ein mittel bis hellbrauner Plug. Beim Öffnen der Dose verströmt er einen Duft von frischem Heu, Grass und Getreide, sehr milden Kräutern und einem Hauch der Schärfe und Würze des Periques; etwa so wie in einer Scheune, deren wunderbare Aromen an die Heuigkeit von Virginia erinnern. Ich habe den Plug in Scheiben und dann in kleine Würfel geschnitten, die ich dann in den großen Pfeifenkopf einer Flakepfanne eingefüllt habe. Nach zwei bis drei Streichhölzern war der Tabak in Brand gesetzt und ich durfte die ersten vollen Züge genießen.


Noten von Heu, Pergament und ein Hauch von gesalzenen Nüssen; dann eine leichte pfefferige Note, gepaart mit einer Würze, die an Wald und Holz erinnert; ähnlich einem eleganten Burley. Bis zur Hälfte der Füllung ein harmonisches Wechselspiel der Aromen; mal würzig, mal kräftig, mal leicht und elegant. Der Rauch ist kühl und angenehm. In der zweiten Hälfte überwiegen die erdigen, herben, würzigen Noten, die eher an Eiche, Wald und Herbst erinnern. Das Finish ist knackig, rauchig und erdig; die Würze und Pfefferigkeit des Perique treten etwas in den Hintergrund. Im Vergleich mit dem „Regents Flake“ ist die Süße noch dezenter und am Ende nur noch ganz leicht zu spüren. Der Plug wirkt insgesamt kraftvoller als der Flake und erinnerte mich ein wenig an den „Oak Alley“ von Cornell & Diehl, jedoch weniger süß und etwas würziger. Der Nikotingehalt ist ebenso wie beim „Regents Flake“ eher als mittelstark einzustufen.

Der „Temple Bar“ ist ebenfalls eine runde und wie ich finde sehr gelungene Mischung. Im Vergleich mit dem „Regents Flake“ aber eher etwas für den Abend, da gehaltvoller und kein „all day smoke“. Der „Temple Bar“ ist noch eine Spur komplexer als der „Regents Flake“; eine ähnliche Erfahrung, wie seinerzeit beim „Fayyum“ und „Fayyum Cake“ von Hans Wiedemann.


Beide Blends sind, insbesondere den Freunden von Orientals, zu empfehlen und versprechen eine Menge Genuss.

Viele Grüße aus dem Werdenfelser Land



Autor: Torsten Wieczorek

Sonntag, 4. Dezember 2016

Mein Dänemark!

Gepackt hat es mich 1980. Wenn Du zu der Zeit was sein und werden wolltest, bei der Pfeife, musstest Du englisch sein. Name, Verpackung, Dekoration… alles englisch. Egal, ob aus Castrop-Rauxel oder Leupoldsgrün… Dein Produkt brauchte den Bezug zur Insel. Schottisch ging auch noch, irisch war auch ok… sonst nichts. Mit Bärenfell bemützte Plastiksoldaten hielten die Fahne der Landshuter Tabake oben und Mc Lintock kam nicht aus Dublin, sondern aus Berlin. Alle wussten das, doch jeder fand es normal. Wenn dann gar Kraut oder Pfeife WIRKLICH von der Insel kam, wie bei Dunhill oder Murrays…. tja, dann stand der deutsche Pfeifenraucher stramm. „Nightcap“, „Erinmore“… diese Namen sorgten für tiefste Ehrfurcht und blanke Verzückung. Die Straßenköter aus deutschen Landen schmückten sich bevorzugt mit güldenen Schriftzügen und Krönchen, um das Manko der Herkunft wenigstens etwas auszugleichen. So saß man daheim, zwischen Eiche brutal und orientalischem Fransenteppich, und fühlte sich britischer, als der britischste Brite!


und mitten in die Idylle knallten SIE! Schmucklose Druckdeckeldosen, umwickelt mit braunem „Packpapier“ und in Schreibschrift verfasstem Namen. Larsen stand da… überhaupt nicht britisch… und solche Sachen, wie „No.4 Loose Leaf“ oder „No.50 Light Sweet“. Na wenigstens englische Begriffe, aber sonst? Keine Krönchen, nicht gülden, kein Sermon über „echt englisch“ und „englische Tradition“… nichts, nada! Diese Dosen stampften einfach selbstbewusst mit den Füßen auf und stellten sich mitten in den Laden - oh Gott! Ignoriert sie, das kann doch nicht wahr sein, was will der moderne Kram hier… der „Exclusiv-Soldat“ verlor kurz die Haltung und blinzelte.


Für uns junge Pfeifendachse war das ein Trompetenstoß… eine Revolution in Packpapier und Schreibschrift. Klar holte ich mir eine Dose bei Zander, den „No.50 Light Sweet“. Als ich daheim mit zittriger Hand den Deckel aufploppte und die erste Nase nahm, wusste ich, dass ich verloren bin. But-ter-plätz-chen… Ka-ra-mell, sauuuuulecker! …und das Tabakbild… grob, eine Symphonie in Brauntönen, wie selbst geschnitten – herrlich! Andere Kumpel kauften andere Larsens… den „No.4“, den 32er, den 80er… wir probierten gegenseitig und schwelgten in nie zuvor gekannten Genüssen! Klar gab es damals schon dänische Mischungen, doch die Riege der alten Herren hatte erfolgreich verhindert, dass sie uns Jungspunden auffielen. Mein Vater wetterte über den „dänischen Süßkram“ und zog echauffiert an seinem „Kiepenkerl Altgold“. Er bereute sicherlich auch, mir kurz vorher noch eine Dose „Royal Niemeyer Scottish Blend“ überlassen zu haben.


Ja, und was nun? Jetzt pilgern die jungen Leute nicht nur zu diesem komischen Schwedeneinrichter (IKEA in Deutschland. Das war für meine Eltern der Untergang deutscher Möbelkultur, ein zweiter D-Day!) und essen Knäckebrot… jetzt infiltrieren die Skandinavier sogar den heiligen, britischen Pfeifenmarkt deutscher Nationen! Von dieser Zeit an gingen mein Vater und ich (zunächst nur pfeifentechnisch!) getrennte Wege… und ich wurde ein Dänen-Junkie. Die Larsens, zu denen noch der „Carolina Flowers“ aus gleichem Hause kam, die „Chiefs Own-Serie“, „Sweet Dublin“, Orlik „Club Mixture“, später die „My own Blend“-Serie aus dem Hause Olsen… ich habe sie alle geliebt. Heiß und fettig! Aus dieser Zeit stammt wohl auch meine Leidenschaft für Pfeifen mit größeren Köpfen, meine Liebe zu Stanwell, Karl Erik, Jorgen L., Svendborg und Jensen. Später kamen bei den Pfeifen noch einige deutsche und besonders italienische Marken hinzu, die ich in mein Nachtgebet einschloss, bei den Tabaken entdeckte ich irgendwann auch den Perique und fette Burleys… ganz tief drin ist mein Herz aber wohl rot-weiß geblieben.


Tja, und heute…? Der Markt hat sich gewandelt. Aus angeblicher Zeitknappheit und Gelegenheitsmangel sind die angesagten Pfeifen kleiner geworden, bei Tabaken wird gern nach dem Extrem gesucht. Die englische Fraktion ist groß geblieben, hat mich mit ihrem nahöstlichen Würzkraut aber nie einfangen können. Die Puristen, die nichts außer Tabak schmecken möchten, sind auch reichlich vertreten… und die aromatisierten Tabake ? Gönnen Sie mir ein paar böse Sätze!

Ob man die Erfindung des schaumig-schwarzen Aromafrachters Black Cavendish nun für einen Fluch oder einen Segen hält, muss jeder selbst entscheiden. Maßvoll verwendet machen seine Eigenschaften auch durchaus Sinn. In vielen Mixturen wird er aber mit der Bauschaufel eingebracht. Ja, auch, weil viele „Aromatenfans“ Angst haben, außer Buttermilch-Nougat-Sahnehering-Trüffel auch noch Tabak zu schmecken. In der Hauptsache aber, weil sich mit ihm fix und billig Aromaten zusammen stricken lassen, die beim Öffnen für eine nasologische Reizüberflutung sorgen, nach der Hälfte aber wie Opa Herrmanns alte Wehrmachts-Decke schmecken. So rennen die einen Raucher immer neuen Aroma-Überflashs entgegen, während sich die andere Gruppe mit Grausen von den Aromaten abwendet.


Bei den, noch existenten, klassischen Dänen geht es leiser zu, sanfter. Hier finden sich Hickory-Karamell-Honig- und Fruchtaromen eher dezent eingebracht, teilweise nur minimal dosiert. In jedem Fall aber so, dass dem Tabakaroma entsprechend Raum gelassen wird. Darauf muss man sich einlassen (wollen) und es bedingt, dass für die Produktion solcher Mischungen Tabake Verwendung finden müssen, die in ihrer Qualität auch ohne übertünchenden Aroma-Mantel Bestand haben . Ja, ein guter Däne ist eine Kunst, die beim Raucher beinahe in Vergessenheit geriet. In letzter Zeit erfreuen sich aber Tabake , wie die Larsens, die es zum größten Teil immer noch gibt, der Stanwell „Jubilee“, DTM's „Gold of Mysore“ u.a.wieder größerer Beliebtheit… wohl, weil man sich an ihnen nicht so schnell leid raucht, wie am Heer der Hocharomaten, trotzdem aber den „süßen Zahn“ füttern kann. Es kommen sogar interessante Neukreationen dazu, wie etwas der „16/5“ von Tom Darasz aus Kiel oder die hauseigene Neuauflage des „My own Blend 44“ durch Tabak Zander in Wuppertal.

Vielleicht sind Sie auch so ein alter Pfeifenzausel wie ich und haben Spaß daran, diese Tabake mal wieder zu entdecken… oder Sie sind ein Youngster, der seinen Tabakweg noch sucht… auch dann lege ich Ihnen die eleganten Dänen ans Herz. Voller Überzeugung, aber nicht mehr mit dem revolutionären Gefühl von einst. Schließlich ist selbst IKEA längst Establishment

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Mittwoch, 23. November 2016

TAK (Motzek) - Toms Twist

So, jetzt ist mal Schluss mit lustig. Lange genug waren amerikanische und lakelandische Twists das Maß der Dinge für die Freunde dieser urigsten und ursprünglichsten Form der Tabakdarreichung in ordentlicher Würze und Stärke. Während die US-Twists hierzulande nur schwierig zu bekommen sind und oft zur Bekanntschaft mit den Zollbehörden verhelfen, stellten die Varianten „Brown No.4“ und „Black XX“ von Samuel Gawith auf dem deutschen Markt das Angebot für die Fans kräftiger Tabakwürste dar – bislang!


Perique galt und gilt als Würztabak, noch dazu als teuer. Als vor einigen Jahren der „Ascanian“ von DTM auf den Markt kam, verneigte man sich ehrfurchtsvoll vor den enthaltenen 10% des fruchtig-würzigen Krauts und mutmaßte entsprechende Stärke. Perique-Anhänger fanden den Prozentsatz aber eher albern, mussten ihren Wunsch nach mehr bisher aber auch auf dem amerikanischen Markt decken oder mit purem Perique eigene Mischversuche unternehmen - Schluss damit!

Während Hans Wiedemann mit seinen H.U.- Tabaken schon seit einigen Jahren erfolgreich die Palette an hochwertigen, auch naturnahen Mischungen im deutschen Tabakangebot bereichert, herrschte beim Rest der Anbieter eher Einfallslosigkeit und ängstlicher Konservativismus vor. Immer die gleichen Themen, einfach neu variiert. Da war nicht viel zu erwarten und zu erhoffen. Bis vor einiger Zeit Tom Darasz, talentierter Pfeifenmacher und neuer Besitzer des ehemals von Herbert Motzek geführten Ladens in Kiel, mit seinem neuen Tabaklabel TAK dazu kam. JETZT gibt es von ihm auch endlich einen Twist aus eigener, deutscher Produktion… und WAS FÜR EINEN. Tom kombiniert satten, reifen, würzig-kräftigen Kentucky mit spritzig-pikantem, delikatem Perique… und da geklotzt wird und nicht gekleckert, im Mischungsverhältnis 50:50!


Schon der Anschnitt der harzig-saftigen Rolle ist ein Erlebnis. Diese Erdigkeit, die tiefe Kraft, die der Duft verspricht. Wer sich nun in Geduld übt und die abgeschnittenen Coins noch ein paar Stunden lüften und etwas trocknen lässt, wird mit einer Kernigkeit im Geschmack belohnt, die so schnell kein anderes Kraut bietet. Ein wenig Trockenobst, der Geruch nach schwerer, dunkler Erde, die aromatische Note frischen Heus, herbe Kräuterigkeit, dazu die spritzige, säuerlich-weinige Ergänzung vom Perique… all' das findet sich im Geschmack. Das ist Würze in der Breitwandigkeit einer Kinoleinwand.


So ist das Mischungsverhältnis perfekt. Zugemischte Virginias würden mit ihrer Süße die Harmonie dieser tiefdunklen Geschmackswelt zerstören. Dies, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist „Thor`s Hammer“ unter den Pfeifentabaken. Ruhig und zuverlässig glimmend macht er mit jedem Zug klar, wer der neue Champion im Superschwergewicht ist. Ich empfehle dringend, kleine Köpfe zu wählen. Schon bei einem mittleren Kopf begann nach der Hälfte die Zungenspitze zu kribbeln - bei mir ein eindeutiger Beweis, dass Vitamin N mit dem Radlader zugeführt wird. Ein herrlich-sättigendes Vergnügen, ein prächtiges Gemälde in dunklen, satten Farben! Doch bitte: Wer diesen Tabak als Mutprobe versteht, wird es bereuen. Sie sollten sich ernsthaft fragen, ob sie diese volle Würzigkeit mögen und wollen. Es ist keine Schande, sich von einem Tabak überfordert zu fühlen. Doch es zerstört den Spaß und macht Magengrimmen und Enttäuschung. Denen aber, die solche Tabakgiganten lieben, verspreche ich ein exzellentes, delikates Raucherlebnis. Wohl bekomm's!


Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings